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Medizin

26. Oktober 2017 NET: Enzym-Inhibitor bremst Diarrhoe bei Patienten mit Karzinoid-Syndrom

Etwa 20% aller Patienten mit neuroendokrinen Tumoren (NET) haben als häufigstes funktionelles Syndrom ein Karzinoid-Syndrom. Die ungesteuerte hormonelle Aktivität der entarteten Zellen schränkt die Betroffenen durch Symptome wie Flushing und Diarrhoe enorm ein. Der erste oral wirksame Tryptophanhydroxylase-Inhibitor Telotristatethyl (Xermelo®) – zusätzlich zu einer Therapie mit Somatostatin-Analoga (SSA) – reduziert die Häufigkeit der Diarrhoe und verbessert die Lebensqualität deutlich.
Der Lebensqualität bei NET – als quasi chronische Krankheit – kommt besondere Bedeutung zu, betonte Prof. Dr. Dieter Hörsch, Zentralklinik Bad Berka. Bei über 70% der Patienten mit einem Karzinoid-Syndrom ist oftmals eine extreme Diarrhoe mit bis zu 10 und mehr Stuhlgängen täglich sehr belastend. Peripher wirkendes Serotonin ist dabei der wesentliche Neurotransmitter. Die Hemmung der Tryptophanhydroxylase reduziert dessen Konzentration und zugleich die Symptomatik deutlich, so Hörsch. Bereits in 2 Phase-II-Studien war eine Absenkung der Stuhlfrequenz von 40-50% unter dem Enzym-Inhibitor beobachtet worden, wie Prof. Dr. Marianne Pavel, Universität Erlangen-Nürnberg ausführte. An der zulassungsrelevanten, internationalen, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie TELESTAR (1) nahmen, über eine Behandlungsdauer von 12 Wochen, 135 Patienten mit Karzinoid-Syndrom und mindestens 4 Stuhlgängen pro Tag teil. Sie waren zuvor für mehr als 3 Monate unter einer stabilen Dosis eines SSA. Unter Telotristatethyl (250 mg 3 x täglich als zugelassene Dosis) nahm nach 12 Wochen die Zahl der täglichen Stuhlgänge als primärer Endpunkt im Mittel signifikant um 1,7 ab, unter der hohen Dosis (500 mg 3 x täglich) um 2,1, unter Placebo dagegen nur um 0,9. Anhaltendes Therapieansprechen hatten 44% der Patenten unter niedriger Telotristatethyl-Dosis (42 % unter hoher Dosierung), aber nur 20% unter Placebo, so Pavel. Die Urinkonzentration von Hydroxy-Indol-Essigsäure (HIES) als Maß für die periphere Serotoninkonzentration nahm unter Verum (250/500 mg) um 40,1% (57,7%) ab, unter Placebo dagegen um 11,5% zu. Insgesamt waren 56% der Patienten unter Telotristatethyl (250 mg), aber 0% unter Placebo mit ihrer Behandlung sehr zufrieden, betonte die Endokrinologin.

Hinsichtlich der Sicherheit und Verträglichkeit gab es insgesamt keine Unterschiede zwischen Verum und Placebo. Bestätigt wurden die Ergebnisse auch in der assoziierten TELECAST-Studie (2) mit der HIES-Konzentration als primärem Endpunkt. Das Fehlen von Depressions-bedingten Studienabbrüchen unterstreiche zudem die rein periphere Serotonin-Synthesehemmung, so Pavel.

Dr. Andreas Häckel

Quelle: Presseveranstaltung „Xermelo® (Telotristatethyl) – mehr Über-Lebensqualität für Menschen mit Karzinoid-Syndrom-bedigter Diarrhö“. Frankfurt am Main 18. 10. 2017, Veranstalter Ipsen Pharma GmbH.

Literatur:

(1) Kulke MH et al. J Clin Oncol 2017;35(1):14-23
(2) Pavel M et al. Abstract C8, NANETS 2016
 


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