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Medizin

Bevacizumab beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

23. August 2018 MITO16B-MaNGO-Studie: Re-Induktion von Bevacizumab verlängert progressionsfreie Zeit

Die Kombination Bevacizumab (Avastin®)/Chemotherapie ist beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom (FIGO-Stadium IIIB-IV gemäß Klassifikation von 1988) für die Erstlinientherapie bzw. in der Rezidivsituation zugelassen (1). Aktuelle Daten der Phase-III-Studie MITO16B-MaNGO zeigen, dass in der Rezidivsituation auch bereits mit Bevacizumab vorbehandelte Patientinnen erneut von der Substanz profitieren können (2). Im Interview erläutert Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Hintergründe zur Studienlage.
Jalid Sehouli
Wie beurteilen Sie die aktuellen Daten der MITO16B-MaNGO-Studie?

Sehouli: Die aktuellen Ergebnisse der MaNGO-Studie, die als „orale presentation" auf der diesjährigen ASCO-Jahrestagung präsentiert wurden (2), zeigen, dass die antiangiogene Therapie mit Bevacizumab auch bei Bevacizumab-Vortherapie eine wirksame Therapieoption ist. Eine Re-Induktion macht insbesondere dann Sinn, wenn die Patientinnen gut und anhaltend von einer Therapie profitierten.

Welche Auswirkungen haben die neuen Daten auf die Therapiewahl?

Sehouli: Derzeit ist Bevacizumab für noch nicht antiangiogen vorbehandelte Patienten zugelassen. Insofern haben die Daten erst einmal keine unmittelbaren Auswirkungen auf den klinischen Alltag. Sie unterstreichen aber, dass Bevacizumab ein wirksamer Kombinationspartner der Chemotherapie ist und deren Wirksamkeit erhöht.

Wie setzen Sie Bevacizumab persönlich bei Ihren Patientinnen ein?

Sehouli: Wir setzen Bevacizumab primär als Erstlinientherapie ein und besprechen dies mit unseren Patientinnen ab dem Stadium IIIB nach alter FIGO-Klassifikation. Wir verweisen auf die Datenlage und erklären den Patientinnen, dass sie mit Bevacizumab die Chance haben, signifikant länger progressionsfrei zu bleiben (3,4).

Welche Auswirkungen haben die neuen Daten für die Therapie?

Sehouli: Wie gesagt – die Re-Induktion von Bevacizumab ist derzeit nicht zugelassen. Ich würde aber im Einzelfall bei Patientinnen mit einem sehr langen krankheitsfreien Intervall unter Erstlinientherapie mit Bevacizumab schon jetzt über eine Re-Induktion nachdenken. Zudem sehen wir leider immer wieder Patientinnen, bei denen die Bevacizumab-Therapie im Rahmen der Erhaltungstherapie nicht über 15 Monate gegeben, sondern vorzeitig abgebrochen wurde, obwohl die Patientin nicht progredient war. Diesen Patientinnen bieten wir schon jetzt die Re-Induktion von Bevacizumab in der Rezidivsituation an.

Welche Patientinnen würden Sie im Platin-sensiblen Rezidiv erneut mit Bevacizumab behandeln und welche bekämen eher einen PARP-Inhibitor?

Sehouli: Das ist so nicht leicht zu beantworten, da prospektive und randomisierte Studien zu dieser Fragestellung fehlen. Bei der Entscheidung sollten verschiedene Faktoren, wie Symptomatik, Remissionsdruck (Aszites, Ileus, Subileus), Nebenwirkungen der Vortherapie, Ergebnis der Ersttherapie (Operation, Chemotherapie, Antikörpertherapie), therapiefreies Intervall, Tumorbefallsmuster und Patientinnenpräferenz mit berücksichtigt werden. Meist handelt es sich hier nicht um eine „Entweder-Oder-Entscheidung“, sondern eher um sequentielle Rezidivtherapien, da die Patientinnen in der Regel viele Therapielinien erhalten.

Die Wirksamkeit der Kombination aus Bevacizumab/Chemotherapie wurde im klinischen Alltag bestätigt. Wie wichtig sind diese „Real-World"-Daten?

Sehouli: Die Daten aus dem klinischen Alltag sind sehr wichtig, da sie bei Patientinnen erhoben werden, die nicht den strikten Ein- und Ausschlusskriterien randomisierter Phase-III-Studien unterliegen. Das heißt wir erhalten ein Abbild, wie sich eine Therapie bei typischen Patientinnen verhält. Die Nord-Ostdeutsche Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie (NOGGO e.V.) fördert daher entsprechende Studien, wie zum Beispiel die nicht-interventionelle Studie OTILIA (5). Hier werden Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom first-line mit Bevacizumab/Chemotherapie behandelt. Die OTILIA-Daten sind sehr konsistent mit den Studiendaten zur Erstlinientherapie mit Bevacizumab (2).

Im Rahmen der ASCO-Jahrestagung 2018 wurden neue Daten der OTILIA-Studie (6) vorgestellt. Wie schätzen Sie diese Daten ein?

Sehouli: Wir haben von Anfang an im Rahmen der OTILIA-Studie auch Analysen zu speziellen Fragestellungen durchgeführt. Die aktuelle Auswertung fokussiert Patientinnen mit präexistierender Hypertonie bzw. jene, die unter Bevacizumab eine Hypertonie entwickeln. Die Analyse zeigt, dass diese Patientinnen keinen Nachteil hinsichtlich der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Bevacizumab haben. Bei Patienten, die unter Bevacizumab eine Hypertonie entwickeln, sehen wir sogar ein längeres progressionsfreies Überleben (6). Die Hypertonie könnte also möglicherweise ein Surrogatmarker für ein gutes Ansprechen sein. Wichtig ist, dass die Hypertonie kein Grund ist, den Patientinnen Bevacizumab vorzuenthalten.

Quelle: journalonko.de

Literatur:

(1) Fachinformation Avastin®, Stand: März 2018.
(2) Pignata S et al. J Clin Oncol 2018;36(Suppl): Abstract 5506.
(3) Burger R et al. N Engl J Med 2011;365:2473-2483.
(4) Burger R et al. J Clin Oncol 2011;29(Suppl):337s (Abstract 5023).
(5) Woopen H et al. Ann Oncol 2017;28(Suppl):340 (Abstract 956P).
(6) Armbrust R et al. J Clin Oncol 2018;36(Suppl): Abstract 5546.


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