Mittwoch, 19. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

23. Januar 2018 Frühe Nutzenbewertungen: Zum Jahreswechsel die 220. Dossierbewertung vom IQWiG abgeschlossen

Im Lauf des Jahres 2017 hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seine 200. Dossierbewertung abgeschlossen: Zum Jahreswechsel wurden die Ergebnisse der 216. bis 220. frühen Nutzenbewertung veröffentlicht. Ein Vergleich der Indikationsgebiete zeigt: Die Onkologie liegt sowohl bei der Zahl der untersuchten Wirkstoffe als auch beim Anteil der Wirkstoffe mit mindestens einem Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen weit vorn. Besonders niedrig ist der Anteil mit attestiertem Zusatznutzen bei den psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen.
Anzeige:
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) kommt bei etwa 30% der Dossierbewertungen zu einem anderen Schluss als das IQWiG. Dabei fällt sein Urteil ungefähr gleich oft besser und schlechter aus als die Einschätzung des Instituts – überwiegend aufgrund neuer Erkenntnisse aus den Stellungnahmeverfahren zu den IQWiG-Bewertungen.

Mit den Jahren müssen IQWiG und G-BA immer häufiger denselben Wirkstoff erneut bewerten, entweder nach einer Befristung oder in einem neuen Anwendungsgebiet. Außerdem durchlaufen immer öfter mehrere Wirkstoffe für dieselbe Indikation eine frühe Nutzenbewertung. Vergleiche zwischen diesen Wirkstoffen wären sinnvoll, um die aus der frühen Nutzenbewertung gewonnenen Erkenntnisse besser in der Praxis verwenden zu können.

Bei Onkologika ist der Anteil mit Zusatznutzen am größten

Eine Auswertung über alle bis Ende 2017 abgeschlossenen Dossierbewertungen zeigt: Die Onkologie liegt weit vorn, während andere Erkrankungen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und große Belastungen mit sich bringen, kaum einmal in einem Dossier auftauchen. Die neuen Wirkstoffe gegen Krebs weisen auch die höchste Erfolgsquote auf: Nur für etwa 40% ist ein Zusatznutzen nicht belegt oder der Nutzen sogar geringer als bei der Vergleichstherapie. Noch besser fällt die Bilanz bei neuen Arzneimitteln gegen Hepatitis C aus. Umgekehrt zeigen die Daten nur bei 20% der Antidiabetika und sogar nur bei gut 10% der Wirkstoffe aus der Psychiatrie und Neurologie einen Zusatznutzen.

Fortschritte durch Immuntherapien

„In der Onkologie haben wir in den letzten Jahren einige neue Therapieansätze gesehen, unter anderem die Immuntherapien“, meint dazu Thomas Kaiser, Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung beim IQWiG. „Vor allem für einige fortgeschrittene Krebserkrankungen mit bisher schlechter Prognose konnten wir klinisch bedeutsame Überlebensvorteile feststellen. Für einzelne Indikationen ist die Datenlage aus den Zulassungsstudien allerdings sehr dünn. Die neuen Wirkstoffe haben auch spürbare Nachteile, z. B. schwere Nebenwirkungen im Immunsystem. Aber der Zugewinn an Lebenszeit oder Lebensqualität wiegt in vielen Fällen schwerer. Gegenüber einigen Chemotherapien fällt auch die Bilanz zu den Nebenwirkungen positiv aus. Bei anderen Erkrankungen mit ähnlich großem Handlungsdruck, etwa Alzheimer-Demenz, gibt es leider keine vergleichbaren Fortschritte.“

IQWiG und G-BA stimmen zu 70% überein

In etwa 70% der Fälle schließt sich der G-BA in seinen Beschlüssen der Einschätzung des IQWiG zum Ausmaß des Zusatznutzens an. Die divergierenden Bewertungen lassen sich fast 50:50 aufteilen in Fälle, in denen der Zusatznutzen laut G-BA größer ist, und solche, in denen das IQWiG den Zusatznutzen höher eingeschätzt hat. Wichtigster Grund für diese Abweichungen sind neue Informationen aus den Stellungnahmeverfahren zu den IQWiG-Bewertungen, die in die G-BA-Beschlüsse einfließen.

Bisher keine Bezüge auf andere Dossierbewertungen

Eingeführt wurde die frühe Nutzenbewertung 2011 mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG). Nach nunmehr gut 6 Jahren hat sich das Bewertungsverfahren gut eingespielt. Doch den Wissenschaftlern im IQWiG fallen auch die Schwächen immer stärker ins Auge: Je öfter sie nacheinander mehrere Wirkstoffe aus demselben Indikationsgebiet bewerten, desto unübersichtlicher werden die Ergebnisse für die Nutzer. Denn Vergleiche mit bereits erfolgten Bewertungen anderer Wirkstoffe sind im Verfahren nicht vorgesehen. Vergleichende Bewertungen könnten aber Ärzte sowie Patienten bei ihrer Entscheidung unterstützen.

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Das könnte Sie auch interessieren

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

Am 1. Oktober 2016 ist Internationaler Morbus Gaucher-Tag. Für die Passanten in der Frankfurter Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen wird dies kein gewöhnlicher Einkaufssamstag werden. Denn an diesem Tag wollen Sanofi Genzyme und die Patientenorganisation Gaucher Gesellschaft Deutschland e. V. (GGD) das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die seltene Stoffwechselerkrankung Morbus Gaucher [sprich: go-schee] lenken – und zwar mit der Aktion „AugenBLICK für...

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Frühe Nutzenbewertungen: Zum Jahreswechsel die 220. Dossierbewertung vom IQWiG abgeschlossen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich