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Medizin

01. Juni 2015 Neue Daten zur Zweitlinientherapie beim NSCLC: Afatinib zeigte Verlängerung des Gesamtüberlebens bei vorbehandelten NSCLC-Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom im Vergleich zu Erlotinib

Auf der diesjährigen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago wurden Ergebnisse zum progressionsfreien Überleben (PFS, primärer Endpunkt) sowie zum Gesamtüberleben (OS, sekundärer Endpunkt) aus der Phase-III-Studie LUX-Lung 8 präsentiert. Die Studie verglich Wirksamkeit und Sicherheit der Tyrosinkinase-Inhibitoren Afatinib und Erlotinib bei vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge nach Versagen einer Erstlinien-Chemotherapie. Die Studienergebnisse zeigten eine Überlegenheit des irreversiblen ErbB-Family-Blockers Afatinib gegenüber Erlotinib beim medianen progressionsfreien Überleben (PFS). Darüber hinaus lebten Patienten, die Afatinib erhielten, im Median signifikant länger als Patienten unter Erlotinib. Die Gesamtrate schwerer unerwarteter Ereignisse war mit Afatinib im Vergleich zu Erlotinib nicht erhöht. Afatinib ist in mehreren Ländern, darunter die EU, Kanada und verschiedene asiatische Länder, unter dem Namen GIOTRIF® und in den USA unter dem Markennamen GILOTRIF™ für bestimmte Patientenpopulationen (mit aktivierender EGFR-Mutation) mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) zugelassen. Afatinib hat keine Zulassung für Plattenepithelkarzinome (squamous cell carcinoma, SCC) der Lunge und andere Indikationen. Auf Grundlage der Ergebnisse der LUX-Lung 8-Studie ist weltweit die Einreichung von Zulassungsanträgen für diese Indikation noch in diesem Jahr geplant.

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Die aktuell auf dem ASCO vorgestellte Auswertung der Head-to-Head-Studie LUX-Lung 8 bestätigte die positiven Studienergebnisse für den primären Endpunkt progressionsfreies Überleben (PFS), die auf dem ESMO 2014 veröffentlicht worden waren (1). Wieder zeigte sich eine signifikante Reduktion des Progressionsrisikos um 19% für Patienten mit Afatinib gegenüber dem Vergleichsarm mit Erlotinib (2).
 
Das Gesamtüberleben war der wichtigste sekundäre Endpunkt der randomisierten Phase-III-Studie LUX-Lung 8. In der Studie verlängerte Afatinib bei vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom das mediane Gesamtüberleben signifikant auf 7,9 Monate im Vergleich zu 6,8 Monaten bei Erlotinib (2), dies entsprach einer Reduktion des Sterberisikos um 19% (2). Unter den Patienten, die mit Afatinib behandelt worden waren, lag die Gesamtüberlebensrate nach einem Jahr signifikant höher als im Erlotinib-Arm (36,4% vs. 28,2%) (2).
 
"Nach der Zulassung von Afatinib zur Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit bestimmten Formen des lokal fortgeschrittenen und/oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen und positiven Überlebensdaten in der Subgruppe der Patienten mit den häufigsten EGFR-Mutationen in dieser Indikation sind wir erfreut, nun einen Nachweis für die Wirksamkeit von Afatinib in einer weiteren Indikation erbracht zu haben. Die Studie zeigte, dass Afatinib das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben von vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge verlängerte", erläuterte der stellvertretende Therapiegebietsleiter Medizin, Onkologie, Boehringer Ingelheim, Dr. Mehdi Shahidi. Dr. Shahidi ergänzte: "Bei Boehringer Ingelheim sind wir engagiert, innovative Krebsmedikamente in Bereichen mit hoher medizinischer Notwendigkeit zu entwickeln. Es ist unser Ziel, Afatinib als neue Therapieoption in dieser weiteren Indikation zur Verfügung zu stellen und damit Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge möglicherweise besser zu helfen."
 

Die gezeigte Progressionsverzögerung unter Afatinib ging mit einer verbesserten Kontrolle krebsbedingter Symptome einher: Im Vergleich zu den mit Erlotinib behandelten Patienten berichteten bei der Befragung mittels standardisierter Fragebögen (EORTC) mehr Patienten unter Afatinib von einer Symptomverbesserung bei Husten (43,4% vs. 35,2%), Atemnot (51,3% vs.44,1%) sowie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (35,7% vs. 28,3%) (2).
 
