Donnerstag, 19. September 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

02. Mai 2019 Mammakarzinom bei Frauen unter 35 Jahren: Lokalrezidivraten vergleichbar mit älteren Patientinnen

Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 70.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs – unter ihnen sind auch immer mehr jüngere Frauen. Brustkrebs ist bei jungen Frauen biologisch aggressiver als bei älteren Patientinnen. „In unseren Richtlinien empfehlen wir bestimmte Therapieansätze, die gute Resultate erzielen können“, so ESMO-Sprecher Dr. Matteo Lambertini vom IRCCS Policlinico San Martino Hospital, University of Genua, Italien. Dr. Lambertini weist dies anhand von 2 Studien nach, die während der ESMO Brustkrebskonferenz 2019, vom 02. bis 04. Mai in Berlin vorgestellt werden.
Anzeige:
Aggressivere Brustkrebsarten bei jüngeren Patientinnen
 
Laut Lambertini ist das junge Alter nicht zwangsläufig ein Grund für eine intensivere Behandlung: „Bei Frauen unter 40 Jahren werden tendenziell aggressivere Brustkrebsarten diagnostiziert, z.B. sind ihre Tumore 3-fach negativ oder HER2-positiv. Dennoch sind die Überlebens- und Lokalrezidivraten vergleichbar mit denen von Brustkrebspatientinnen aller Altersgruppen, sofern sie eine angemessene Behandlung erhalten.“
 
Aggressivität des Tumors

Wie aggressiv Tumoren sind, zeigt eine Studie aus Portugal mit 207 Patientinnen unter 35 Jahren (1). Brustkrebs ist bei Frauen unter 35 Jahren die am häufigsten vorkommende Krebsart, denn 5% aller Erkrankungen treten in dieser Altersgruppe auf. Bei den Tumorsubtypen waren 20% 3-fach negativ, 28% HER2-positiv und 4% luminal A gegenüber 67% luminal B, was die höheren Anteile der aggressiveren Tumorsubtypen bei jungen Frauen bestätigt. Nach einem medialen Follow-up von 53,5 Monaten haben 85% der Frauen den Krebs besiegt, 26 Patientinnen hatten Metastasen und 3 hatten ein lokales Rezidiv entwickelt.

Studienautorin Dr. Ines F. Eiriz vom Prof. Doutor Fernando Fonseca Krankenhaus in Amadora, Portugal sagt dazu: „Die Überlebenschancen waren bei Frauen mit hormonrezeptorpositiven Tumoren am höchsten, gefolgt von Frauen mit HER2-positiven Erkrankungen und schließlich Frauen mit 3-fach negativem Brustkrebs. Die mittlere Überlebensdauer von Patientinnen ohne Metastasen betrug 130 Monate, verglichen mit 37 Monaten bei Patientinnen mit metastasierenden Erkrankungen“(2).

Wiederauftreten des Tumors

Eine Schweizer Studie über die Rückkehr von Brustkrebs bei 359 Frauen im Alter von 50 Jahren oder jünger zeigte, dass während eines medianen Follow-ups von 45,6 Monaten 14 Patientinnen ein lokales Rezidiv, 6 Fernmetastasen und 9 Patientinnen beides entwickelten (3). Die mittlere Zeit bis zum Wiederauftreten betrug 31 Monate. Die 3- und 5-Jahresrisiken für das Lokalrezidiv betrugen 4,7 bzw. 9,5%. Die Rate des krankheitsfreien Überlebens betrug 94,3% und 91,2% nach 3 bzw. 5 Jahren. Insgesamt betrug die Überlebensrate nach 5 Jahren 93%.

Studienautorin Dr. Simona Cima vom Onkologie-Institut der Südschweiz (IOSI) in Bellinzona sagt dazu: „Die meisten Rezidive bei diesen Patientinnen waren eher lokal als metastatisch. Unsere Studie läuft derzeit noch und der nächste Schritt ist die Identifizierung von Prädiktoren für ein lokales Wiederauftreten, z.B. nach HER2 und eines 3-fach negativen Status.“

Jüngeres Alter bedeutet keine schlechtere Überlebenschance

Dr. Lambertini abschließend dazu: „Eine Diagnose Brustkrebs in jungen Jahren bedeutet keine schlechtere Überlebenschance oder eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr des Krebses, wie diese Studien zeigen. Es ist von größter Wichtigkeit, dass allen Brustkrebspatientinnen unabhängig von ihrem Alter die richtige Behandlung ermöglicht wird. Bei jungen Frauen sollte besonders auf mögliche Nebenwirkungen von Krebstherapien, z.B. das Risiko von Unfruchtbarkeit, geachtet werden.“

Quelle: Europäische Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO)

Literatur:

(1) Abstract 101P_PR"Breast Cancer in Young Women - a multi-center 10-year experience" wird von Ines F. Eiriz im Rahmen der Poster lunch Session am Freitag, den 3. Mai, 12:15 bis 13:00 Uhr in der Exhibition Area vorgestellt. Annals of Oncology, Volume 30, 2019 Supplement 3, doi:10.1093/annonc/mdz095.
(2) Die Daten in dieser Pressemitteilung sind die endgültigen Daten, die auf der ESMO Breast Cancer Konferenz 2019 veröffentlicht werden, aktualisiert aus dem ersten Abstract.
(3) Abstract 102P_PR"Breast cancer early recurrences in young women"wird von Simona Cima im Rahmen der Poster lunch Session am Freitag, den 3. Mai, 12:15 bis 13:00 Uhr in der Exhibition Area vorgestellt. Annals of Oncology, Volume 30, 2019 Supplement 3, doi:10.1093/annonc/mdz095


Das könnte Sie auch interessieren

Was hilft Kindern mit Krebs und deren Eltern?

Was hilft Kindern mit Krebs und deren Eltern?
© Frantab / Fotolia.com

Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, verändert sich in einem Augenblick das gesamte Leben der Familie – Gefühle, Gedanken, der Alltag. Für die Eltern krebskranker Kinder ist es eine große Belastung, sich in der neuen Lebenssituation mit den Unsicherheiten und Verlustängsten zurechtzufinden. In dieser schwierigen Situation gibt es viele unterstützende Angebote. Das ONKO-Internetportal stellte in seinem Monatsthema eine Auswahl davon vor.

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen außerhalb des „Screening-Alters“...

Brustkrebs bei Männern

Brustkrebs bei Männern
© Zerbor / fotolia.com

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer an Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Da es für Männer keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme gibt und der Gedanke an Krebs zunächst fern liegt, wird die Erkrankung beim Mann meist erst in späteren Stadien diagnostiziert als bei Frauen. Dadurch verstreicht wertvolle Zeit, die bei der Behandlung fehlt. Wie Brustkrebs beim Mann entsteht, erkannt und behandelt wird,...

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Mammakarzinom bei Frauen unter 35 Jahren: Lokalrezidivraten vergleichbar mit älteren Patientinnen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.