Samstag, 23. März 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

12. April 2018 Krebsprävention: Verwandte von Krebspatienten wollen gesünder leben

Viele Krebserkrankungen sind die Folge eines ungesunden Lebensstils und somit vermeidbar. Doch aus einer jahrelangen Routine auszubrechen und das Verhalten auch langfristig zu ändern, stellt eine enorme Herausforderung dar. Eine Änderungsbereitschaft ergibt sich oftmals erst dann, wenn bestimmte Ereignisse eintreten, die zum Nachdenken über die eigene Gesundheit anregen. Auch das Auftreten von Krebserkrankungen in der Familie könnte so ein Ereignis darstellen - und damit zur Krebsprävention genutzt werden. Dies legen die Ergebnisse einer Studie nahe, die von Prof. Dr. Ulrike Haug, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am BIPS, durchgeführt wurde.
Anzeige:
„Verwandte von Krebspatienten zeigten sich besonders motiviert, mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Sport zu treiben, mehr Obst und Gemüse zu essen und weniger Alkohol zu trinken – vor allem diejenigen, die sich ihres erhöhten Krebsrisikos bewusst waren“, sagt Ulrike Haug. „Daraus ergibt sich ein großes Potenzial für die Präventionsberatung, das zum Beispiel durch Ärzte genutzt werden kann, um diesen Personen zu einem gesünderen Lebensstil zu verhelfen. Gerade bei nahen Verwandten von Krebspatienten ist Krebsprävention besonders wichtig, da unter anderem aufgrund genetischer Faktoren ihr Risiko erhöht ist, selbst an Krebs zu erkranken.“

Im Rahmen der Studie wurden rund 1.000 Personen aus Deutschland online befragt, darunter 700 Personen mit einem oder mehreren erstgradigen Verwandten (Kinder, Geschwister, Eltern), die an Krebs erkrankt sind, und – als Kontrollen – 300 Personen ohne derartige Erkrankungen im nahen Familienumfeld. Die in der Studie berücksichtigten Krebsarten waren Darm-, Lungen-, Prostata-, Brust-, Magen-, Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs.

Abgefragt wurden unter anderem Informationen zum persönlichen Lebensstil (Rauchen, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Fleisch- und Obstkonsum). Darüber hinaus sollten die Teilnehmer anhand einer mehrstufigen Skala angeben, wie sie ihr eigenes Krebsrisiko einschätzen sowie für jeden Lebensstilfaktor ihre Bereitschaft beschreiben, etwas daran zu verändern.

„In der Auswertung zeigten sich deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung des eigenen Krebsrisikos zwischen beiden Gruppen“, sagt Ulrike Haug. So schätzten lediglich 4% der Befragten ohne Krebsfall in der näheren Verwandtschaft ihr Krebsrisiko als erhöht ein, während es bei den Personen mit Krebs in der Familie 22% waren. Zudem gab es bei der Risikoeinschätzung je nach Krebsart deutliche Unterschiede. So gingen bei Darmkrebs in der Familie 18% und bei Magenkrebs sogar 30% der Befragten von einem erhöhten eigenen Risiko aus.

Personen mit einer erhöhten Risikowahrnehmung zeigten darüber hinaus eine deutlich höhere Bereitschaft, bestimmte Lebensstilfaktoren zu ändern. So waren 64% der befragten Raucher mit erhöhter Risikowahrnehmung bereit, das Rauchen aufzugeben – gegenüber 46% bei Rauchern, die ihr Krebsrisiko als niedrig einschätzten. Ähnliche Verhältnisse zeigten sich bei der Motivation, mehr Sport zu treiben (65 vs. 50%), mehr Obst und Gemüse zu essen (77 vs. 56%) und weniger Alkohol zu konsumieren (44 vs. 26%).

Das Fazit von Ulrike Haug ist eindeutig. „Das Potenzial, Maßnahmen zur Krebsprävention bei Verwandten von Krebspatienten wirksam umzusetzen, sollte ausgeschöpft und weiter erforscht werden. Die Grundlage einer effektiven und erfolgreichen Krebsprävention ist die Risikowahrnehmung. Sie ist die Keimzelle für die Bereitschaft auch tatsächlich etwas am eigenen Risikoverhalten ändern zu wollen. Beides ist bei Menschen mit an Krebs erkrankten nahen Verwandten deutlich stärker gegeben als bei Personen, denen dieses Schicksal bislang erspart geblieben ist. Angesichts der Tatsache, dass bei den Betroffenen auch aus medizinischer Sicht ein tatsächliches erhöhtes Krebsrisiko besteht, sollten neben allgemeinen Angeboten auch Präventionsprogramme ganz speziell für diese Gruppe entwickelt und auf diese abgestimmt werden. Denn die Betroffenen – so zeigt es unsere Studie – sind absolut offen dafür.“

Quelle: Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS

Literatur:

Haug U, Riedel O, Cholmakow-Bodechtel C et al.
First-degree relatives of cancer patients: a target group for primary prevention? A cross-sectional study.
Br J Cancer. 2018 Mar 21. doi: 10.1038/s41416-018-0057-2.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29559731


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Lange Zeit galt die Diagnose Lungenkrebs als sicheres Todesurteil. Dank neuer Diagnostik und personalisierter Behandlungsmethoden haben sich die Aussichten für Betroffene in den letzte fünf Jahren dramatisch verbessert, wie Experten auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Mailand erklärten. Wichtig sei, stets einen Lungenfacharzt in die Behandlung mit einzubeziehen, betont die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Patienten...

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde, hat nur ein Drittel der Befragten* in letzter Zeit...

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Krebsprävention: Verwandte von Krebspatienten wollen gesünder leben"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.