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Medizin

28. Februar 2018
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NSCLC: Geringer Einsatz der Molekulardiagnostik – Verpasste Chance auf maßgeschneiderte Therapie?

Der Einsatz der molekularen Diagnostik beim Lungenkrebs bewegt sich in Deutschland nach wie vor auf einem zu niedrigen Niveau. Laut einer beim Deutschen Krebskongress (DKK) vorgestellten Erhebung werden viele Lungenkrebspatienten nicht auf bestimmte Genveränderungen untersucht, obwohl das Testergebnis für die Therapiewahl entscheidend ist (1). Erst eine molekulardiagnostische Untersuchung kann „Treibermutationen“ offenbaren, bei denen zielgerichtet wirkende Onkologika eingesetzt werden können. Diese sind meist erheblich besser wirksam und besser verträglich als unspezifische Chemotherapien. Über die Gründe, warum bei vielen Patienten die Suche nach Treibermutationen unterbleibt, diskutierten Experten beim DKK.
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„Die großen Erfolge der personalisierten Krebstherapie basieren auf einer engen Verzahnung von Therapeutikum und zugehörigem Biomarker, der zuverlässig diagnostiziert werden muss“, stellte Dr. Lars Koop, Director Oncology Diagnostics, AstraZeneca GmbH, einleitend fest. Inwiefern die Erkenntnisse aus klinischen Studien sowie daraus resultierende Leitlinienempfehlungen in der Routine umgesetzt werden, untersuchte eine beim DKK vorgestellte Befragung unter Onkologen in Deutschland.
 
Daraus ergab sich, dass etwa ein Viertel der Patienten mit fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC Stadium IV) nicht auf eine Mutation des Rezeptors für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) getestet wurde (1). Mit Testraten von lediglich 66%, 41% bzw. 9% zeigte sich für andere Treibermutationen wie EML4-ALK, ROS1 sowie BRAF ein noch schlechteres Bild (1). Dabei ermöglicht erst der Nachweis derartiger Mutationen den Einsatz von sogenannten Kinasehemmern, die gezielt Signalwege der Krebszellen blockieren und so Tumoren bekämpfen.  
 
Zu niedrige Testraten – keine adäquate Umsetzung von Leitlinienempfehlungen

Deutsche wie auch europäische Therapieleitlinien empfehlen beim fortgeschrittenen NSCLC explizit die molekulare Testung auf die oben genannten Mutationen, für die es bereits zugelassene Medikamente gibt. „Entgegen den Empfehlungen der Leitlinien werden noch immer nicht alle in Frage kommenden Lungenkrebspatienten molekularpathologisch untersucht”, sagt Prof. Dr. Helmut Ostermann, Universitätsklinikum München, der die Befragungsergebnisse beim DKK präsentierte. „Erstaunlich ist dabei, dass gerade in Kliniken und Lungenzentren weniger Patienten auf Genmutationen getestet werden als im niedergelassenen Bereich.”
 
Weitere Daten zum Testverhalten in Deutschland stimmen noch bedenklicher, wie Prof. Dr. Frank Griesinger, Pius Hospital Oldenburg, anhand von "real-world evidence" aus dem deutschen CRISP-Register (2) aufzeigte: „Unsere Auswertung zeigt, dass etwa ein Drittel der NSCLC-Patienten nicht auf EGFR-Mutationen getestet werden, obwohl dies bereits 2010 in die Leitlinie aufgenommen wurde. Bei anderen therapierelevanten Mutationen wird bei bis zu zwei Drittel der Patienten keine Testung durchgeführt.“
 
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