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Medizin

23. November 2017 NSCLC: Ergebnisse der Keynote-24-Studie könnten Therapielandschaft verändern

Der aktuelle Therapiealgorithmus beim fortgeschrittenen, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) sieht für die meisten Patienten in der ersten Linie eine Platin-basierte Chemotherapie vor, erklärte Prof. Dr. Jürgen Wolf, Köln. Doch dies könnte sich durch die Ergebnisse der Studie Keynote-24 ändern, meinte er auf einem Symposium von MSD auf dem AIO-Herbstkongress in Berlin. In dieser Untersuchung zeigte sich Pembrolizumab dem Chemotherapie-Regime überlegen, zumindest bei den Patienten, die – in Übereinstimmung mit den Einschlusskriterien dieser Untersuchung – eine hohe Tumor-PD-L1-Expression aufwiesen.
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Mit dem bisherigen Erstlinienstandard einer Platin-basierten Chemotherapie erreichte man ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 10 bis 12 Monaten, „gänzlich unabhängig davon, welche Kombination gefahren wurde“, referierte Wolf. Die Ergebnisse der Studie Keynote-24 dürften die Therapielandschaft wesentlich verändern, führte der Onkologe aus. In dieser Phase-III-Studie wurde der PD-1-Inhibitor Pembrolizumab (KEYTRUDA®) gegen das bisher gültige Behandlungsschema in der ersten Linie getestet.

Einschlusskriterien für die Patienten dieser Untersuchung waren: sie hatten keine systemische Chemotherapie als Vorbehandlung für die fortgeschrittene Tumorerkrankung (UICC IV) erhalten. Die Tumorhistologie wies keine EGFR- oder ALK-Mutationen auf und es waren keine unbehandelten Hirnmetastasen vorhanden. Außerdem mussten die Tumorzellen eine hohe PD-L1-Expression aufweisen, d.h. einen Tumor Proportion Score (TPS), d.h. prozentualen Anteil PD-L1-positiver Tumorzellen der Gewebeprobe ≥ 50% haben.
 
Signifikante Überlegenheit beim PFS, ORR und OS

Beim primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben (PFS), war Pembrolizumab (n=154) der kombinierten Chemotherapie (n=151) signifikant überlegen (p<0,001). Der Median des PFS für den Checkpoint-Inhibitor betrug 10,3 Monate vs. 6 Monate unter Chemotherapie (HR=0,5). Ein bestätigtes Gesamt-Ansprechen (ORR) wurde bei 45% der Patienten gesehen, und war somit dem Chemotherapie-Regime mit 28% ebenfalls signifikant überlegen (p=0,0011) (1). Besonders überzeugend war der Benefit für die Patienten im Gesamtüberleben (OS), dem sekundären Endpunkt. Nicht zuletzt, so Wolf, weil die Hälfte der Patienten von der Möglichkeit eines Crossovers Gebrauch gemacht hatte. Nach über 30 Monaten ergab sich ein medianes OS im Pembrolizumab-Kollektiv von 30 Monaten gegenüber 14,2 Monaten unter Chemotherapie; auch dies war statistisch signifikant (p=0,002) (2).

Demnach müsste der Behandlungsalgorithmus, so Wolf, dergestalt umgeschrieben werden, dass Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC ohne Treiber-Mutationen, die aber zugleich einen TPS > 50% haben, in der ersten Linie mit Pembrolizumab behandelt werden müssten. Zumal sich die Behandlung mit dem Checkpoint-Inhibitor als deutlich verträglicher erwiesen hat: Trotz doppelt so langer medianer Expositionsdauer betrug die behandlungsbezogene Rate unerwünschter Wirkungen vom Grad 3 und 4 unter Pembrolizumab 21% gegenüber 51% unter der Chemotherapie (1).

Reimund Freye

Quelle: Satellitensymposium: „Immunonkologie – ein spannender Weg“, AIO, 18.11.2017, Berlin; Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) Reck M et al. Ann Oncol 2016;27(suppl 6): abstr LBA8_PR (ESMO 2016, Kopenhagen).
(2) Brahmer JR et al. J Thorac Oncol 2017;12(suppl): Abstr OA 17.06 (WCLC* 2017, Yokohama).


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