Donnerstag, 9. Juli 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

08. Mai 2018 Multidisziplinäre Therapieentscheidung beim mCRPC

Alle Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem Prostatakrebs sollten bereits bei der Diagnose sowie bei jeder Veränderung im weiteren Verlauf einem multidisziplinären Tumor-Board vorgestellt werden, stimmten die Referenten auf einem Symposium im Rahmen des Kongresses der European Association of Urology (EAU) überein. Im fachübergreifenden Austausch werden die individuellen Aspekte der Erkrankung, die verfügbaren Therapieoptionen und die aktuelle wissenschaftliche Evidenz aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, wobei neben der Wirksamkeit insbesondere auch die Lebensqualität während der Behandlung von Bedeutung ist. Die Erstlinientherapie mit Enzalutamid (XTANDITM) kann beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) nicht nur Gesamtüberleben und radiografisches progressionsfreie Überleben (rPFS) verlängern (1,2) – unabhängig von Knochen- und viszeralen Metastasen (3) –, sondern auch die Lebensqualität verbessern (4).
Anzeige:
Fachinformation
Für jeden Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem Prostatakrebs die optimale Therapie zum richtigen Zeitpunkt zu finden, kann im klinischen Alltag für den behandelnden Urologen aufgrund der Heterogenität der Patientenpopulation und ihrer Therapieziele eine wahre Herausforderung darstellen. Ein höheres Lebensalter, Komorbiditäten, Progressionsdynamik, ossäre und viszerale Metastasen sowie unterschiedliche Präferenzen der Patienten erfordern eine sehr individuelle und zugleich vorausschauende Therapieplanung, so Prof. Dr. Sergio Bracarda, Arezzo/Italien. Frühzeitige und konsequente multidisziplinäre Zusammenarbeit könne eine evidenzbasierte, leitliniengerechte und patientenorientierte Versorgung verbessern.

Patientenindividuelle Therapieerfordernisse

Um den Patienten in allen Phasen der Erkrankung eine maßgeschneiderte Behandlung zu ermöglichen, plädiert Prof. Dr. Axel S. Merseburger, Lübeck, dafür, jeden einzelnen Fall einer multidisziplinären Tumorkonferenz vorzustellen – und zwar nicht nur bei der Erstdiagnose, sondern immer dann, wenn sich im weiteren Verlauf etwas verändert. Dem Tumor-Board sollten neben dem behandelnden Urologen ein Onkologe, Radiologe, Radiotherapeut und Pathologe angehören. „Real-life“-Patienten sind oftmals hochbetagt, fragil und haben relevante Komorbiditäten. Daher sollte gegebenenfalls auch ein Internist, Kardiologe oder Geriater hinzugezogen werden. Im multidisziplinären Team werden die Befunde und patientenindividuelle Aspekte aus den unterschiedlichen fachspezifischen Perspektiven und vor dem Hintergrund der aktuellen Datenlage beleuchtet, sodass dem Patienten ein gemeinsam getragener Therapievorschlag unterbreitet werden kann. Wichtig ist aber auch, über den eigenen fachlichen Tellerrand hinauszuschauen und die individuellen Ängste, Sorgen und Bedürfnisse des Patienten im persönlichen Gespräch abzuklären sowie bei der Therapiewahl zu berücksichtigen. Der behandelnde Hausarzt und niedergelassene Urologe sollten von Anfang regelmäßig über alle Entscheidungen informiert werden, riet Merseburger.

Richtige Therapie zum richtigen Zeitpunkt

Bei der Entwicklung des Behandlungsplans geht es auch darum, das therapeutische Zeitfenster zu nutzen, in dem moderne Therapieansätze eine Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität erreichen können, sagte Prof. Dr. Petteri Hervonen, Helsinki. Wie er an dem Beispiel eines 64-jährigen Mannes mit mCRPC verdeutlichte, lehnen viele Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf eine Chemotherapie aus Angst vor den Nebenwirkungen ab. Für diese Patientengruppe ist der Einsatz von Enzalutamid in der ersten Behandlungslinie eine sinnvolle Option. Denn die Ergebnisse der placebokontrollierten Phase-III-Studie PREVAIL mit 1.717 asymptomatischen bzw. mild symptomatischen Chemotherapie-naiven mCRPC-Patienten nach Versagen einer Androgenentzugstherapie belegen einen signifikanten Überlebensvorteil unter der Therapie mit dem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (1,2). Das Risiko, am mCRPC zu sterben, sank um 23% im Vergleich zu Placebo (Hazard Ratio (HR) =0,77; p=0,0002) und das Risiko für eine radiografische Progression oder Tod um 68% (HR = 0,32; p<0,0001) (2). Die gute Tumorkontrolle und der Überlebensvorteil zeigten sich in allen präspezifizierten Subgruppen (2), einschließlich bei Patienten mit viszeralen und ossären Metastasen (3). Zusätzlich zur Verbesserung des Gesamtüberlebens blieb die gesundheitsbezogene Lebensqualität unter der Erstlinientherapie mit Enzalutamid länger erhalten als in der Placebogruppe (p<0,0001) (4). Außerdem kam es im Enzalutamid-Arm seltener zu einer Progression der Schmerzen bis auf maximale Intensität und zu einer Verzögerung bis zum Auftreten des ersten Skelett-bezogenen Ereignisses (4). Die gute Antitumor-Wirksamkeit wird darauf zurückgeführt, dass die Substanz den Androgenrezeptor-Signalweg an 3 verschiedenen Stellen hemmt (5). Enzalutamid zeichnet sich durch ein günstiges Verträglichkeitsprofil aus und kann auch den Einsatz einer Chemotherapie hinauszögern (1,2). Die gleichzeitige Einnahme von Prednison ist nicht nötig (6).

Quelle: Astellas

Literatur:

(1) Beer TM et al. N Engl J Med 2014; 371: 424-433
(2) Beer TM et al. Eur Urol 2017; 71: 151-154
(3) Evans CP et al. Eur Urol 2016; 70:675-683
(4) Loriot Y et al. Lancet Oncol 2015; 16: 509-521
(5) Sternberg CN et al. ASCO Educational Book 2014: 117-131
(6) Fachinformation XTANDITM, Stand Februar 2018a


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die Stiftung hatte...

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Krebstherapie gestern, heute, morgen: Entwicklungen in der Onkologie

Krebs gilt heute als Volkskrankheit: Bei Frauen stieg die Zahl der jährlich auftretenden Neuerkrankungen seit 1980 um 35 Prozent, bei Männern sogar um 80 Prozent an. Dass die krebsbedingte Sterberate dennoch im gleichen Zeitraum zurückging, ist u. a. Verdienst der modernen Forschung: In allen Bereichen der Krebsmedizin – von der Grundlagenforschung bis hin zur strukturierten Nachsorge der Patienten – haben sich enorme Erfolge eingestellt. Dies war jedoch ein weiter...

Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Multidisziplinäre Therapieentscheidung beim mCRPC"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden