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Medizin

17. Mai 2018 Immunsupprimierte Patienten zu selten gegen Pneumokokken geimpft

Immunsupprimierte Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen und für daraus resultierende Komplikationen – das gilt auch für Pneumokokken. Doch trotz Empfehlung der Ständigen Impfkommission werden nur 4,4% der Patienten innerhalb von 24 Monaten nach der Diagnose der eingeschränkten Immunfunktion gegen Pneumokokken geimpft. Das hat eine aktuelle Analyse von Krankenkassendaten ergeben.
Der von Pfizer in Auftrag gegebenen Analyse (1) liegen die Daten von 4 Millionen Versicherten zugrunde, bei 200.000 davon wurde im Zeitraum zwischen 2011 und 2016 eine Immunschwäche neu diagnostiziert. Nur 4,4 % erhielten in den folgenden 2 Jahren eine Impfung gegen Pneumokokken. Bei den 16- bis 59-Jährigen betrug die Impfrate 1,9%, bei den über 60-Jährigen 7,1%. Die Analyse der Patienten-Subgruppen zeigte, dass 4,7% der Krebspatienten, 5,7% der chronisch Nierenkranken und 9,9% der HIV-Patienten innerhalb von 2 Jahren nach der Diagnose geimpft wurden. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie betrug die Impfrate 11,5%. Mehr als 9 von 10 Patienten wurden vom Hausarzt geimpft, 2,3% vom Pneumologen und je weniger als 1 % vom Rheumatologen oder Onkologen (andere rund 4%).

Wie eine Befragung von Hausärzten ergab, tauschen sich diese hinsichtlich der Therapie von immunsupprimierten Patienten durchaus mit den behandelnden Fachärzten aus. Die Themen Prävention und Impfen werden dabei jedoch nur selten besprochen. Das ist aus Sicht von Dr. Markus Frühwein, München, eine wichtige Ursache für die geringe Impfrate. Wie er auf einer Presseveranstaltung des Unternehmens Pfizer ausführte, stehen seiner Meinung nach beide Arztgruppen gleichermaßen in der Verantwortung, ihre Patienten gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlungen zu impfen. Schwierig sei auch, dass sich gerade bei den Pneumokokken die Impfempfehlungen hinsichtlich einzelner Zielgruppen immer wieder änderten. Derzeit wird für Patienten mit Immunschwäche eine sequenzielle Impfung mit zunächst einer Impfung mit dem Konjugatimpfstoff Prevenar 13 und sodann dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff im Abstand von 6 bis 12 Monaten empfohlen.

Dr. Anne Benckendorff

Quelle: Pressekonferenz „Impfschutz für jedes Alter: Prävention der Meningokokken- und Pneumokokken-Infektion“ im Ramen des DGIM, Mannheim, 16.4.2018; Veranstalter: Pfizer

Literatur:

(1) Schmedt N et al. Pneumokokken-Impfraten bei immungeschwächten Patienten in Deutschland. Vortrag auf der 24. Jahrestagung der GAA (30.11.2017, Erfurt), Abstract 100


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