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Medizin

21. Oktober 2016 Magen- und Kolorektalkarzinom: Zweitlinientherapie mit Ramucirumab

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der DGHO in Leipzig diskutierten führende Experten über neue Standards und Innovationen in der Therapie des fortgeschrittenen Magen- und Kolorektalkarzinoms. Quintessenz war, dass die Zulassung des VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-Rezeptor-2-Antikörpers Ramucirumab  (Cyramza®) die Optionen für die palliative Zweitlinientherapie von Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs sowie von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) maßgeblich erweitert hat (1).
Das Ziel der Behandlung bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom oder metastasiertem Kolorektalkarzinom ist eine Verlängerung der Lebenszeit bei nach Möglichkeit unverändert erhaltener Lebensqualität. Was sich durch die Zulassung von Ramucirumab in der Therapie dieser Patienten verändert hat, wurde unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Salah-Eddin Al-Batran (Frankfurt) und PD Dr. Stefan Kasper (Essen) im Rahmen eines DGHO-Symposiums erläutert.

Ramucirumab beim fortgeschrittenen Magenkarzinom

Für vorbehandelte Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, deren Tumor nach oder während einer Platin- und Fluoropyrimidinhaltigen Erstlinientherapie fortgeschritten oder refraktär war, wurde in der Phase-III-Studie RAINBOW gezeigt, dass eine Kombinationstherapie mit Ramucirumab plus Paclitaxel das mediane Gesamtüberleben (OS) im Vergleich zu Paclitaxel allein signifikant verlängert (9,6 vs. 7,4 Monate; Hazard Ratio [HR] 0,81; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,68-0,96; p=0,017) (2). Auch das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) verlängerte sich unter der Kombinationstherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant (4,4 vs. 2,9 Monate; HR 0,64; 95%-KI 0,54-0,75; p<0,0001). Zudem erreichten unter Ramucirumab/Paclitaxel mit 28% signifikant mehr Patienten ein objektives Therapieansprechen als im Placebo/Paclitaxel-Arm mit 16% (p=0,0001) (2). Das Verträglichkeitsprofil der Therapie mit Ramucirumab – als wichtiger Faktor für die Lebensqualität der Patienten – war vergleichsweise gut. Zu den Nebenwirkungen vom Grad 3, die im Ramucirumab-Arm häufiger als im Kontrollarm beobachtet wurden, gehörten Hypertonie (14% vs. 2%), abdominelle Schmerzen (6% vs. 3%) und Fatigue (12% vs. 5%) (2).

Aufgrund der Daten der Phase-III-Studie REGARD wurde Ramucirumab zeitgleich auch in Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs zugelassen, wenn diese Patienten für eine Kombinationstherapie mit Paclitaxel nicht geeignet sind (1,3).

mCRC: Überlebensverlängerung bei vorbehandelten Patienten

Ramucirumab kann darüber hinaus in Kombination mit FOLFIRI (5-Fluorouracil, Folinsäure, Irinotecan) zur Behandlung des mCRC eingesetzt werden (1). In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie RAISE wurde für Patienten mit mCRC, bei denen eine Erstlinientherapie mit Bevacizumab, Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin versagt hatte, unter Ramucirumab plus FOLFIRI ein signifikant längeres medianes OS im Vergleich zu Placebo plus FOLFIRI erreicht (13,3 vs. 11,7 Monate) (4). Dies entsprach einer Risikoreduktion um 16% zugunsten des Ramucirumab-Arms (HR 0,84; 95%-KI 0,73-0,98; p=0,0219). Für das mediane PFS konnte ebenfalls eine signifikante Verlängerung gezeigt werden: Im Ramucirumab-Arm überlebten die Patienten im Median 5,7 Monate, im Placebo-Arm 4,5 Monate (HR 0,79; 95%-KI 0,70-0,90; p<0,0005). Die Therapie mit Ramucirumab wurde vergleichsweise gut vertragen (4). Nebenwirkungen vom Grad ≥3, die bei mehr als 5% der Patienten auftraten, waren Neutropenie (38% unter Ramucirumab, 23% unter Placebo), Hypertonie (11% vs. 3%), Diarrhö (11% vs. 10%) und Fatigue (12% vs. 8%). Die Rate febriler Neutropenien war vergleichbar (3% vs. 2%).

Fazit: Therapieoptionen für gastrointestinale Tumoren erweitert

RAINBOW ist die bislang größte Studie zur Zweitlinientherapie des Magenkarzinoms und zugleich die erste Studie, die einen Überlebensvorteil mit ei-nem VEGFR-2-Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie zeigen konnte (2). RAISE konnte für Ramucirumab in Kombination mit FOFIRI für vorbehandelte Patienten mit mCRC eine signifikante Überlebensverlängerung bei vergleichsweise guter Verträglichkeit belegen. Beide Ramucirumabhaltigen Behandlungsregimes repräsentierten somit eine wichtige Erweiterung der Therapieoptionen für die palliative Zweitlinientherapie in der jeweiligen Indikation.

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Fachinformation Cyramza®. Stand: Januar 2016
(2) Wilke H et al., Lancet Oncol 2014; 15: 1224-1235
(3) Fuchs CS et al., Lancet 2014; 383: 31-39
(4) Tabernero J et al., Lancet Oncol 2015; 16: 499-508


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