Dienstag, 25. Juni 2019
Navigation öffnen

Medizin

18. Januar 2018 Innovative Antikörper-Herstellung

Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert eine neue Ausgründung des Helmholtz Zentrums München: Im Fokus steht eine Plattformtechnologie von Prof. Dr. Reinhard Zeidler, Forscher in der Abteilung für Genvektoren (AGV). Er stellt nach einem neuen Verfahren Antikörper zur Diagnostik und zur Therapie her.
Anzeige:
Monoklonale Antikörper haben sich in der Onkologie bei unterschiedlichen Erkrankungen bewährt. Binden sie an Krebszellen, werden Signale übertragen, die letztlich zum kontrollierten Zelltod führen. In der Diagnostik kommen Antikörper ebenfalls recht häufig zum Einsatz. Mit den üblichen Immunisierungstechnologien gelingt es jedoch nicht immer, passende Antikörper herzustellen. Auch viele therapeutisch nutzbare Zielstrukturen, die Antigene, sind noch unbekannt. Das könnte sich bald ändern.

Neue Plattformtechnologie setzt auf Vesikel

Für beide Herausforderungen hat Prof. Dr. Reinhard Zeidler eine Lösung gefunden. Er leitet die Arbeitsgruppe „Prävention und Immunmodulation“ in der Abteilung Genvektoren am Helmholtz Zentrum München. Zeidler arbeitet mit extrazellulären Vesikeln, also kleinen Bläschen, die sich von Zellen automatisch abschnüren. Diese können von gesunden Zellen oder von Krebszellen abstammen. Sie sind im Blut von Patienten zu finden, bestehen aus einer Membran und enthalten alle immunologisch wichtigen Informationen.

Bei der Herstellung neuer Antikörper arbeitet Zeidler mit genau diesen Vesikeln. Seine Methode hat gegenüber der klassischen Herstellung mit löslichen Proteinen mehrere Vorteile. Vesikel enthalten fast alle zellulären Proteine, und zwar in normaler Umgebung. Sie verändern ihre Raumstruktur nicht. Deshalb entstehen besonders leistungsstarke Antikörper. Gleichzeitig gelingt es, Antikörper gegen bislang unbekannte Antigene zu entwickeln.

Interessanter Partner für die pharmazeutische Industrie

Bereits jetzt konnte Zeidler zusammen mit Kolleginnen und Kollegen zeigen, welches Potenzial seine Methode hat. Ein erster Antikörper, der sich gegen bösartige Gehirntumoren (Glioblastoma multiforme) richtet, wird bald in einer Phase 1-Studie an Patienten untersucht. Weitere Antikörper mit diagnostischem oder therapeutischem Potenzial befinden sich in der Pipeline. „Unser Portfolio bildet eine solide Basis für eine Ausgründung“, sagt Zeidler. „Im Mittelpunkt stehen 2 Antikörper, die sich gegen CD73 und CD276 als Checkpoint-Moleküle richten.“ Ziel sei, die Antikörper präklinisch zu validieren und im besten Fall an einen Industriepartner auszulizensieren. Bereits zugelassene therapeutische Antikörper zählen zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Arzneimitteln. „Wir glauben daher, dass eine Ausgründung zu einem attraktiven Partner für Pharmaunternehmen werden kann“, ergänzt der Wissenschaftler.

Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert die Ausgründung „Eximmium“ jetzt über ihre beiden Programme Helmholtz Enterprise und Helmholtz Enterprise Plus*. Das Team um Prof. Reinhard Zeidler und Dr. Kathrin Gärtner erhält über ein Jahr hinweg insgesamt 115.000 Euro. Weitere 115.000 Euro kommen im Zuge der Kofinanzierung vom Helmholtz Zentrum München selbst. Der Name "Eximmium" beschreibt zum einen extrazelluläre Vesikel und ihren immunologischen Effekt und leitet sich zum anderen vom lateinischen Wort ‚eximius‘ ab, was so viel wie "außergewöhnlich" bedeutet.

*Helmholtz Enterprise (HE) und Helmholtz Enterprise Plus (HE Plus) bilden das interne Programm für Ausgründungen aus der Helmholtz-Gemeinschaft. In den letzten 10 Jahren haben über 100 Gründungsprojekte von der Initiative profitiert (Stand Ende 2016). Davon wurden 70 Projekte erfolgreich gegründet, von denen über 80% noch heute am Markt agieren.

Quelle: Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt


Das könnte Sie auch interessieren

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung
© ChenPG / Fotolia.com

Viele Krebspatienten schöpfen durch Musik, Malen oder andere künstlerische Tätigkeiten neue Kraft. Doch lange Zeit reichte der wissenschaftliche Kenntnisstand nicht aus, um die Wirkung von Musik- oder Kunsttherapien zu belegen. Erst in den letzten Jahren wurden hierzu vermehrt psychoonkologische Studien durchgeführt, in denen es gelang, die Steigerung des Wohlbefindens von Patienten durch künstlerische Betätigungen nachzuweisen.

Rudern gegen Krebs

Rudern gegen Krebs
© Universitätsklinikum Ulm

Die dritte Benefiz-Regatta Rudern gegen Krebs auf der Donau unter der Schirmherrschaft des Ulmer Oberbürgermeisters Gunter Czisch startet am Sonntag, 26. Juni 2016. Initiator und Veranstalter ist die Stiftung Leben mit Krebs in bewährter Kooperation mit der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm und dem Ulmer Ruderclub Donau e. V.. Bereits am 21. April starten die Patientinnen und Patienten offiziell mit dem Vorbereitungstraining für die...

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden
© kras99 / fotolia.com

Die Entwicklung von Systemen mit Künstlicher Intelligenz geht rasend schnell voran – auch in der Medizin. 2017 hat in China mit dem kleinen Roboter-Arzt „Xiaoyi“ erstmals ein System mit Künstlicher Intelligenz das ärztliche Examen bestand. Auch die Früherkennung von Darmkrebs könnte in Zukunft durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbessert werden. In aktuellen Untersuchungen konnten die lernfähigen Systeme mit hoher Genauigkeit...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Innovative Antikörper-Herstellung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich