Donnerstag, 9. Juli 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

30. Mai 2020 KEYNOTE-189 beim nicht plattenepithelialen NSCLC: Finale Daten untermauern Überlebensvorteil unter Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie

Die beim virtuellen ASCO-Kongress 2020 (ASCO20 Virtual) im Rahmen einer Poster-Session vorgestellte finale Analyse der KEYNOTE-189-Studie bestätigt, dass die Kombination von Pembrolizumab (KEYTRUDA®) mit Chemotherapie in der Erstlinie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ohne Plattenepithelhistologie auch nach einer zusätzlichen medianen Nachbeobachtungszeit von rund 18 Monaten zu einem deutlichen Vorteil beim medianen Gesamtüberleben (OS) führt (1). Das mediane OS, das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) und das mediane PFS2 wurden durch Pembrolizumab in Kombination mit Pemetrexed + Carbo- oder Cisplatin gegenüber der Chemotherapie + Placebo jeweils nahezu verdoppelt – was die Bedeutung der Pembrolizumab-basierten Kombinationstherapie als Erstlinienbehandlung untermauert.
Pembrolizumab ist seit 2018 in Kombination mit Pemetrexed und Platin-Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung des metastasierenden nicht plattenepithelialen NSCLC ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen bei Erwachsenen zugelassen. In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie KEYNOTE-189 hatten Patienten mit nicht vorbehandeltem, metastasiertem, nicht plattenepithelialem NSCLC nach einer 2:1-Randomisierung entweder Pembrolizumab + eine Chemotherapie aus Pemetrexed und Carbo- oder Cisplatin über 4 Zyklen gefolgt von Pembrolizumab/Pemetrexed (n=410) oder Placebo + Chemotherapie über 4 Zyklen gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Placebo/Pemetrexed (n=206) erhalten. Primäre Studienendpunkte waren das OS und das PFS.
 
Die beim ASCO20 Virtual vorgestellte finale Analyse der Studie nach einer medianen Zeit seit der Randomisierung von 31 Monaten bis zum Datenschnitt am 20.05.2019 bestätigt, dass die Dreierkombination Pembrolizumab + Platin + Pemetrexed einer reinen Chemotherapie aus Platin und Pemetrexed in Bezug auf die primären Endpunkte auch im längeren Zeitverlauf deutlich überlegen ist (1).
 
Wie Dr. Delvys Rodriguez-Abreu, Las Palmas De Gran Canaria, Spanien, und Kollegen berichteten, war das mediane OS im Pembrolizumab-Arm mit 22,0 Monaten etwa doppelt so lang wie unter der Chemotherapie + Placebo mit 10,6 Monaten (HR=0,56) bei einer 2-Jahres-OS-Rate von 45,2% vs. 27,3%. Zudem lebten die Patienten der Pembrolizumab-Gruppe etwa doppelt so lange progressionsfrei wie die Patienten der Vergleichsgruppe (medianes PFS 9,0 vs. 4,9 Monate; HR=0,49) bei einer 2-Jahres-PFS-Rate von 22,0% vs. 3,4%. Der Vorteil hinsichtlich des OS und PFS unter der Pembrolizumab-basierten Therapie zeigte sich durchgängig in allen Subgruppen mit unterschiedlicher PD-L1-Expression (Tumor Proportion Score (TPS) ≥ 50%: OS-HR=0,59 und PFS-HR=0,35; TPS 1-49%: OS-HR=0,66 und PFS-HR=0,53; TPS < 1%: OS-HR=0,51 und PFS-HR=0,67) (1) – bei handhabbarem Sicherheitsprofil. Die objektive Ansprechrate (ORR) betrug 48,3% unter der Immun-Chemotherapie gegenüber 19,9% unter Chemotherapie + Placebo; hier spiegelte sich der Vorteil zugunsten von Pembrolizumab ebenfalls in allen Subgruppen mit unterschiedlicher PD-L1-Expression wider.

