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Medizin

09. November 2017 Individuelle Behandlungsstrategien für Patienten mit mCRPC

Enzalutamid (XTANDI(TM)) und Abirateron führen bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens in ähnlicher Größenordnung (1,2). Da bisher keine prospektiven randomisierten Studien vorliegen, die eine klare Aussage zugunsten einer Behandlungsoption ermöglichen, muss die Entscheidung individuell anhand zum Beispiel von Co-Morbiditäten, Metastasierung oder Vortherapie getroffen werden, erklärte Prof. Dr. Christian Thomas, Mainz, im Rahmen eines Symposiums bei der DGU-Jahrestagung 2017. Für Enzalutamid kann unter anderem die hohe Wirksamkeit auch beim Vorliegen viszeraler Metastasen sprechen (3).
In der APCCC (Advanced Prostate Cancer Consensus Conference) St. Gallen 2017 war man sich einig, dass Patienten mit einem asymptomatischen bzw. mild symptomatischen mCRPC in der First-Line-Therapie eine sekundäre Hormontherapie mit Enzalutamid oder Abirateron statt einer Chemotherapie erhalten sollten (4). Hintergrund ist die hohe Tumoreffektivität und die gute Verträglichkeit der Wirkstoffe (1,2).

PREVAIL-Studie: Patienten mit viszeralen Metastasen profitieren von Enzalutamid

So zeigt die PREVAIL-Studie mit 1.717 asymptomatischen bzw. mild symptomatischen Chemotherapie-naiven Männern, deren mCRPC trotz Androgendeprivationstherapie fortschritt, unter Enzalutamid einen signifikanten Vorteil beim Gesamtüberleben im Vergleich zu Placebo (Hazard Ratio 0,71; 95%-KI: 0,60-0,84; p<0,001) (1). Patienten mit viszeralen Metastasen profitierten dabei in vergleichbarem Ausmaß von Enzalutamid wie Patienten ohne viszerale Metastasen (3). In der mit PREVAIL vergleichbaren Abirateron-Studie COU-AA-302 waren dagegen Patienten mit viszeralen Metastasen ausgeschlossen – ein mögliches Entscheidungskriterium beim individuellen Patienten.
 
Enzalutamid und Abirateron im indirekten Vergleich

Aufgrund fehlender Head-to-Head-Daten unternahmen Zhang et al. eine umfangreiche Literaturrecherche sowie eine Metaanalyse, um Enzalutamid und Abirateron bei der Therapie des mCRPC miteinander zu vergleichen. In die Analyse wurden zehn doppelblinde randomisierte placebokontrollierte Phase-3-Studien eingeschlossen. Dabei bestätigte sich, dass das Gesamtüberleben unter beiden Therapieoptionen signifikant besser ist als unter Placebo. Enzalutamid schien außerdem bezüglich verschiedener sekundärer Endpunkte potenziell wirksamer als Abirateron – bei der Zeit bis zur PSA-Progression, dem radiographisch progressionsfreien Überleben, der Zeit bis zum Einsatz einer Chemotherapie und der Zeit bis zur Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität war der Unterschied zugunsten von Enzalutamid signifikant (5).

Auch die Co-Morbiditäten des Patienten können ein Differenzierungskriterium bezüglich der beiden sekundären Hormontherapien sein: So bestand bei der APCCC 2017 Konsens darüber, dass Enzalutamid bei Patienten mit Diabetes mellitus, bei aktiven Leberfunktionsstörungen oder einer kardialen Ejektionsfraktion zwischen 45 und 50% einer Behandlung mit Abirateron vorgezogen werden sollte (4).

Schreitet das mCRPC trotz Therapie weiter fort, gibt es bisher nur wenige Daten, welche Option in der Second-Line präferiert werden sollte. Neue Erkenntnisse hierzu soll eine derzeit laufende prospektive randomisierte Phase-2-Studie liefern, die Enzalutamid und Abirateron im Cross-over-Design vergleicht. Die Patienten (n=202) erhalten nach Randomisierung entweder Abirateron plus Prednison oder Enzalutamid in der First-Line-Therapie. Nach einer PSA-Progression erfolgt ein Cross-over der Studienarme in der Second-Line-Therapie. Obwohl die Publikation des primären Endpunktes noch aussteht, wurden beim ASCO 2017 erste Auswertungen der Studie vorgestellt: Dabei konnte gezeigt werden, dass nach zwölf Wochen deutlich mehr Patienten unter Enzalutamid vs. Abirateron einen Rückgang des PSA um ≥ 50% erreichen (p=0,0012) (6,7).

Einfache Therapie mit Enzalutamid

Für Enzalutamid spricht auch die einfache Anwendung: Der Androgenrezeptor-Signalweginhibitor wird einmal täglich zu einer beliebigen Tageszeit unabhängig von den Mahlzeiten mit Wasser eingenommen. Eine Co-Medikation mit Kortikosteroiden ist nicht nötig (8).

Quelle: Astellas

Literatur:

(1) Beer TM et al.N Engl J Med 2014, 371(5):424-433
(2) Ryan C et al.Lancet Oncol 2015;16(2):152-160
(3) Evans C et al.Eur Urol 2016; 70:675-683
(4) Gillessen S et al.Eur Urol 2017; doi10.1016/j.eururo.2017.06.002
(5) Zhang W et al.Asian J Androl 2017;19:196-202
(6) Clinical Trials.gov:NCT02125357
(7) Chi K et al.ASCO 2017, Abstr. # 5002
(8) Fachinformation Xtandi™, Stand Juni 2017


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