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Medizin

30. März 2017
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Multiples Myelom: HIV-Medikament Nelfinavir überwindet Resistenz gegen Proteasom-Inhibitor

Eine akademische Arbeitsgruppe am Kantonsspital St. Gallen fand mit Nelfinavir ein nicht mehr gebräuchliches HIV-Medikament, dessen Einsatz in der Therapie bestimmter Tumorerkrankungen Ansprechraten erzielt, die über denen der neuesten speziell entwickelten Krebsmedikamente liegt – bei deutlich geringeren Medikamentenkosten. Als „Nelfinavir-Driessen“ wurde der Substanz mittlerweile von der Swissmedic der Status als „orphan drug“ zur Behandlung des Multiplen Myeloms zuerkannt. Nun soll der molekulare Mechanismus ergründet werden.
Die überwiegende Mehrzahl der Myelompatienten verstirbt nach einigen Jahren nach verschiedenen medikamentösen Therapien, sobald die Erkrankung nicht mehr auf die verfügbaren Medikamente anspricht. Die Lage ist besonders prekär, wenn die Zellen resistent gegenüber Proteasom-Inhibitoren werden, einer seit zehn Jahren verfügbaren Medikamentenklasse mit besonders guter Wirksamkeit beim Multiplen Myelom. In dieser Situation beträgt die zu erwartende durchschnittliche weitere Lebensdauer weniger als ein Jahr. Die verfügbare medikamentöse Standardtherapie wirkt nur bei gut 30% dieser Patienten.

Etablierte Medikamente für neue Zwecke recyceln

Die Arbeitsgruppe für Experimentelle Onkologie und Hämatologie am Kantonsspital St. Gallen sucht seit einigen Jahren nach alternativen Möglichkeiten, solche therapieresistenten Myelomzellen wieder empfindlich für eine Therapie zu machen. Dabei setzt sie nicht auf die Entwicklung neuer Substanzen, sondern darauf, Medikamente, die seit langem erfolgreich für die Behandlung anderer Krankheiten eingesetzt werden und die daher „sicher“ sind, für die Krebstherapie zu nutzen. Solche Medikamente sollen für die Krebstherapie „recycelt“ werden, indem man bei ihnen mit Hilfe moderner molekularer Methoden neue Wirkmechanismen offenlegt, die sich für die Tumortherapie nutzen lassen. Die Gruppe hat dabei vor einigen Jahren in Laborversuchen Nelfinavir als ein Medikament identifiziert, mit dem man die Proteasom-Inhibitor-Resistenz bei Myelomzellen überwinden kann. Nelfinavir-Kapseln waren über viele Jahre ein Standardmedikament zur Behandlung der HIV-Infektion, bevor das Mittel durch wirksamere HIV-Medikamente der nächsten Generation vom Markt verdrängt wurde. Nelfinavir besitzt mittlerweile keinen Patentschutz mehr, ist damit kommerziell uninteressant und wird von der Industrie nicht mehr erforscht.
 
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