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Medizin

02. Mai 2019 Mund-Rachen-Krebs: HPV-Impfung bei Kindern dringend empfohlen

Mund-Rachen-Krebs gilt als klassische Raucher- und Trinkerkrankheit. Mittlerweile weiß man jedoch, dass hinter den Tumoren eine weitere Ursache stecken kann: Eine chronische Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Das weltweit verbreitete Virus befällt Schleimhäute und Haut; es gibt allerdings eine wirksame Impfung gegen HPV-bedingte Tumoren.
Tumoren durch HPV-Infektion

Professor Jens Peter Klußmann, Klinikdirektor der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Uniklinik Köln, rät zur Impfung. Zwar seien Papillomviren vor allem dafür bekannt, Gebärmutterhalskrebs auszulösen. Doch Klußmann erklärt: „Wir konnten nachweisen, dass der Anteil der Tumoren steigt, die auf eine HPV-Infektion zurückgehen.“ Das Virus wird sexuell übertragen. In seltenen Fällen geben Mütter es während der Geburt an ihre Kinder weiter. Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben. Auch Kondome verhindern eine Infektion nicht sicher.

Erhöhtes Risiko durch viele Sexualpartner

„In der Regel handelt es sich nur um flüchtige Infektionen, die von selbst ausheilen“, sagt Professor Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig. Sie können aber auch chronisch verlaufen und zu Krebs führen. „Wir gehen davon aus, dass Menschen, die in ihrem Leben viele Sexualpartner haben und Oralsex praktizieren, ein höheres Risiko haben, zu erkranken“, so Klußmann.

STIKO empfiehlt Impfung

Um sich zu schützen, ist eine Impfung vor dem ersten Sexualkontakt sinnvoll. Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, da Gebärmutterhalskrebs zu 100% mit Papillomviren in Verbindung gebracht wird. Etwa 45% der 17-jährigen Mädchen in Deutschland sind geimpft. Seit 2018 gilt die Empfehlung der STIKO auch für Jungen. Auch sie übertragen HPV und ihre Impfung schützt nicht nur die Mädchen, sondern verhindert auch bei den Jungen die Entstehung von Mund- und Rachenkrebs und weiteren HPV-Tumoren wie Anal- und Peniskrebs. Die Impfung zahlen die Krankenkassen.

Kinderärzte sollen Eltern erinnern

„Wir empfehlen, Kinder vor dem 14. Geburtstag zu impfen“, sagt Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt und Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Mit einem halben Jahr Abstand wird dann 2 Mal geimpft. Nach dem 14. Geburtstag gibt es 3 Spritzen im Halbjahresabstand. „Die Impfung ist sehr gut verträglich“, betont Kahl. Viele Eltern vergäßen das Impfen aber schlichtweg. Deshalb sollten Kinderärzte immer wieder darauf hinweisen. Ein guter Zeitpunkt dafür sei die Vorsorgeuntersuchung U11 im Alter von 9 bis 10 Jahren, die einige Kassen bezahlen.

Impfungen bei Erwachsenen nicht sinnvoll

Dagegen sind Impfungen im Erwachsenenalter laut Andreas Dietz nicht sinnvoll. Vorab müsse man herausfinden, ob man mit HPV infiziert sei. Zwar gibt es kommerzielle Bluttests, die Antikörper im Blut nachweisen, doch davon rät Dietz ab. „Das ist Geldschneiderei. Die Tests sagen wenig über eine Krebsgefährdung aus und können für unnötige Beunruhigung sorgen.“ Außerdem seien die Tests nicht 100%ig verlässlich.

Frühzeitige Diagnose

Ungeimpfte Menschen im Erwachsenenalter sollten gut auf ihren Körper achten. „Treten Schluckbeschwerden, Halsschmerzen oder ein Fremdkörpergefühl im Hals auf, sollte man zügig zum Arzt gehen“, rät Klußmann. Denn bei einer frühzeitigen Diagnose gebe es erhöhte Chancen, den Krebs zu besiegen. „Hier zählen Monate.“ Obwohl Mund- und Rachenkarzinome, die auf HPV zurückgehen, schnell Metastasen bilden, hat die Erkrankung eine bessere Prognose als Tumoren, die durch Rauchen und Trinken ausgelöst wurden. „Bei Tabak- und Alkoholkonsum wird die Erbsubstanz multipel geschädigt“, erklärt Dietz. „Hier ist die Fähigkeit, auf die Therapie zu reagieren, schlechter.“

Kopf-Hals-Krebs wird mit Operation, Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Laut Klußmann gibt es derzeit an der Uniklinik Köln ein wissenschaftliches Projekt, das darauf abzielt, die Virus-DNA im Blut zu finden. So wäre für Patienten mit einem Rückfall eine frühzeitige und bessere Nachsorge möglich. „Vielleicht können wir künftig auch Antikörper gegen die Viren nutzen und so die Früherkennung dieses Krebses verbessern“, hofft Klußmann.

Quelle: dpa


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