Mittwoch, 19. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

17. Juni 2018 ITP: Verbesserung der Lebensqualität ist wesentliches Therapieziel für Patienten

Die primäre Autoimmunthrombozytopenie (ITP) wird von den Patienten als hohe emotionale Belastung empfunden und vermindert ihre Arbeitsfähigkeit. 36% der Patienten einer großen internationalen Kohorte von 1.400 ITP-Patienten empfinden die Erkrankung als starke Beeinträchtigung ihres Lebens. Zwar sind Blutungen der Haut und der Schleimhäute in Mund und Nase das häufigste Symptom der ITP (73% der Patienten), ausgeprägte Müdigkeit aber ist am zweithäufigsten bei den Beschwerden (68%) und mindert die Lebensqualität erheblich. „Fatigue wird von vielen Patienten als dasjenige Symptom empfunden, das sich am schwierigsten verbessern lässt und sie stark belastet“, so das Team unter Federführung von Prof. Nichola Cooper vom  Hammersmith Hospital in London bei der 23. Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) in Stockholm (1).
Die Patienten wünschen sich vorrangig, durch die Therapie die Blutzellzahlen zu normalisieren – diesen Wunsch äußerten 79% der Befragten - und ihren Antriebs- und Energielevel zu verbessern (55%). An dritter Stelle der Bedeutung der Behandlungsziele nennen Patienten die Prophylaxe eines Fortschreitens der ITP (35%). Vorgestellt wurden Zwischenergebnisse der I-WISH-Studie, eine sektorenübergreifende Erhebung, an der ITP-Patienten und behandelnde Ärzte in 14 Ländern teilnehmen. Aus 12 Ländern gab es Daten, inklusive Deutschland (I-WISH für: ITP World Impact Survey). Die Patienten füllen online einen standardisierten Fragebogen aus, unter anderem zu Krankheitsbelastung und zur Lebensqualität. 65% der 1.400 Teilnehmer waren Frauen, dasdurchschnittliche Alter der Gesamtgruppe betrug 47,1 Jahre.

Hintergrund der I-WISH-Studie: Es gebe vergleichsweise wenige große Untersuchungen zur Lebensqualität der Patienten in der Routineversorgung, ein Parameter, der für die klinische Praxis zunehmend wichtig werde, so die Studienautoren.
  
Circa jeder vierte Patient erhält die ITP-Diagnose verzögert
 
Die durchschnittliche Krankheitsdauer seit Diagnose betrug 12 Jahre (0-60 Jahre), zwischen einem ersten Arztbesuch wegen entsprechender Symptome und der Diagnose ITP vergingen durchschnittlich circa 1,5 Jahre (77,5 Wochen). 22% der Teilnehmer hatten den Eindruck, deutlich verzögert die richtige Diagnose erhalten zu haben. Haut- und Schleimhautblutungen hatten 73 % der Patienten, 68% Fatigue und 65% Petechien. Die Erkrankung beeinträchtigt die Lebensqualität: 44% der Patienten berichten über Energiedefizite für mindestens die Hälfte der Zeit am Tag und 37 % wollten ihre Arbeitszeit reduzieren.

Die Krankheitsbelastung durch ITP sei hoch, resümieren die Forscher, sie werde unterschätzt und sie habe viele verschiedene Komponenten. In die Ziele der Behandlung von ITP-Patienten müssten Patientenwünsche und Lebensqualität intensiver als bisher einbezogen werden. Die ITP ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich Antikörper gegen Thrombozyten bilden. Gemeinsame Endstrecke dieser Fehlregulation des Immunsystems ist eine vorzeitige Zerstörung von Thrombozyten und eine Hemmung der Plättchenproduktion in den Megakaryozyten des Knochenmarks. Die Inzidenz liegt zwischen 10-70 pro1 Million Personen und pro Jahr.

 nsi

Quelle: EHA 2018, Immunthrombozytopenie, Freitag, Cooper N, Abstr. PF654 Immunthrombozytopenie: Verbesserung der Lebensqualität ist wesentliches Therapieziel für Patienten

Literatur:

Cooper N, Ghanima W, Provan D et al. The burden of disease and impact of immune thrombocytopenia (ITP) on patient quality of life and productivity: Results from the ITP World Impact Survey (I-WISH). 23. Jahrestagung der European Hematology Association in Stockholm, 15.06.2018, Abstr. PF654
 


Das könnte Sie auch interessieren

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der...

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 16. November 2017 findet zum vierten Mal der Welt-Pankreaskrebstag statt. An diesem Tag erstrahlen weltweit zahlreiche Sehenswürdig-keiten in Lila, der offiziellen Farbe des Welt-Pankreaskrebstages – von der Semperoper in Dresden bis zum Rickmer Rickmers Museumsschiff im Hamburger Hafen. Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren und den Patienten und deren Angehörigen Mut zu machen. In...

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?
© Fotolia / psdesign1

Die Versorgung von krebskranken Menschen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden und individueller Therapien verändert die onkologische Medizin, wie wir sie bisher kennen. Das jüngst gewonnene Wissen über den Krebs und seine molekularbiologische Vielfalt verlangt nach neuen Antworten. In dem vom amerikanischen Biomediziner Leroy Hood geprägten Konzept der P4-Medizin wird die mögliche Krebstherapie der Zukunft...

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten
Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine repräsentative Umfrage* vom Dezember 2017 hat gezeigt: Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist aus Sicht vieler Befragter Defizite auf. Bemängelt wurden lange Wartezeiten auf Arzttermine, weite Wege und weniger Informationsmöglichkeiten. Auch für Krebspatienten und ihre Angehörigen kann diese Situation belastend sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ersetzt keinen Arzttermin, er bietet aber Antworten auf...

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung
© CLIPAREA.com / fotolia.com

Um harmlose Eierstockzysten von bösartigem Eierstockkrebs zu unterscheiden, verwenden Ärzte das Ultraschallverfahren. Zysten und Krebsgeschwülste bilden im sonografischen Bild bestimmte Muster, die ein erfahrener Fachmann unterscheiden kann. Für ein hohes Qualitätsniveau der Untersuchung setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ein. Sie fordert, dass der Ultraschall der Eierstöcke eine Kassenleistung wird – auch...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ITP: Verbesserung der Lebensqualität ist wesentliches Therapieziel für Patienten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich