Donnerstag, 23. Mai 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

15. Juni 2018 ITP: Dosisreduktion der Therapie mit TPO-RA anstreben – Absetzen ist für manche Patienten möglich

Eine Option zur Zweitlinientherapie der Immunthrombozytopenie (ITP) sind Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RA). Langzeitdaten zeigen, dass das Ansprechen auf diese Therapie bei vielen Patienten anhält. Dann kann die Dosis schrittweise reduziert oder in einigen Fällen sogar ganz abgesetzt werden, berichtete Nicola Cooper, London, anlässlich eines Satellitensymposiums im Rahmen des 23. Kongresses der European Hematology Association (EHA) in Stockholm.
In der EXTEND-Studie konnten mit der Langzeittherapie mit Eltrombopag über mehr als 6 Monate Thrombozytenzahlen von 50 × 109/l und mehr anhaltend aufrechterhalten und Blutungsereignisse des Grads 3 oder 4 reduziert werden (1). Das bestätigte sich laut Cooper auch in mehreren europäischen Kohorten im klinischen Alltag. Dabei sind unerwünschte Ereignisse wie Thrombose, erhöhte Leberenzymwerte und fibrotische Veränderungen im Knochenmark selten und machten häufig kein Absetzen nötig (1).

Bei stabilen Thrombozytenzahlen über 50 × 109/l kann eine Reduktion der Dosis versucht werden, beispielsweise von 75 mg/Tag auf 50 mg/Tag und – wenn das Ansprechen anhält – auf 50 mg alle zwei Tage. In einer prospektiven Studie konnten 31% der Patienten innerhalb von 2 Jahren die Therapie nach einer Dosisanpassung alle 4 Wochen sogar ganz absetzen, 8 von 10 dieser Patienten benötigten noch nach mehr als einem Jahr keine Therapie, sie wiesen weiter stabile Thrombozytenzahlen über 50 × 109/l auf (2). Cooper betonte, dass einige Patienten selbst noch nach Jahren die Therapie absetzen können. Sie empfiehlt bei stabilem Ansprechen zumindest die niedrigste notwendige Dosis Eltrombopag für den Erhalt von Thrombozytenzahlen von über 50 × 109/l anzustreben.

In einer retrospektiven Studie von 220 erwachsenen Patienten mit primärer ITP in Spanien zeigte sich ein vergleichbar gutes Ansprechen auf Eltrombopag bei Patienten mit akuter wie bei chronischer ITP – laut Cooper eine besondere Eigenschaft von Eltrombopag. Auch hier blieben bei einem Teil der Patienten nach Dosisreduktion und Absetzen nach im Median 6 Monaten die Thrombozytenzahlen stabil. War eine erneute Therapie notwendig, sprachen die meisten Patienten wieder auf Eltrombopag an (3).

Die Retikulin-Deposition im Knochenmark sollte unter Therapie mit TPO-RA kontrolliert werden, bei myelofibrotischen Veränderungen muss die Therapie beendet werden. In einer prospektiven Studie trat aber laut Cooper über 2 Jahre Therapie mit Eltrombopag kein klinisch relevanter Progress auf (4). Sie selbst empfiehlt Patienten vor Therapie eine Knochenmarkuntersuchung, um sicherzugehen, dass das Knochenmark zu Beginn ohne Befund ist.

FK
 

Quelle: Satellite Symposium: Contemporary issues in the management of thrombocytopenia in ITP and AA: Focus on TPO-RAs. 23. Kongress der European Hematology Association (EHA 2018), Stockholm, 14. Juni 2018. Unterstützt von: Novartis

Literatur:


(1) Wong RSM, Saleh MN, Khelif A et al. Safety and efficacy of long-term treatment of chronic/persistent ITP with eltrombopag: final results of the EXTEND study. Blood 2017; 130(23): 2527-2536
(2) Bussel JB, Mahmud SN, Brigstocke SL et al. Tapering eltrombopag in patients with chronic ITP: How successful is this and in whom does it work? Blood 2015; 126: Abstract 1054
(3) González-López TJ, Fernández-Fuertes F, Hernández-Rivas JA et al. Efficacy and safety of eltrombopag in persistent and newly diagnosed ITP in clinical practice. Int J Hematol 2017; 106(4): 508-516
(4) Brynes RK, Wong RS, Thein MM et al. A 2-year, longitudinal, prospective study of the effects of eltrombopag on bone marrow in patients with chronic immune thrombocytopenia. Acta Haematol 2017; 137(2): 66-72


Das könnte Sie auch interessieren

„Durch Wissen zum Leben“

Wann immer möglich, wird heutzutage versucht, Krebspatienten Klinikaufenthalte zu ersparen. Die Behandlung erfolgt vielmehr bevorzugt ambulant bei niedergelassenen Krebsmedizinern oder in Klinikambulanzen. Das erlaubt es den Patienten, trotz der Erkrankung weitestgehend in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und ihrem Alltag nachgehen zu können. Die vorwiegend ambulante Behandlung hat jedoch auch zur Folge, dass dem Patienten weniger Ansprechpartner zu allen Fragen zur Erkrankung und...

Selbsthilfe bei Lungenkrebs: Betroffene helfen Betroffenen

Krebspatienten fühlen sich oft überfordert – auch Patienten mit Lungenkrebs. Kaum ist die Diagnose gestellt, beginnen die ersten Therapien: Operationen oder viele Zyklen Chemotherapie fordern und verändern nicht nur den Körper, sondern auch das gesamte Leben mit einem Schlag. Die Psyche kommt so schnell kaum hinterher: Die meisten Betroffenen begreifen erst nach und nach, dass sich das Leben ab jetzt drastisch ändert und nie mehr so sein wird wie zuvor.

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu
© Expensive / fotolia.com

Eine Krebserkrankung hinterlässt Spuren, körperliche und seelische. Für Patientinnen ist es manchmal schwer, über ihre Empfindungen und Ängste zu sprechen. Umso belastender kann es sein, die mit der Krankheit häufig einhergehende Beeinträchtigung der Sexualität in Worte zu fassen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bietet Unterstützung an – auch bei Fragen, die viele als heikel empfinden.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ITP: Dosisreduktion der Therapie mit TPO-RA anstreben – Absetzen ist für manche Patienten möglich"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.