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Medizin

05. Dezember 2014 Hydromorphon i.v. effektiv zur Behandlung exazerbierter Tumorschmerzen

Wenn Tumorschmerzen schnell sehr stark werden, kommt es auf eine umgehende, wirksame Analgesie an. Besonders geeignet ist dafür die intravenöse Applikation von Hydromorphon, wie eine Untersuchung (1) am St. Josef Krankenhaus Moers nachgewiesen hat. Durch dieses schnell durchführbare Verfahren verbesserte sich die Schmerzsymptomatik bei nahezu allen Patienten innerhalb von 20 Minuten auf ein zufriedenstellendes Niveau.

Ein Behandlungskonzept bei chronischen exazerbierten Schmerzen ist die Opioidtitration. Dabei erhalten Patienten so lange eine hochwirksame Analgesie bis eine für sie erträgliche Schmerzintensität erreicht wird. "Es ist entscheidend, den Patienten die Angst vor den Schmerzen zu nehmen und ihnen trotz der schmerzauslösenden Tumorerkrankung Lebensqualität zurückzugeben", betont Norbert Schürmann, der die Untersuchung durchgeführt hat. "Eine schnelle und effektive Schmerzlinderung durch eine gezielte Interventionstherapie ist hierfür grundlegend", so der Departmentleiter der Abteilung für Schmerztherapie und Palliativmedizin am St. Josef Krankenhaus Moers.
 
Einfache, effektive und schnelle Methode zur Schmerzlinderung
 
Im Rahmen der Untersuchung wurden 54 Patienten aufgrund von exazerbiertem Tumorschmerz oder Schmerzentgleisungen bei chronischen Schmerzen stationär behandelt. Sie erhielten 0,2 mg/min Hydromorphon intravenös (Palladon injekt®) bis ein Wert zwischen 3 und 5 auf der Numerischen Analogskala (NRS) (1) erreicht wurde. Das Ziel war, den starken Schmerz zu durchbrechen und schnell auf einen für den Patienten akzeptablen Wert unter 5 zu reduzieren. Bei über 98% der Patienten verbesserte sich die Schmerzsymptomatik deutlich innerhalb von 20 Minuten. Der NRS-Mittelwert sank von 7,4 auf 2,6, was einem Rückgang von 60% entspricht und statistisch signifikant ist (p<0.0001). 94% aller Patienten erzielten mit einer Titrationsmenge von 2 mg (1 Ampulle) oder weniger Hydromorphon eine adäquate Analgesie. "Eine erstaunlich geringe Dosis war bereits ausreichend", stellt Schürmann fest. Für ihn ist die Schmerztitration mit der intravenösen Applikation von Hydromorphon ein "einfaches, effizientes und rasch durchführbares Verfahren, das überall durchführbar ist - ob im Krankenhaus, im Altenheim, in der Praxis oder zu Hause."
 
Hydromorphon besonders verträglich
 

Der Einsatz von Hydromorphon hat viele Vorteile gegenüber anderen Opioiden. "Hierzu zählt vor allem die gute Verträglichkeit", sagt Schürmann. Es weise eine geringere Kumulation als fettlösliche Opioide wie zum Beispiel Fentanyl auf und habe daher nahezu kein Risiko eines Rebounds ("Refentanylisierung"). Zudem sei es im Gegensatz zu Morphin nicht immunsuppressiv und habe keine Kumulationsgefahr von wirksamen Metaboliten. Gerade bei älteren Patienten und bei Nieren- sowie Leberfunktionsstörungen sei Hydromorphon daher Morphin vorzuziehen.
 
Die Schmerztitration stellt die Grundlage für die weitere schmerztherapeutische Behandlung dar. Dafür wird die intravenös applizierte Dosis auf eine orale Opioiddosis umgerechnet. Schürmann empfiehlt, den Wert mit zwei zu multiplizieren. Somit entspricht beispielsweise 1,8 mg intravenöses Hydromorphon einer oralen Dosierung von 3,6 mg. Bei einer Wirkdauer von etwa vier Stunden wird der Wert mal sechs genommen, um die Tagesdosis zu erhalten, das sind in diesem Beispiel 21,6 mg. Die Dosisanpassung erfolgt aus Sicherheitsgründen mit 75% des errechneten Wertes. Bei einer Ausgangsdosierung von 1,8 mg intravenös ergibt dies 16 mg Hydromorphon oral, verteilt auf zweimal täglich 8 mg. "Wichtig ist, dass neben der Basismedikation eine Bedarfsmedikation zur Gabe bei Belastungsschmerzen zur Verfügung steht", erklärt Schürmann. Diese sollte etwa ein Sechstel der Gesamttagesopioiddosis betragen. "Mit diesem Behandlungskonzept können selbst sehr intensive Tumorschmerzen erfolgreich therapiert werden", so das Fazit des Schmerztherapeuten.

Literaturhinweis:
(1) Schürmann N. & Hampf A. (2014): Schmerztitration mit Hydromorphon intravenös. Deutscher Schmerz- und Palliativtag: Poster.

Quelle: Mundipharma Deutschland


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