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Medizin

02. November 2018 NSCLC: Wirksamkeit von Ramucirumab plus Docetaxel unabhängig von der Tumorprogression oder vorheriger Immuntherapie

Auf der diesjährigen World Conference on Lung Cancer (WCLC) in Toronto wurden 2  retrospektive „Real-World“-Studien zum Einsatz von Ramucirumab (Cyramza®) bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) vorgestellt (1, 2). Sie geben einen Hinweis darauf, dass die Wirksamkeit einer Folgetherapie aus Ramucirumab und Docetaxel unabhängig davon ist, ob die Tumorprogression in der Erstlinie nach Platin-haltiger Chemotherapie entweder langsam oder rasch (≤ 12 Wochen) erfolgt, bzw. ob die Patienten bereits eine Immunvortherapie erhalten haben. Schon zuvor hatte eine explorative Subgruppenanalyse der Zulassungsstudie REVEL ergeben, dass die Kombinationstherapie bei Patienten mit rasch fortschreitenden Tumoren im Hinblick auf das progressionsfreie und das Gesamtüberleben ähnlich wirksam sein könnten wie im Vergleich zur Intention-to-Treat-Population (3).
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Patienten mit einem aggressiven NSCLC, das unter oder nach Platin-haltiger Erstlinientherapie bereits innerhalb von maximal 12 Wochen fortschreitet, haben in der Folge meist eine schlechte Prognose (4). Umso wichtiger ist es daher, in der anschließenden Therapie über Optionen zu verfügen, die den raschen Verlauf der Erkrankung stoppen oder zumindest verlangsamen können. Wie eine auf dem diesjährigen WCLC vorgestellte Analyse von Patientendaten ergab, kann hierzu möglicherweise die Kombination aus Ramucirumab und Docetaxel beitragen (1, 2). Der Anti-VEGF-Antikörper, der insbesondere den VEGF-Rezeptor 2 inhibiert, ist seit 2016 in der Europäischen Union zur Behandlung von Erwachsenen mit fortgeschrittenem NSCLC zugelassen, bei denen es nach oder unter einer Platin-haltigen Chemotherapie zu einem Progress kommt (5). Basis hierfür waren die Ergebnisse der Phase-III-Studie REVEL, in der die Kombination aus Ramucirumab und Docetaxel im Vergleich zu Docetaxel plus Placebo ein signifikant längeres medianes Gesamtüberleben (Overall Survival, OS) und progressionsfreies Überleben (Progression Free Survival, PFS) ermöglichte und ebenfalls die Ansprechrate (Objective Response Rate, ORR) verbesserte (3).

Real-World-Daten stützen Ergebnisse von REVEL-Subgruppenanalyse
Die auf dem Kongress präsentierte retrospektive „Real-World“-Analyse basiert auf Patientendaten der US-amerikanischen Flatiron Electronic Health Record-Datenbank (1). Eingeschlossen wurden 172 NSCLC-Patienten,  bei  denen es unter einer platinbasierten Erst- oder  Zweitlinientherapie zum Progress gekommen war, wobei zwischen Patienten mit langsamerem oder raschem Progress (≤ 12 Wochen) stratifiziert wurde. Alle Patienten wurden anschließend in der Zweit- oder Drittlinie mit Ramucirumab plus Docetaxel behandelt. Das OS wurde ab Beginn der Erstlinientherapie erfasst, PFS und Time-to-Progression (TTP) ab dem Beginn der Ramucirumab-Kombinationstherapie (1).

Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten mit raschem Progress im medianen PFS ähnlich gut abschnitten, wie Patienten mit langsameren Fortschreiten der Erkrankung (3,0 vs. 3,6 Monate, HR 0,94, 95 % KI = 0,6568, 1,3476, p = 0,7380). Gleiches galt für die TTP (4,6 vs. 5,5, HR 0,82, p = 0,8109). Mit 13,2 vs. 21,6 Monaten war das mediane OS bei den Patienten mit aggressiveren Tumoren hingegen kürzer, was in der Regel auch bei anderen Studien zur Zweit- oder Drittlinientherapie des fortgeschrittenen NSCLC der Fall ist (1). Die Daten der „Real-World“-Analyse unterstützen die Ergebnisse einer früheren explorativen Subgruppenanalyse der REVEL-Studie, die ergab, dass Patienten mit Progress innerhalb von ≤ 12 Wochen von der Kombination in Bezug auf das mediane OS stärker profitierten als von Docetaxel alleine (9,1 vs. 5,8 Monate; HR 0,74, 95 % KI 0,54 – 1,0) (4). Gleiches galt für das mediane PFS (3,6 vs. 1,6 Monate, HR 0,73, 95 % KI 0,55 – 0,97). Hierbei wurde in beiden Endpunkten eine mit der ITT-Population von REVEL vergleichbare Hazard-Ratio erreicht (4).
 
Vorherige Immuntherapie ohne Einfluss auf die Wirksamkeit
Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren stellen in der  Therapie  des NSCLC einen wichtigen Baustein dar. Die zweite auf dem WCLC vorgestellte „Real-World“-Analyse ging daher der Frage nach, ob eine immuntherapeutische Vorbehandlung die Wirksamkeit der Kombination aus Ramucirumab und Docetaxel in der dritten Therapielinie beeinflusst (2). Hierzu wurden Daten von 98 NSCLC-Patienten der Flatiron Electronic Health Record-Datenbank herangezogen, die eine platinbasierte Erst- oder Zweitlinientherapie und danach Ramucirumab plus Docetaxel erhalten hatten. Stratifiziert wurde zwischen Patienten, die in der ersten oder zweiten Linie zusätzlich mit einer Immuntherapie oder aber einer anderen Therapie behandelt wurden. Häufigste eingesetzte Immuntherapie war Nivolumab mit 62 % (2). Die Auswertung ergab, dass Patienten mit vorangegangener Immuntherapie in allen untersuchten Wirksamkeitsparametern vergleichbare Ergebnisse wie Patienten ohne eine solche Behandlung erzielten. Dies galt für das ab demStart der ersten Therapie gemessene mediane OS (19,0 vs. 21,0 Monate, HR 1,06, 95 % KI = 0,6524 – 1,7364, p = 0,801) ebenso wie für das ab Beginn der Drittlinientherapie gemessene mediane PFS (3,6 vs. 3,3 Monate, HR 1,03, 95 % KI = 0,6514 – 1,6377, p = 0,889) bzw. die mediane TTP (5,5 vs. 5,1 Monate, p = 0,796) (2).

Quelle: Lilly Oncology

Literatur:

1. Batus M et al. 19th World Congress on Lung Cancer, Toronto 2018, Abstract P2.01-12
2. Clarke J et al. 19th World Congress on Lung Cancer, Toronto 2018, Abstract P3.01-19
3. Garon EB et al. Lancet 2014; 384 (9944): 665–673
4. Reck M et al. Journal of Thoracic Oncology 2017; Volume 12 (11), Supplement 2: S1808 – S1809. Verfügbar unter https://www.jto.org/article/S1556- 0864(17)31199-1/fulltext (abgerufen am 16.10.2018)
5. Fachinformation Cyramza®. Stand Januar 2016


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