Auch die Daten zum explorativ erhobenen Endpunkt PFS2, also der Zeit von der Randomisierung bis zur Erkrankungsprogression nach Beginn einer Zweitlinientherapie oder bis zum Tod, passten sich in das bestehende Gesamtbild ein. Das mediane PFS2 war zum Zeitpunkt der finalen Analyse mit 17,0 Monaten bei den Patienten, die die Kombination aus Pembrolizumab + Chemotherapie erhielten, knapp doppelt so lang wie bei den Patienten, die die Chemotherapie ohne Beteiligung von Pembrolizumab erhalten hatten (9,0 Monate; HR=0,50). Auch das PFS2 erwies sich als unabhängig vom PD-L1-Status der Patienten (TPS ≥ 50%: HR=0,52; TPS 1-49%: HR=0,57; TPS < 1%: HR=0,47). Bemerkenswert war nach Aussage der Autoren die Auswertung für 56 Patienten, die alle vorgesehenen 35 Zyklen der Immun-Chemotherapie über 2 Jahre absolviert hatten. Bei diesen Patienten betrug die ORR 85,7% mit 4 kompletten und 44 partiellen Remissionen, und das mediane OS war noch nicht erreicht.
 
Das Sicherheitsprofil der Kombinationstherapie erwies sich auch nach der längeren Nachbeobachtungszeit als handhabbar. Nebenwirkungen ab Grad 3 traten bei 72,1% der Patienten in der Pembrolizumab-Gruppe und bei 66,8% in der Vergleichsgruppe auf, immunvermittelte Nebenwirkungen ab Grad 3 und Infusionsreaktionen entsprechend bei 12,1% vs. 4,5%.

Fazit: Unter der Kombination Pembrolizumab/Pemetrexed/Platin konnten bei Patienten mit neu diagnostiziertem, metastasiertem nicht plattenepithelialen NSCLC die Wirksamkeitsparameter OS, PFS und PFS2 gegenüber Chemotherapie/Placebo gleichermaßen fast verdoppelt werden – bei handhabbarem Sicherheitsprofil. Für Rodriguez-Abreu et al. untermauern die finalen Daten der KEYNOTE-189-Studie die große Bedeutung der Kombination Pembrolizumab/Chemotherapie in der Erstlinienbehandlung von Patienten mit nicht plattenepithelialem NSCLC, und zwar unabhängig von ihrem PD-L1-Status.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: ASCO20 Virtual

Literatur:

(1) Rodriguez-Abreu D et al. Final analysis of KEYNOTE-189: Pemetrexed-platinum chemotherapy (chemo) with or without pembrolizumab (pembro) in patients (pts) with previously untreated metastatic nonsquamous non-small cell lung cancer (NSCLC). ASCO20 Virtual, Abstract 9582 und Poster.


Das könnte Sie auch interessieren

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie
© RTimages / Fotolia.com

Die Mitgliederversammlung des José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. beschließt eine Mittelauskehr für zahlreiche Forschungs- und Projekt-Förderungen. Der Geschäftsführende Vorstand Dr. Gabriele Kröner sagt dazu: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Initiator José Carreras streben wir mit der Förderung der medizinischen Forschung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten an.“

Gesundheitliche Beschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen

Gesundheitliche Beschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen
Alexander Raths / Fotolia.com

Arzttermine aus Furcht vor dem Coronavirus auf die lange Bank schieben? Davon rät der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ab. Symptome und Schmerzen sollten ernst genommen und vom Arzt abgeklärt werden. In den meisten Fällen wird es sich nicht um eine schwerwiegende Erkrankung wie Krebs handeln. Wenn aber doch, dann ist es besser, sie möglichst früh zu erkennen und, wenn nötig, sofort zu behandeln – dies erhöht die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"KEYNOTE-189 beim nicht plattenepithelialen NSCLC: Finale Daten untermauern Überlebensvorteil unter Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden