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Medizin

20. September 2019 Metastasiertes Magenkarzinom: Neue Chemotherapieoption Trifluridin/Tipiracil

Für Patienten mit metastasiertem Magenkarzinom gab es bis vor Kurzem spätestens nach der zweiten palliativen Chemotherapie keine evidenzbasierte Möglichkeit weiterer Therapielinien mehr. Das hat sich mit der Zulassungserweiterung für Trifluridin/Tipiracil im Juli 2019 geändert. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 20.000 Menschen neu an Magenkrebs und 18.000 sterben jährlich an dieser Erkrankung. Dies weise auf eine sehr ungünstige Prognose hin, wie Prof. Dr. med. Sylvie Lorenzen, Klinikum Rechts der Isar der TU München, auf einem Pressegespäch zur Indikationserweiterung von Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf®) betonte.
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Zwischen 40% und 80% der Patienten, die an Magenkrebs erkranken, werden erst im metastasierten Stadium diagnostiziert, nur ein Viertel überlebt fünf Jahre oder länger. Im inoperablen metastasierten Stadium empfiehlt die ESMO-Leitlinie1 eine palliative Platin- und Fluoropyrimidin-basierte Chemotherapie. Nur für die wenigen Patienten, die HER2-positiv sind, gibt es mit Trastuzumab eine weitere Therapieoption, die mit der Chemotherapie kombiniert wird.

Bisher keine Sequenztherapie

Für weitere Therapielinien gibt es bisher relativ wenig Evidenz. Der ESMO-Algorithmus enthält zwar die Empfehlung einer Zweitlinientherapie. Aber eine Drittlinientherapie fehlt bisher. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass historische Daten durchaus für den Nutzen weiterer Therapiesequenzen sprechen, aber bisher keine klare Evidenz über die Zweitlinie hinaus vorliege.

Dies hat sich mit den Ergebnissen der multizentrischen Phase-III-Studie TAGS2 mit Trifluridin/Tipiracil (FTD/TPI) nun geändert. TPI hemmt die Thymidinphosphorylase (TP) und verhindert damit die Inaktivierung des Antimetaboliten Trifluridin (FTD).

Patienten mit metastasiertem Magenkarzinom, bei denen mindestens zwei vorangegangene palliative Chemotherapien versagt hatten, erhielten in dieser Studie FTD/TPI (35 mg/m2 über 5 Tage pro Zyklus) plus best supportive care (BSC) oder Placebo plus BSC im Verhältnis 2:1. In die Verumgruppe wurden 337 und in die Placebogruppe 170 Patienten randomisiert.  Ingesamt waren 8-12 Zyklen dieser Therapie geplant. Lorenzen hob hervor, dass der Anteil von Patienten, bei denen es sich um eine Drittlinientherapie handelte, in der Studie nur 38% betrug. Die übrigen Patienten hatten noch mehr Linien hinter sich.

Signifikanter Überlebensvorteil

Als primärer Endpunkt wurde das Gesamtüberleben untersucht. Hier zeigte sich ein signifikanter Vorteil für FTD/TPI: Die Patienten überlebten median 5,7 Monate versus 3,6 Monate in der Placebogruppe (p=0,0003). Dies entspricht einer relativen Reduktion des Sterberisikos um 31%. Von den sekundären Endpunkten erwähnte Lorenzen besonders die hohe Rate an kompletten Remission (CR). Eine CR hatten 44% versus 14% der Patienten erreicht (p < 0,0001). Der ECOG-Status der Patienten der FTD/TPI-Gruppe verschlechterte sich auch signifikant langsamer als in der Placebogruppe: Es dauerte median 4,3 versus 2,3 Monate, bis die Patienten einen ECOG-Status ≥ 2 erreicht hatten (p=0,0005).
Weitere Analysen ergaben, dass Patienten, die gastrektomiert worden waren, ebenso gut ansprachen wie Patienten ohne frühere Gastrektomie und dass Patienten mit Tumoren des Magens und des gastroösophagealen Übergangs vergleichbar profitierten.

Handhabbare Toxizität

Das Sicherheitsprofil der Therapie unterschied sich nicht vom dem, das bei Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom beobachtet wurde, wo Trifluridin/Tipiracil schon länger eingesetzt wird. Hämatologische Nebenwirkungen standen im Vordergrund. Am häufigsten trat eine Neutropenie auf (38% Grad 3 oder 4). Unter den nicht hämatologischen Nebenwirkungen spielt vor allem die Diarrhö eine Rolle. Die Toxizität war insgesamt gut handhabbar. Bei nicht mehr als 10% der Patienten war es nötig, Zyklen zu verzögern, die Dosis zu reduzieren oder die Therapie abzubrechen.
Zugelassen ist Lonsurf® für erwachsene Patienten mit metastiertem Magenkarzinom oder Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs, die schon mindestens 2 systemische Therapien hinter sich haben.
                               

Martin Bischoff

Quelle: Pressegespräch „Indikationserweiterung von Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf) beim Magenkarzinom“, München, 12. September 2019; Veranstalter Servier

Literatur:

Smith EC et al. Ann Oncol 2016; 27(Suppl 5) v38-49.

Shitara K et al. Lancet Oncol 2018; 19: 1437-1448.


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ESMO 2019
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  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
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