Freitag, 22. März 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

07. Dezember 2017 Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

Bei Verdacht auf ein Lymphom werden Kinder und Jugendliche an spezialisierte Zentren überwiesen und im Rahmen von Protokollen nationaler klinischer Studiengruppen über viele Jahre betreut. „Aufgrund der Seltenheit der Erkrankungen muss die Diagnose durch eine Referenzdiagnostik erfahrener Spezialisten abgesichert werden“, betont die PD Dr. Ilske Oschlies, Oberärztin am Institut für Pathologie der Christian-Albrechts-Universität Kiel. „Noch wichtiger ist es, dass das rare Tumormaterial zentral gesammelt und analysiert wird. Nur so kann translationale Medizin gewährleistet werden, damit in der interdisziplinären Vernetzung neueste Forschungsergebnisse unmittelbar in die klinische Praxis fließen.“
Anzeige:
Rund 250 Kinder und Jugendliche erkranken jährlich neu an malignen Lymphomen. „Da die Lymphome meist den ganzen Körper betreffen, werden sie auch als systemische Erkrankungen bezeichnet“, erklärt PD Dr. Ilske Oschlies, Oberärztin am Institut für Pathologie der Christian-Albrechts-Universität Kiel. „Diese Erkrankungen, die sich zudem in zahlreiche Subtypen gliedern, gehören zu den seltenen Erkrankungen. Positiv ist, dass etwa 90% der Ersterkrankungen von kindlichen Lymphomen geheilt werden können.“

Die Spezialistin appelliert an alle Kollegen: „Durch die wenigen Fälle ist das Gewebematerial ausgesprochen wertvoll. Wir brauchen hier die Kooperation aller pathologischen Institute und bitten darum, zum Beispiel auch Gewebe von Rezidiven nicht im eigenen Institut zu lagern, sondern zur zentralen Auswertung und für Studienzwecke an eines der fünf pädiatrischen Referenzzentren, koordiniert durch das Zentrum in Kiel, zu schicken. Über 50% des kindlichen Lymphom-Materials der letzten 30 Jahre wird übrigens in Kiel archiviert und wissenschaftlich bearbeitet.“

Unterschiede zwischen Lymphomen im Kindes- und Erwachsenenalter

„Lymphome von Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich deutlich von denen im Erwachsenenalter. Gleiche Typen weisen eine andere Biologie auf und haben meist eine bessere Prognose“, sagt Dr. Oschlies. „Beim follikulären Lymphom beispielsweise, bei dem sich genetisch veränderte B-Lymphozyten unkontrolliert vermehren, haben wir durch die Forschung der letzten Jahre gelernt, dass die Erkrankung bei Kindern ganz anders verläuft als die gleichnamige Erkrankung bei Erwachsenen. So kann dieses Lymphom bei jungen Patienten nach der Resektion nur beobachtet werden. Jahrelange Forschungen unter Auswertung internationaler Daten haben gezeigt, dass eine chemotherapeutische Behandlung, wie sie früher durchgeführt wurde, in diesen speziellen Fällen nicht erforderlich ist. Durch gleichartige Erkenntnisse auch für andere Lymphom-Subtypen können wir manchen jungen Menschen mit diesem Krankheitsbild heute die Nebenwirkungen und Spätfolgen wie beispielsweise Knochennekrosen durch hochtoxische Therapien ersparen.“

Die Forschung arbeitet konzentriert daran, die Entstehung und Entwicklung von Tumoren besser zu verstehen. „Wie können wir identisch aussehende Tumoren unterscheiden, wie Therapien optimieren und welche Tumoren bilden auch heutzutage noch oft fatal verlaufende Rezidive aus – das sind einige der zentralen Fragen, auf die wir Antworten suchen“, führt die Kieler Pathologin aus.  

Ziel: Molekulares Profil auf Basis von paraffinfixiertem Material erstellen

Große Hoffnungen weckt das relativ junge Verfahren des Next Generation Sequencing. Die parallele Analyse von Panels mit bis zu 160 Genen liefert eine Unmenge an Daten. Diese gilt es in ihrer Bedeutung für die Entstehung und Entwicklung von Tumoren in klinisch-pathologischer Zusammenarbeit zu entschlüsseln und relevante Genveränderungen zu definieren, auf deren Basis dann gezielt Therapien entwickelt werden können. „Noch wirft die Flut an molekularen Daten mehr Fragen auf, als sie Antworten liefert“, so Dr. Oschlies. „Wir gehen aber davon aus, dass es in etwa 5 Jahren möglich sein wird, auch auf Basis von paraffinfixiertem Material ein molekulares Profil erstellen zu können. Dadurch werden wir dann frühzeitig Hochrisiko-Fälle ausmachen können. Wir werden dann auch sicher mehr darüber wissen, welche immunregulierenden Therapien, die bislang in der Onkologie für Erwachsene eingesetzt werden, auch für Kinderlymphome geeignet sind.“

Seltene Erkrankungen gehören zu den drei Schwerpunktthemen auf der Jahrestagung der 102. Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 24. bis 26. Mai 2018 in Berlin. Auf dem Expertenforum geht es um aktuelle Studienergebnisse und allgemeine Aspekte der besonders seltenen Erkrankungen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.v.


Das könnte Sie auch interessieren

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Brustkrebs: Was leisten Prognosetests? Unnötige Chemotherapien vermeiden

Durch die Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, hat sich die Krebstherapie gewandelt. Während früher alle Patienten quasi die gleiche Behandlung wie nach dem „Gießkannenprinzip“ erhielten, steht nun zunehmend der einzelne Patient mit seinen individuellen Tumoreigenschaften im Fokus. Bei Frauen mit Brustkrebs hat diese Entwicklung zu sogenannten Prognosetests geführt, die eine Vorhersage über den Nutzen einer Chemotherapie erlauben,...

Zielgerichtete Brustkrebstherapie ist erfolgreich

Brustkrebs kann jede Frau treffen. Eine von acht Frauen wird im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose konfrontiert - allein in Deutschland sind das 72.000 Frauen im Jahr. Doch dank innovativer Forschung und Entwicklung wurden gerade in der Behandlung von Brustkrebs in den vergangenen Jahren große Fortschritte erreicht. Heute sind zielgerichtete Medikamente verfügbar, die die Überlebensaussichten von Frauen mit Brustkrebs entscheidend verbessern.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.