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Medizin

05. März 2020 Hauptstadturologie-Netzwerk für Patienten mit Prostatakarzinom gegründet

Prostatakarzinom-Patienten der Region Berlin/Brandenburg steht ab Ende Februar 2020 das Hauptstadturologie-Netzwerk zur Verfügung. Diese Plattform soll den Patienten Zugang zu optimaler Diagnostik und der Expertise eines ganzen Ärzteteams ermöglichen. „Unabhängig von seinem Wohnort erhält ein Patient auf diese Weise immer die neuesten Informationen von seinem Arzt im Netzwerk. So wird ihm z.B. der Einschluss in eine Studie angeboten, wenn er die Einschlusskriterien erfüllt“, erklärte Prof. Dr. Kurt Miller, Berlin.
Ziel des Netzwerks ist, neue Erkenntnisse bezüglich Diagnostik und Therapie von Prostatakarzinom-Patienten im Behandlungsalltag möglichst schnell anwenden zu können. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Miller und seinen Kollegen vom urologischen Tumorzentrum der Charité Berlin. „Ärzte und Patienten sind dazu aufgerufen, sich in dem Netzwerk zu registrieren. Der Patient gibt seine Daten anonymisiert ein, wodurch auch der Datenschutz gewahrt bleibt. Diese Daten können dann im Anschluss nicht nur von seinem behandelnden Arzt, sondern durch ein Team von Spezialisten von der Charité eingesehen und beurteilt werden“, erklärte Miller. Über das Netzwerk sollen alle Prostatakarzinom-Patienten die Möglichkeit haben, eine Genomanalyse durchführen zu lassen. Denn auch in dieser Indikation seien mögliche Mutationen bekannt, die eine zielgerichtete Therapie ermöglichen: So wurden bei einem Teil der Patienten, deren Genom im Rahmen von Studien sequenziert wurde, Mutationen in den BRCA1/2- und ATM-Genen gefunden. Bei Vorliegen einer BRCA-Mutation gibt es derzeit erste klinische Studien beim Prostatakarzinom mit PARP-Inhibitoren. „Prostatakarzinom-Patienten mit einer entsprechenden Mutation könnten wir im Rahmen unseres Netzwerks den Einschluss in eine geeignete Studie empfehlen“, so Miller. Wie er weiter ausführte, sei dieses Netzwerk erst der Anfang. Geplant sei demnach eine Ausweitung auf ganz Deutschland sowie auf weitere Tumorentitäten. Mehr Details zum Hauptstadturologie-Netzwerk finden Sie unter: https://urologie.charite.de/forschung/das_hauptstadturologie_netzwerk/

ADT bleibt Standard-Backbone in der Therapie des Prostatakarzinoms

Miller ging außerdem auf die bereits seit vielen Jahren bewährte Androgendeprivationstherapie (ADT) ein, die auch künftig aus der Therapie des Prostatakarzinoms nicht wegzudenken sei. „In der aktuellen S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom wird die ADT bereits bei lokal fortgeschrittenen Stadien als (neo-)adjuvante Therapie zusätzlich zu einer Strahlentherapie empfohlen.“ Ebenso werde bei Patienten mit positivem Lymphknotenstatus nach radikaler Prostatektomie oder Strahlentherapie zu einer ADT geraten. In der metastasierten Situation ist die ADT obligat (1). „Bisherige Forschungen zeigen, dass eine möglichst tiefe Testosteron-Absenkung besonders vorteilhaft ist“, sagte Miller. Einer retrospektiven Auswertung zu Folge ist der LHRH-Agonist Triptorelin in dieser Hinsicht den Vergleichspräparaten Goserelin und Leuprorelin überlegen (2). Die Testosteron-Werte konnten am weitesten abgesenkt werden und die Wirkung erwies sich darüber hinaus als lang anhaltend.  

SK

Quelle: Pressekonferenz „Aufbruch in Berlin – Neue Strategien und bewährte Therapien in der Behandlung des Prostatakarzinoms“, DKK, Berlin, 21.02.2020; Veranstalter: Ipsen

Literatur:

(1) Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms – Version 5.1 Leitlinienprogramm Onkologie 2019, abrufbar unter https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/; Letzter Zugriff am 06.02.2020.
(2) Shim M et al. Investig Clin Urol 2019; 60(4): 224-50.


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