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Medizin

28. November 2018 Mehr Diagnosesicherheit beim Prostatakarzinom

Mit der Multiparametrischen Magnetresonanz-Tomographie und der PSMA-PET-Methode stehen mittlerweile moderne Untersuchungsverfahren zur Diagnose von Prostatakarzinomen zur Verfügung. Das PSA-Screening kann laut aktuellen Auswertungen Leben retten. Außerdem sind neue Medikamente für Karzinome mit Kastrationsresistenz verfügbar.
Mit rund 63.000 Neuerkrankungen ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Laut Aussage der Deutschen Krebsgesellschaft steigt die Kurve der Neuerkrankungen seit 3 Jahrzehnten kontinuierlich an. Forschung und Wissenschaft arbeiten an Methoden, um die Früherkennung zu verbessern und neue Diagnosemethoden zu entwickeln.

Multiparametrische Magnetresonanz-Tomographie und die PSMA-PET-Methode

Bislang konnte das Prostatakarzinom mit den klassischen bildgebenden Verfahren in der Tumordiagnostik nicht exakt diagnostiziert werden. Denn bei Auffälligkeiten nach einem Tastbefund werden bei der mit transrektalem Ultraschall gelenkten Stanzbiopsie bis zu 12 Gewebeproben systematisch, aber blind aus der Prostata entnommen. Ein Verfahren, welches zwar im Allgemeinen gut vertragen wird, sehr selten aber auch mit möglichen Nebenwirkungen wie Infektionen verbunden sein kann.

Das könnte sich nun ändern. „Die multiparametrische Magnetresonanz-Tomographie (mpMRT) ist ein neuartiges und äußerst genaues bildgebendes Verfahren“, erklärt Prof. Dr. Glen Kristiansen vom Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Bonn. „Bei der strahlungs- und schmerzfreien Untersuchung werden die aggressiven Tumorherde in der Prostata erkannt, sodass der Radiologie oder auch der Urologe gezielter Gewebe entnehmen kann. Die neue Methode hilft auch bereits dabei, klinisch insignifkante Tumoren von aggressiven Tumoren besser zu differenzieren.“ Noch ist das moderne Verfahren allerdings nicht in standardisierter Qualität auf breiter Ebene verfügbar. Und die systematische Biopsie ist immer noch nötig, da noch unklar ist, ob die alleinige Untersuchung mithilfe des mpMRT ausreicht, um alle klinisch signifikanten Tumoren zu erkennen.

Zu den innovativen Untersuchungsverfahren in der Diagnostik von Prostatakarzinomen zählt zudem die Positronenemissionstomographie (PET) mit radioaktiv markierten, niedermolekularen Liganden des Prostata-spezifischen Membranantigens (PSMA). „Die PSMA-PET-Methode wird meist für die Stadieneinteilung in bei einem biochemischen Rezidiv nach radikaler Prostatektomie bzw. Bestrahlung verwendet“, erläutert Prof. Dr. Peter J. Wild vom Dr. Senckenbergischen Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Frankfurt. „Selbst bei niedrigen PSA-Werten gelingt der Nachweis von lokalen Rezidiven. Eine Trefferquote von ca. 70% ist bei PSA-Werten von 0,5-1ng/ml möglich. Auch Metastasen lassen sich durch diese Methode detektieren.“

Langzeitstudien zum PSA-Screening als Früherkennung erforderlich

Seit mehreren Jahren gibt es eine international kontrovers geführte Debatte, ob ein PSA-Screening eine Früherkennung des Karzinoms unterstützt. Hierbei werden beschwerdefreie Männer auf einen erhöhten Wert des prostataspezifischen Enzyms PSA untersucht. „Die europäische Langzeitstudie ERSPC (European Randomized Study of Screening for Prostata Cancer) ist die derzeit aussagekräftigste Untersuchung“, so Kristiansen. „Sie läuft seit 1993 und weist eine Senkung des Sterberisikos bis heute um etwa 27% nach. Neueste Zahlen belegen, dass die Anzahl der Patienten, die therapiert werden müssen, immer weniger werden. Man kann also durch das Screening Leben retten, der Aufwand ist allerdings relativ hoch.“

Neue Medikamente bei Kastrationsresistenz

Von einer Kastrationsresistenz beim Prostatakarzinom spricht der Mediziner, wenn die Krebserkrankung fortschreitet, obwohl der Patient eine klassische Hormonentzugstherapie erhält. Dabei werden dem Tumor Androgene entzogen, um das Tumorwachstum zu hemmen. Voraussetzung für die Diagnose Kastrationsresistenz ist ein niedriger Testosteronspiegel im Blut. Für den Patienten bedeutet dies, dass Medikamente mit einer Wirkung des körpereigenen Hormons LH-RH nicht mehr greifen und der Tumor resistent gegen einen reinen Hormonentzug geworden ist. Für diese Situation gibt es nun neue Therapiemöglichkeiten.

„In den letzten Jahren wurden für diese Patientengruppe mehrere neue Medikamente zugelassen“, führt Wild aus. „Hierbei sind vor allem 2 zu nennen: Abirateron in Kombination mit Prednison sowie Enzalutamid. Abirateron ist seit November 2017 zugelassen und ein selektiver Inhibitor des Enzyms CYP17A1, das normalerweise sowohl die Testosteron- als auch die Östrogen-Produktion katalysiert. Enzalutamid hemmt den Signalweg des Androgenrezeptors an 3 Stellen und ist seit Juni 2013 für Männer mit metastasiertem Prostatakrebs zugelassen.“

Die Zukunft: Biomarker und Liquid Biopsy

Immer mehr molekulare Marker helfen bei der Diagnostik von Karzinomen. Beim Prostatakrebs als genetisch sehr heterogene Erkrankung sind molekulare Tests bislang noch sehr teuer. „Untersuchungen legen nahe, dass metastasierte Prostatakarzinome mit DNA-Reparaturdefekten auf eine systemische Therapie mit PARP-Inhibitoren wie Olaparib ansprechen, wenn Mutationen in Genen der DNA-Reparatur (homologe Rekombinationsdefizienz (HRD)) vorliegen“, so der Bonner Pathologe Kristiansen. „In Studien wird auch eine besondere Form des Androgenrezeptors AR-V7 als Biomarker zur Vorhersage des Ansprechens einer Therapie mit Abirateron/Enzalutamid untersucht. Noch ist aber nicht klar, welche Rolle dieser Biomarker in der Praxis spielen wird und welches Testsystem das geeignetste ist.“

Eine wichtige Rolle als Frühwarnsystem nicht nur für das Prostatakarzinom kann zukünftig die Liquid Biopsy spielen, bei der Tumor-DNA in Blutproben nachgewiesen wird. Im Vergleich zu lokalen Verfahren wie Nadelbiopsien, bei der nicht immer alle Tumorläsionen entdeckt werden, fließen im Blut Tumorzellen aus unterschiedlichen Körperregionen zusammen. Noch ist die Wissenschaft allerdings auf der Suche nach hochsensitiven molekularanalytischen Verfahren, um auch kleineste Spuren von Tumor-DNA zuverlässig im Blut nachweisen zu können.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.


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