Samstag, 24. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Revlimid
Revlimid
 

Medizin

29. Mai 2019 Medizintechnik: Wissenschaftler für Innovationen in der Strahlentherapie geehrt

Das Deutsche Krebsforschungszentrum ehrt mit Wolfgang Schlegel einen Pionier der Medizinischen Physik: Zahlreiche Verfahren und Techniken, die heute in den Kliniken rund um den Globus eine präzise Bestrahlung von Tumoren ermöglichen, basieren auf den Entwicklungen Schlegels und seiner Mitarbeiter. Mit einem wissenschaftlichen Farewell-Symposium am 31. Mai bedanken sich Kollegen und Weggefährten bei einem international herausragenden Wissenschaftler.
Anzeige:
Empliciti
Empliciti
Zahlreiche Innovationen

Aus Interesse an der Medizin bewarb sich der frisch promovierte Kernphysiker Wolfgang Schlegel 1973 beim Deutschen Krebsforschungszentrum – wo er sein gesamtes weiteres Berufsleben der medizinischen Physik in der Strahlentherapie widmete. „Wahrscheinlich hat kein anderer Physiker jemals so viele Innovationen in der Strahlentherapie auf den Weg gebracht wie Wolfgang Schlegel. Zahllose Patienten weltweit haben es seinen Erfindungen zu verdanken, dass ihre Tumoren präzise und schonend bestrahlt und ihre Heilungschancen so verbessert werden konnten“, sagt Michael Baumann, Vorstandvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

3-dimensionale tumorkonforme Behandlung

Wolfgang Schlegel hat sich im DKFZ von Anfang an dem Ziel verschrieben, die Strahlung so präzise wie möglich auf den Tumor in seiner 3-dimensionalen Ausdehnung zu richten. Zu Beginn seiner Karriere konnte eine Strahlenbehandlung von Krebs lediglich anhand der auf dem Röntgenbild erkennbaren Umrisse des Tumors geplant werden. Doch als das DKFZ 1976 den deutschlandweit ersten Ganzkörper-Computertomographen installierte, hatte Schlegel die Vision, die Schnittbilder aus dem menschlichen Körper zu nutzen, um am Computer die erste 3-dimensionale tumorkonforme Behandlung zu planen – und ging damit europaweit in Führung.

Lamellenkollimator

Ende der 1970er Jahre wurden erstmals Abschirm-Blenden vorgestellt, die bei einer Strahlenbehandlung das Bestrahlungsfeld durch manuell verschiebbare Metalllamellen eingrenzen und entsprechend des Tumorquerschnitts formen konnten. Schlegel erkannte sofort, welches Verbesserungspotential eine Computersteuerung dieser Lamellen für die Therapie bringen würde. Seine Mitarbeiter entwickelten den Prototypen eines rechnergesteuerten „Lamellenkollimators“, der in einer neu gegründeten Firma zur Marktreife geführt und dann an ein Unternehmen verkauft wurde. Die Technologie ist heute weltweit in den meisten Bestrahlungsgeräten integriert.

Der computergesteuerte Kollimator, dessen Lamellen sich während der Bestrahlung bewegen können, steht auch im Zentrum einer weiteren Erfindung aus Schlegels Innovationsschmiede: Bei der intensitätsmodulierten Strahlentherapie, kurz IMRT, erhält jeder Bereich des Tumors die notwendige Strahlendosis, das umgebende Gewebe wird aber trotzdem geschont. Voraussetzung für diese Behandlung ist neben dem Kollimator eine „inverse“ Therapieplanung. Dazu hat Schlegels damaliger Mitarbeiter Thomas Bortfeld, heute Professor an der Harvard Medical School, entscheidend beigetragen. Die Methode wurde in eine bedienungsfreundliche Planungssoftware integriert. Diese Entwicklungen waren bahnbrechend für die Strahlentherapie, die IMRT fand lawinenartige Verbreitung und ist heute klinischer Standard bei der Behandlung komplexer Tumorformen.

Vermeidung schwerer Beeinträchtigungen

„Gerade, wenn Tumoren in der Nähe sensibler Strukturen liegen, etwa am Sehnerv oder am Rückenmark, kann die IMRT den Patienten schwere Beeinträchtigungen ersparen“, erklärt Jürgen Debus, der Ärztliche Direktor der Strahlentherapeutischen Universitätsklinik Heidelberg und langjähriger enger Kooperationspartner Schlegels. „Die IMRT hat uns ermöglicht, viele Patienten zu bestrahlen, deren Tumoren sonst nicht zu behandeln gewesen wären.“

Bildgeführte Strahlentherapie

Eine große Herausforderung für Strahlentherapeuten ist nach wie vor, dass durch Organbewegungen strahlensensibles Gewebe in den zu bestrahlenden Bereich geraten kann. Abhilfe schafft hier eine in der Abteilung von Schlegel entwickelte Methode, bei der ein neuartiges computertomographisches System direkt am Beschleuniger angebracht wird. Dies erlaubt es, Aufnahmen direkt vor jeder Therapiesitzung zu machen. Damit können Ärzte während der Behandlung Lage und eventuelle Verschiebung eines Tumors kontrollieren und die Position des Patienten gegebenenfalls nachjustieren. Auch diese „bildgeführte Strahlentherapie“ hat Einzug in die modernen Behandlungsgeräte und ist nicht mehr aus dem klinischen Alltag wegzudenken.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum


Anzeige:
Pegfilgrastim

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Medizintechnik: Wissenschaftler für Innovationen in der Strahlentherapie geehrt"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib