Sonntag, 21. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

21. März 2018 Metastasiertes Pankreaskarzinom: nal-IRI in 2. Linie verbessert OS

Pro Jahr erhalten in Deutschland etwa 16.700 Menschen die Diagnose Pankreaskarzinom. Die Zahl der jährlichen Todesfälle ist ähnlich hoch. Bei 4 von 5 Patienten wird die Erstdiagnose im lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium diagnostiziert, in welchem meist keine kurative Therapie mehr möglich ist. Auf einem Symposium während des DKK in Berlin diskutierten Experten die seit 2016 zugelassene Zweitlinientherapie mit dem pegylierten liposomalen Irinotecan (nal-IRI).
Anzeige:
Fachinformation
Beim metastasierten Pankreaskarzinom besteht die Erstlinientherapie i.d.R. aus Gemcitabin oder einer Gemcitabin-basierten Therapie, erläuterte Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ulm. In der Zweitlinie stehen mit 5-FU, Docetaxel, Cisplatin, Oxaliplatin oder Irinotecan zwar viele Möglichkeiten zur Verfügung, jedoch hat in dieser Indikation lediglich nal-IRI (ONIVYDE®) eine Zulassung. Diese bezieht sich auf eine Kombination von nal-IRI mit 5-FU und Leucovorin.

Diese Zulassung basiert auf der Phase-III-Studie NAPOLI-1. Dabei handelt es sich, wie der Onkologe unterstreicht, um die „erste multinationale Zweitlinienstudie beim metastasierten pankreatischen duktalen Adenokarzinom, in die insgesamt 417 Patienten einbezogen wurden.“ Getestet wurde nal-IRI (80 mg/m2) in Kombination mit 5-FU/LV intravenös alle 2 Wochen (NAPOLI) gegen die alleinige Gabe von 5-FU/LV (200 mg/m2 + 2.000 mg/m2) (FU/LV). Beim primären Endpunkt, dem medianen Gesamtüberleben (OS), konnte NAPOLI dieses auf 6,1 Monate verlängern, verglichen mit 4,2 Monate in der Kontrollgruppe; das Sterberisiko wurde damit um 33% signifikant gesenkt (p=0,012).Das mediane PFS konnte unter NAPOLI gegenüber FU/LV mit 3,1 versus 1,5 Monate mehr als verdoppelt werden (p=0,0001). Und die Gesamtresponse (ORR) zeigte mit 16,2% gegen 0,8% eine sehr deutliche Überlegenheit (p<0,0001). Die häufigsten Nebenwirkungen mit Schweregrad 3 oder 4 unter NAPOLI waren Neutropenie (27%), Diarrhoe (13%), Erbrechen (11%) und Fatigue (14%) (1).

Supportivtherapie für bessere Lebensqualität

Über Aspekte der Supportivtherapie beim Pankreaskarzinom referierte Prof. Dr. Stefan Kubicka, Reutlingen. Insbesondere beim Pankreaskarzinom steht eine Mangelernährung mit einem vorzeitigen Versterben in Zusammenhang. Eine Optimierung des Ernährungszustandes verbessert nicht nur die Prognose, sondern ebenso die Lebensqualität und den Allgemeinzustand, was die Therapiefähigkeit der Patienten verbessert. Hierfür stehen eine ganze Reihe an Möglichkeiten zur Verfügung, wobei die parenterale Nutrition – wenngleich als letztes Mittel – aber dennoch in Erwägung zu ziehen ist. Eine enterale Ernährung ist oftmals nicht mehr möglich, etwa weil eine Obstruktion oder Dysmotilität des Darms vorliegt oder eine Malabsorption oder Mukositis. Bei einem mechanischen Ileus ist die Möglichkeit einer Operation zu prüfen, bei einem paralytischen Ileus besteht eine Option in der Motilitätssteigerung, etwa mit Neostigmin® 0,5-1 mg in 50 ml NaCl 0,9% über Perfusor. Hilfreich, so Kubicka, hat sich die Gabe von Prednisolon (15 mg 2x/d) bei Krebspatienten erwiesen, wovon sie signifikant profitierten, nicht nur in Hinsicht auf den Appetit, sondern auch auf die Fatigue (2). „Ich sehe dies aber als Option in einer späten Krankheitsphase, weil die Patienten ansonsten die Nebenwirkungen zu spüren bekommen würden“, schränkt der Onkologe ein.

Reimund Freye

Quelle: Symposium „Das metastasierte Pankreaskarzinom – individualisierte Sequenztherapie und optimierte Supportivtherapie", DKK, 22.02.2018, Berlin; Veranstalter: Shire

Literatur:

(1) Wang-Gillam A et al. Lancet 2016;387(10018):545-57.
(2) Paulsen O et al. J Clin Oncol 2014;32(29):3221-8.


Das könnte Sie auch interessieren

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Brustkrebs: Wissen schafft Mut

Brustkrebs: Wissen schafft Mut
© drubig-photo / Fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Damit ist das Mammakarzinom mit 65.500 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste Tumor bei Frauen. Die Diagnose wirft Fragen auf: Welche Therapie ist die richtige? Wo bekomme ich Hilfe? Die Deutsche Krebshilfe unterstützt Krebspatienten bei ihrem Kampf gegen die Erkrankung. Sie bietet allen Betroffenen eine kostenfreie telefonische Beratung an und hält allgemeinverständliche...

Zielgerichtete Brustkrebstherapie ist erfolgreich

Brustkrebs kann jede Frau treffen. Eine von acht Frauen wird im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose konfrontiert - allein in Deutschland sind das 72.000 Frauen im Jahr. Doch dank innovativer Forschung und Entwicklung wurden gerade in der Behandlung von Brustkrebs in den vergangenen Jahren große Fortschritte erreicht. Heute sind zielgerichtete Medikamente verfügbar, die die Überlebensaussichten von Frauen mit Brustkrebs entscheidend verbessern.

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale...

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Metastasiertes Pankreaskarzinom: nal-IRI in 2. Linie verbessert OS"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren