Mittwoch, 28. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Giotrif
Giotrif

Medizin

08. April 2013 Medulloblastom: Forscher entwickeln neuen Therapieansatz

Wissenschaftler der Harvard Medical School in Boston/USA und der Universität Münster haben einen neuen Ansatz zur Behandlung von Medulloblastomen entwickelt. Das Wachstum dieses bösartigen Tumors lässt sich offenbar bremsen, indem die Kommunikation der Krebszellen mit dem umliegenden Gewebe chemisch unterbrochen wird - eine solche Krebsbehandlung wäre weniger schädlich als die konventionellen Therapien.

Anzeige:
Kyprolis

Medulloblastome sind bösartige Tumoren im Kleinhirn, die meistens bei Kindern auftreten. Sie machen etwa 20% aller Hirntumoren bei Kindern aus, damit handelt es sich um die häufigsten malignen Hirntumoren in dieser Altersgruppe. "Behandelt werden Medulloblastome durch chirurgische Entfernung, Chemotherapie und Strahlentherapie", erläutert Dr. Lars Riedemann, Assistenzarzt in der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie der Uniklinik Münster, der derzeit als Forschungsstipendiat am Massachusetts General Hospital in Boston arbeitet: "In den letzten Jahren hat sich die Überlebensrate von Patienten deutlich verbessert, dennoch belastet diese Therapie den Körper extrem. Gerade bei jungen Patienten bleiben häufig schwere Nervenschäden zurück."

Bald könnten Patienten mit Medulloblastomen deutlich schonender behandelt werden. Wie das internationale Forscherteam herausgefunden hat, kommuniziert der Tumor durch ein Protein und einen Rezeptor mit dem umliegenden Gewebe, dem sogenannten Tumorstroma. "Dass Tumoren mit dem Tumorstroma kommunizieren, ist seit Jahrzehnten bekannt", erläutert Riedemann: "Besonders für die Bildung neuer Blutgefäße in Tumoren ist diese Kommunikation wichtig."

Am nun entdeckten Signalweg sind das Protein PIGF (Placental Growth Factor) und sein Rezeptor Nrp1 (Neuropilin-1, ein Proteinrezeptor, welcher PIGF bindet) beteiligt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Protein PIGF größtenteils vom Tumorstroma produziert wird. Der Tumor regt die PIGF-Bildung durch Abgabe des Proteins SHH (Sonic hedgehog) an. Das in den Stromazellen gebildete PIGF bindet wiederum an den Nrp1-Rezeptoren auf den Tumorzellen an. Dadurch entsteht ein geschlossener Kommunikationskreislauf zwischen Tumor und Stroma, der zu einem stärkeren Tumorwachstum führt. Wenn die Kommunikation mit dem Tumorstroma durch Antikörper gegen PIGF oder gegen Nrp1 unterbrochen wird, bildet sich das Medulloblastom bei Versuchen mit erkrankten Mäusen deutlich zurück.

Die Antikörper gegen PIGF und Nrp1 haben sich in klinischen Studien an erwachsenen Menschen bereits bewährt; ob sie auch bei Kindern sicher angewendet werden können, müsse die Wissenschaft noch beweisen, so Riedemann: "Wir hoffen es, aber noch fehlen maßgeschneiderte klinische Studien für Kinder mit Medulloblastomen."

Riedemann ist einer von drei münsterschen Co-Autoren des Cell-Artikels. Neben ihm haben Prof. Claudia Rössig, ebenfalls aus der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie, sowie Prof. Martin Hasselblatt vom Institut für Neuropathologie mitgearbeitet. Drei der vier Erstautoren forschen an der Harvard Medical School, die verbliebene Erstautorin am belgischen Vesalius Research Center. Die Studie wurde gefördert durch die amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute (National Institutes of Health), den Pharmakonzern Hoffmann-La Roche sowie die münsterische Rolf-Dierichs-Stiftung. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt Riedemanns Forschung in den USA mit einem Mildred-Scheel-Stipendium.
 
Literaturhinweis:
Matija Snuderl, Ana Batista, Nathaniel D. Kirkpatrick et al.
Targeting Placental Growth Factor/Neuropilin 1 Pathway Inhibits Growth and Spread of Medulloblastoma
Cell, Volume 152, Issue 5, 1065-1076, 28 February 2013 doi:10.1016/j.cell.2013.01.036
http://www.cell.com/abstract/S0092-8674%2813%2900128-1?switch=standard
 

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Anzeige:
Empliciti
Empliciti

Stichwörter

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Medulloblastom: Forscher entwickeln neuen Therapieansatz"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib