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17. Juli 2019 Musiktherapie bei Krebserkrankung: Erster HTA-Bericht zu Bürgerfragen liegt vor

Bei Krebs kann eine Musiktherapie kurzfristig psychische Begleitsymptome und die Lebensqualität günstig beeinflussen. Das ging aus einem Health-Technology-Assessment des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hervor.
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Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat jetzt die erste finale Fassung eines Health-Technology-Assessments (HTA), dessen Thema auf einen Vorschlag aus der Bevölkerung
zurückgeht, auf der Website des ThemenChecks Medizin veröffentlicht. Damit hat die erste Fragestellung, nämlich die nach den Effekten einer begleitenden Musiktherapie bei Krebs, das komplette Bewertungsverfahren
durchlaufen. Erarbeitet wurde der Bericht im Auftrag des IQWiG durch österreichische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. 

Dem Bericht zufolge kann eine Musiktherapie psychische Begleitsymptome einer Karzinomerkrankung wie etwa Abgeschlagenheit oder Angst sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität kurzfristig nach der
Therapiesitzung günstig beeinflussen. Für Aussagen zu langfristigen Effekten sowie bei begleitender Depression oder chronischen Schmerzen fehlen jedoch Daten. Lücken gibt es auch bei Studien, die Kosten-Aspekte untersuchen.

Nicht nur Nutzen und Schaden: HTA hat breiteren Fokus

Zu den Besonderheiten von „ThemenCheck Medizin“ gehört, dass die Fragestellungen der Berichte immer auf Vorschläge aus der Bevölkerung zurückgehen. Das IQWiG sammelt diese und wählt pro Jahr bis zu fünf Themen aus. Dabei wird die Bürger- und Patientensicht mit einbezogen.In einem Ausschreibungsverfahren werden anschließend Wissenschaftlerteams außerhalb des IQWiG gesucht, welche die HTA-Berichte orientiert an den methodischen Anforderungen des Instituts erstellen.

Der Fokus ist bei den HTA-Berichten breiter als bei anderen IQWiG-Berichten. Neben Nutzen und Schaden werden nicht nur Kosten und Aufwand, sondern auch ethische, organisatorische, soziale und rechtliche Aspekte betrachtet. Das IQWiG fungiert als Auftraggeber und Herausgeber der HTA-Berichte. Dabei prüft das Institut insbesondere, ob sich die beauftragten Expertinnen und Experten an den wissenschaftlichen Methoden des Instituts orientiert haben.

Auch kurzfristige Effekte sind für Erkrankte bedeutsam

Bei einer Musiktherapie hören Betroffene – einzeln oder in einer Gruppe – Musik oder musizieren selbst, um mit der Therapeutin oder dem Therapeuten darüber zu sprechen, was sie dabei erlebt und gefühlt haben. Die Hoffnung ist, dass dies insbesondere die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert. 

Zwar konnte die österreichische Forschergruppe insgesamt zehn randomisierte kontrollierte Studien (RCT) in ihre Analyse einbeziehen. Allerdings lassen diese Studien zu einer ganzen Reihe wichtiger Zielkriterien, wie etwa die Krankheitsbewältigung oder die berufliche und soziale Teilhabe, keine Aussagen zu. Bei einigen als „psychologisch“ zu charakterisierenden Endpunkten zeigen die Daten aber positive Effekte, vor allem für Abgeschlagenheit, Angst, Stimmungsschwankungen, Stress und Anspannung. Allerdings gilt dies meist nur für einen kurzen Zeitraum nach den Therapiesitzungen. Um die langfristige Wirksamkeit zu beurteilen, war der Zeithorizont der Studien zu kurz.

Die Autorinnen und Autoren sind sich mit dem IQWiG einig, dass diese Effekte trotz ihrer Kurzfristigkeit als patientenrelevant einzustufen sind. Wenn es den Betroffenen nach einer Therapiesitzung besser geht, so ist das gerade angesichts ihrer ohnehin starken Belastung von Bedeutung. Erst recht gilt dies in einem palliativen Setting, wenn keine Aussicht auf Heilung mehr besteht und die Lebenserwartung mitunter stark verkürzt ist.

Weitere Studien nötig

Aus ethischer Sicht erscheint die Musiktherapie unbedenklich: Zum einen ist sie non-invasiv. Zum anderen kommt sie nur dann zustande, wenn die Betroffenen motiviert sind und aktiv mitmachen. In seinem
Herausgeberkommentar merkt das IQWiG aber an, dass dennoch mögliche unerwünschte Wirkungen in Studien untersucht werden sollten.

Forschungsbedarf sehen sowohl das Autoren-Team als auch der Herausgeber in Hinblick auf Langzeiteffekte und auf die Frage, ob die begleitende Musiktherapie dazu beiträgt, die Krankheit und den Alltag besser bewältigen zu können.

Weitere Studien sind überdies für die Therapie in Gruppen nötig. Denn bislang wurde ausschließlich das Einzel-Setting untersucht. In explorativen Interviews hatten Betroffene der Forschergruppe aber berichtet, dass ihnen gerade Musiktherapie in der Gruppe inneren und sozialen Rückhalt gibt.Musiktherapie wird in Deutschland im ambulanten Bereich derzeit nur in Ausnahmefällen von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Einzelne Kliniken und Rehabilitationszentren bieten dagegen Musiktherapie im Rahmen des üblichen Aufenthaltes an.

Themen-Vorschläge jederzeit möglich

Zwei weitere HTA-Berichte aus der ersten Auswahlrunde des ThemenCheck Medizin werden noch in diesem Sommer veröffentlicht. Vorschläge für neue Themen einzureichen, ist jederzeit möglich. Sie kommen dann in die nächste Auswahlrunde. „Welche Vorschläge es schon gibt und welche bereits ausgewählt wurden, ist auf unserer Website nachzulesen“, so Lutz Altenhofen, Leiter des IQWiG-Ressorts Versorgung und Gesundheitsökonomie. Diese lautet http://themencheck-medizin.iqwig.de.

Quelle: IQWiG - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen


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