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Medizin

31. Oktober 2018 MM: CD38-Antikörper jetzt auch in Erstlinie zugelassen

Gab es lange Zeit für die Behandlung des Multiplen Myeloms (MM) kaum Medikamente, so steht der Behandler nunmehr vor einer schon fast unübersichtlichen Palette von Möglichkeiten, wie Prof. Dr. Cristoph Röllig, Dresden, eingangs eines von Janssen unterstützten Symposiums auf dem Kongress der hämatologischen Onkologen in Wien mitteilte. Auch für Patienten, die für eine autologe Stammzelltransplantation (autoSCT) nicht geeignet sind, stehen zahlreiche Substanzen zur Verfügung, die in mehreren Therapielinien verabreicht werden können. So ist Daratumumab jetzt auch als Firstline-Therapeutikum zugelassen.
Als Monotherapie in der dritten Linie und in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason sowie mit Bortezomib und Dexamethason in der zweiten Behandlungslinie des MM war der vollhumane monoklonale CD38-Antikörper Daratumumab (Darzalex®) bereits zuvor zugelassen. Im August 2018 erhielt Daratumumab zusätzlich noch die Zulassung für die Erstlinientherapie, und zwar in Kombination mit Bortezomib, Melphalan und Prednison bei Patienten, die für eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autoSCT nicht infrage kommen.

Vierfachtherapie mit signifikanter Überlegenheit

Die diesbezügliche Zulassungsstudie ALCYONE präsentierte PD Dr. Markus Munder, Mainz. In dieser Untersuchung wurden 706 neu diagnostizierte Patienten inkludiert, bei denen aufgrund ihres Alters (≥ 65 Jahre) oder bestehender Begleiterkrankungen eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender SCT kontraindiziert war. Sie wurden entweder mit der Kombination von Bortezomib, Melphalan und Prednison behandelt (VMP, n=356) oder erhielten zusätzlich zu dem Triplet den Antikörper Daratumumab (D-VMP, n=350).

Unter D-VMP wurde ein verlängertes progressionsfreies Überleben (PFS) erzielt. Munder: „Nach einer Beobachtungszeit von 18 Monaten betrug die PFS-Rate in der Daratumumab-Gruppe 72% und im VMP-Kollektiv 50%. Das Risiko für Progress oder Versterben konnte durch die Zugabe des Antikörpers Daratumumab um 50% gesenkt werden.“ Die Differenz war signifikant (p<0,0001). Das mediane PFS wurde in der D-VMP-Gruppe nicht erreicht, in der Kontrollgruppe lag es bei 18,1 Monaten (1). Auch die Breite des Ansprechens konnte durch Daratumumab deutlich verbessert werden: So sprachen auf D-VMP mit 90,9% signifikant mehr Patienten an als unter VMP (73,9%, p<0,001). Darüber hinaus erreichten fast doppelt so viele Patienten unter D-VMP eine komplette Remission (CR: 42,6% vs. 24,4%; p<0,001).

„Das Ziel jeder MM-Behandlung“, betont der Onkologe, „ist eine nicht mehr nachweisbare Resterkrankung.“ Diese MRD*-Negativität erreichten 22% der Patienten unter D-VMP gegenüber 6,2% nach einer VMP-Applikation (p<0,001). Der negative MRD-Status war – unabhängig vom Behandlungsarm – mit einem verlängerten PFS assoziiert. In beiden Armen waren die häufigsten Nebenwirkungen mit ähnlicher Rate: Neutropenie, Thrombozytopenie und Anämie. Im D-VMP-Kollektiv waren lediglich schwere Pneumonien  öfter vertreten (11% vs 4%), worauf der Arzt also besonders achten sollte (2).

Reimund Freye

* MRD: Minimal residual disease

Quelle: Satellitensymposium „Myelomtherapie im Wandel", DGHO, 30.09.2018, Wien, Österreich; Veranstalter: Janssen

Literatur:

(1) Mateos MV et al. N Engl J Med 2018;378:518-28.
(2) Mateos MV et al. ASH 2017; Abstract LBA-4.


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