Der LUX-Lung 8-Studienleiter Professor Jean Charles Soria, Leiter der Abteilung für Arzneimittelentwicklung des Gustave Roussy Krebszentrums, Paris, Frankreich, erklärte dazu: "Das Plattenepithelkarzinom der Lunge ist eine schwer zu behandelnde Erkrankung mit zahlreichen Komorbiditäten - betroffene Patienten können von weiteren Behandlungsoptionen profitieren. Die Ergebnisse der LUX-Lung 8-Studie sind sehr ermutigend, da sie die klinische Relevanz von ErbB-Rezeptoren als therapeutischen Angriffspunkt bei dieser Erkrankung verdeutlichen. Internationale Leitlinien empfehlen Erlotinib als Zweitlinien-Therapieoption beim Plattenepithelkarzinom der Lunge. Das in der Head-to-Head-Studie gezeigte Behandlungsergebnis unter Afatinib legt nahe, dass die Behandlung mit Afatinib in der Zweitlinie diesen Patienten möglicherweise zusätzliche Vorteile bieten könnte."
 
Die Rate schwerer unerwünschter Ereignisse (> Grad 3) in beiden Studienarmen, Afatinib und Erlotinib, war vergleichbar (57,1% vs. 57,5%) (2). Schwere Diarrhoe und Stomatitis traten unter Afatinib häufiger auf als unter Erlotinib (Grad-3/4-Diarrhoe: 9,9/0,5 vs. 2, 3/0,3%, Grad-3-Stomatitis: 4,1 vs. 0,0%), während schwerer Rash/Akne im Erlotinib-Arm häufiger waren (Grad-3-Rash/Akne: 10.4% vs. 5.9%) (2).
 
Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) ist mit einem Anteil von über 85% die häufigste Lungenkrebsform (3,4). Etwa 30% davon entfallen auf Plattenepithelkarzinome, eine Krebsform, die sich in den Schleimhäuten der Atemwege manifestiert (5,6). Die Behandlungsoptionen sind begrenzt, das Plattenepithelkarzinom der Lunge ist daher mit einer schlechten Prognose verbunden. Weniger als 5% der Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom überleben 5 Jahre oder länger (7,8).
 
Die Lux-Lung 8-Studie, in die Probanden aus 23 Ländern eingeschlossen waren, ist die erste prospektive Studie, die die Wirkung zweier verschiedener Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) bei Patienten (n=795) mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge verglichen hat.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Literatur:

(1) Goss GD, Felip E, Cobo M, et al.
A randomized, open-label, phase III trial of afatinib (A) vs erlotinib (E) as second-line treatment of patients (pts) with advanced squamous cell carcinoma (SCC) of the lung following first-line platinum-based chemotherapy: LUX-Lung 3 (LL8).
Abstract #1222O presented at the European Society for Medical Oncology (ESMO) 2014 Congress, Madrid, Spain. 26 – 30 September 2014.
(2) ASCO Abstract #8002
(3) Tessen HW, Hutzschenreuter U, Steffens CC, et al.
The treatment of lung cancer in German outpatient centres. Data from a clinical registry - TLK Registry. Onkologie. 2011;34 (Suppl.6) (Poster P533):153.
(4) Howlader N. et al.
SEER Cancer Statistics Review, 1975-2010, National Cancer Institute. Bethesda, MD,
http://seer.cancer.gov/csr/1975_2010/, based on November 2012 SEER data submission, posted to the SEER web site, 2013.
(5) Atlas of Genetics and Cytogenetics in Oncology and Haematoogy. Lung: Non-small cell carcinoma.
Available at http://atlasgeneticsoncology.org/Tumors/LungNonSmallCellID5141.html. Accessed April 2015.
(6) Bryant A and Cerfolio RJ.
Differences in Epidemiology, Histology, and Survival Between Cigarette Smokers and Never-Smokers Who Develop Non-small Cell Lung Cancer.
Chest 2007;132:185–192.
(7) Cancer Monthly. Lung Cancer (NSCLC). Available at: http://www.cancermonthly.com/cancer_basics/lung.asp. Accessed April 2015.
(8) Cetin K et al.
Survival by histologic subtype in stage IV nonsmall cell lung cancer based on data from the Surveillance, Epidemiology and End Results Program.
Clin Epidemiol. 2011;3:139–148. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21607015


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ESMO 2019
  • PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam
  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
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