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Medizin

19. Dezember 2019 Mammakarzinom: Studien zu entzündungshemmenden Medikamenten, Fruchtbarkeit und Herzschäden

Untersuchungen durch Forscher von Mayo Clinic legen nahe, dass manche Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko von der Einnahme entzündungshemmender Medikamente profitieren könnten.
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„Mehrere Studien haben untersucht, ob die Einnahme entzündungshemmender Medikamente wie Aspirin, Ibuprofen und Naproxen das Brustkrebsrisiko einer Frau beeinflusst“, sagt Dr. Amy Degnim, onkologische Brustchirurgin bei Mayo Clinic in Minnesota, „es ist jedoch wenig darüber bekannt, wie sich die Gabe dieser Medikamente nach der Brustbiopsie eines gutartigen Tumors auf ihr Risiko auswirkt“. Dr. Degnim zufolge wird in den USA jährlich bei etwa einer Million Frauen ein gutartiger Brusttumor diagnostiziert und bei dieser Diagnose in der Vorgeschichte steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Protektive Wirkung von Ibuprofen und Naproxen

Die Forscher fragten Frauen, die sich zwischen 1992 und 2001 in einem Zentrum von Mayo Clinic einer Brustbiopsie unterzogen hatten, die einen gutartigen Tumor ergab, welche Medikamente sie wie lange eingenommen hatten. Die Forscher ermittelten zudem, welche Frauen in den Jahren nach der Biopsie des gutartigen Tumors an Brustkrebs erkrankten.
„Wir fanden heraus, dass Frauen, die angaben, Ibuprofen oder Naproxen eingenommen zu haben, ein um ca. 40% geringeres Brustkrebsrisiko hatten, während Frauen, die Aspirin eingenommen hatten, kein geringeres Brustkrebsrisiko aufwiesen“, sagt Dr. Degnim. „Frauen, die die Medikamente häufiger und regelmäßig anwandten, waren ebenfalls besser vor Brustkrebs geschützt.“

Weitere Untersuchungen notwendig

Degnim zufolge deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Frauen, bei denen im Rahmen einer Brustbiopsie ein gutartiger Tumor diagnostiziert wurde, ihr Risiko der Entwicklung von Brustkrebs möglicherweise durch die Einnahme entzündungshemmender Medikamente, mit Ausnahme von Aspirin, senken können. Sie gibt jedoch zu Bedenken, dass diese Studie keine klinische Studie war, und sie empfiehlt nicht, dass alle Frauen diese Medikamente einnehmen sollten, um ihr Brustkrebsrisiko zu verringern. „Unsere Ergebnisse sprechen für die Notwendigkeit einer klinischen Studie, bei der die Risiken und der Nutzen der Einnahme dieser Medikamente zur Senkung des Brustkrebsrisikos näher untersucht werden.“

Erhalt der Fruchtbarkeit durch Vermediung intensiver Chemotherapie

Junge Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs können laut den Ergebnissen einer Studie von Dr. Kathryn Ruddy, Onkologin bei Mayo Clinic, zur Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit beitragen, indem sie eine bestimmte Art von Chemotherapie wählen. „Die Dysfunktion der Eierstöcke nach einer Krebsbehandlung ist ein ernstes Problem, da sie mit Unfruchtbarkeit und Wechseljahresbeschwerden, wie Hitzewallungen und sexuellen Funktionsstörungen, einhergehen kann“, sagt Ruddy.
Ruddy und ihr Team befragten Probandinnen, die an einer randomisierten klinischen Studie teilnahmen, in der die Wirksamkeit von T-DM1 gegenüber einer Kombination aus Paclitaxel und Trastuzumab getestet wurde, zu ihrem Menstruationszyklus. „Wir fanden heraus, dass bei jungen Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs die Wahrscheinlichkeit, dass die Menstruation wieder einsetzt, nach Erhalt von 2 relativ neuen Behandlungen, nämlich mit T-DM1 oder einer Kombination aus Paclitaxel und Trastuzumab, höher ist als bei jungen Frauen, die konventionelle und intensivere Chemotherapien bekommen hatten.“
Ruddy wertet die Ergebnisse als gute Nachricht für Frauen, die ihre Fruchtbarkeit durch eine Brustkrebsbehandlung nicht verlieren möchten. Zudem geht sie davon aus, dass Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen für Patientinnen, die mit den neueren Therapien behandelt werden, weniger belastend sind. Ruddy und ihre Kollegen werden zusätzliche Analysen zur Wirkung von Tamoxifen auf diese Ergebnisse durchführen, bevor sie einen Fachartikel zu dieser Studie veröffentlichen.

Modell zur Identifikation von Risiko für Herzschäden durch Brustkrebstherapie

Forscher von Mayo Clinic in Florida haben ein Modell entwickelt, mit dem Patientinnen, bei denen das Risiko einer Herzschädigung durch die HER2-Brustkrebsbehandlung erhöht ist, in einem frühen Stadium identifiziert werden können. „Kardiotoxizität ist eine bekannte Komplikation der Anti-HER2-Therapie“, erklärt Dr. Pooja Advani, Onkologin bei Mayo Clinic. Advani zufolge haben klinische Studien bestätigt, dass die Anti-HER2-Therapie bei Brustkrebs tiefgreifende Auswirkungen auf das Überleben der Patientinnen haben kann.
„Die häufigste Manifestation einer Kardiotoxizität bei Brustkrebspatientinnen, die eine Anti-HER2-Therapie erhalten, ist die Verringerung der Ejektionsfraktion ohne Symptome“, sagt Advani. Die Ejektionsfraktion gibt den Prozentsatz des Blutvolumens an, das bei jeder Herzkontraktion ausgeworfen wird.

Nach Aussage von Advani sind Risikofaktoren wie ein erhöhtes Alter, eine niedrigere Ejektionsfraktion vor Beginn der Behandlung und die Anwendung einer Anthracyclin-Chemotherapie, z.B. mit Doxorubicin oder Adriamycin, durchweg mit einem höheren Kardiotoxizitätsrisiko aufgrund einer Anti-HER2-Therapie in Zusammenhang gebracht worden. Advani und ihre Kollegen beobachteten 604 Brustkrebspatientinnen, die in einem Brustkrebszentrum von Mayo Clinic mit Anti-HER2-Zytostatika behandelt wurden. Sie sammelten Patientendaten wie Alter, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Body-Mass-Index, Raucherstatus, medizinische Komorbiditäten, Einnahme von Herzmedikamenten, Ausgangswerte der Herzfunktion, Dicke des Herzmuskels und vorherige Anwendung einer Anthracyclin-Chemotherapie. Die Forscher identifizierten Patientinnen, die eine Kardiotoxizität entwickelten, sowohl asymptomatisch als auch symptomatisch oder beides. Sie führten eine statistische Analyse durch, um Risikofaktoren zu identifizieren, die mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer Herzfunktionsstörung assoziiert waren.

Bestimmte Faktoren erhöhen Risiko der Kardiotoxizität

„Wir stellten fest, dass Patientinnen mit bestimmten Risikofaktoren, darunter ein Alter über 55 Jahre, eine schlechtere Baseline-Herzfunktion (Ejektionsfraktion von weniger als 60%), der Erhalt einer Anthracyclin-Chemotherapie sowie vergrößerte und verdickte Herzwände, ein signifikant erhöhtes Risiko der Entwicklung einer Kardiotoxizität aufwiesen“, sagt Advani. „Dies steht im Einklang mit zuvor berichteten Studien.“
Advani wiesen ihren Erkenntnissen zufolge Patientinnen, die im Rahmen ihrer Brustkrebsbehandlung eine Strahlentherapie erhalten hatten, kein signifikant höheres Risiko auf, eine Kardiotoxizität aufgrund einer Anti-HER2-Therapie zu entwickeln.

Kumulativer Risikoscore aussagekräftiger Prädiktor

Advani und ihre Kollegen erstellten ein Risikovorhersagemodell, indem sie jedem der oben genannten Faktoren einen Score zuordneten. Dabei stellten sie fest, dass der kumulative Risikoscore ein hoch signifikanter Prädiktor für die Kardiotoxizität bei Patientinnen war.
„Die Verwendung eines Risikovorhersagemodells bei Therapiebeginn kann uns dabei helfen, Patientinnen zu identifizieren, die von einer frühzeitigen Überweisung an einen Kardiologen zur engmaschigen Überwachung und medikamentösen Behandlung zum Schutz ihrer Herzfunktion profitieren können“, erklärt Advani.

Quelle: Mayo Clinic


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