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Medizin

13. Februar 2019 Fortgeschrittenes HCC: Therapieansprechen auf Lenvatinib verlängert das Überleben

Seit Oktober letzten Jahres ist der Multikinasehemmer Lenvatinib (Lenvima®) als Erstlinientherapie bei inoperablem/fortgeschrittenem HCC zugelassen. Patienten aus der Phase-III-Zulassungsstudie REFLECT (1), die auf eine Erstlinientherapie mit einem der beiden in dieser Studie eingesetzten Tyrosinkinasehemmer (TKI, Lenvatinib oder Sorafenib) ansprachen (ORR, objektive Responserate im Sinne einer max. Tumorgrößenänderung nach mRECIST), haben dadurch einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber Non-Respondern, wie neue, beim diesjährigen ASCO-GI-Kongress präsentierte retrospektive Analysen von REFLECT (2) ergeben haben.
In beiden Therapiearmen zusammengenommen betrug das mediane Gesamtüberleben (OS) ohne Response nur 11,4 Monate, mit Response dagegen 22,4 Monate, war also fast verdoppelt. Der Anteil der Responder war in REFLECT mit 24,1% für Lenvatinib allerdings deutlich höher als für Sorafenib mit 9,2%. „Wer anspricht auf eine Therapie, lebt am längsten“, betonte daher Prof. Dr. Jörg Trojan, Frankfurt am Main. In einer multivariaten Analyse erwiesen sich dabei das objektive Ansprechen und die Höhe der Spiegel an Alpha-Fetoprotein (AFP) als härteste Kriterien für ein längeres Überleben.

Ebenfalls neu sind Daten zur Bedeutung einer medikamentösen Folgetherapie im Anschluss an die Behandlung mit Lenvatinib oder Sorafenib in REFLECT (3). Diese Option stand für ein Drittel aller Patienten zur Verfügung. Unabhängig vom Ansprechen auf die Therapie lag das mediane OS bei Patienten des Lenvatinib-Arms bei 20,8 Monaten, unter Sorafenib dagegen bei 17,0 Monaten. Als besonders effektiv erwies sich eine nachfolgende Sorafenib-Behandlung bei den Lenvatinib-Respondern aus REFLECT. Sie überlebten im Median 26,2 Monate. „Ein so langes Überleben hätten wir bei HCC-Patienten in diesem Tumorstadium nicht erwartet“, betonte der Hepatologe.

Eine weitere Analyse zu den Auswirkungen der in REFLECT gewählten, gewichtsadaptierten Startdosierung für Lenvatinib (< 60 kg: 8 mg; > 60 kg: 12 mg) ergab für Lenvatinib keinen Unterschied hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit (4).

Als aussagekräftig erwies sich hingegen das Auftreten von Nebenwirkungen wie Hypertonie, Proteinurie, Hypothyreose oder Diarrhoe unter Lenvatinib: Patienten mit diesen – meist nicht schwer ausgeprägten und behandelbaren – unerwünschten Wirkungen überlebten signifikant länger (mit Hypertonie 18,0 vs. 11,5 Monate ohne Hypertonie, mit Diarrhoe 17,7 vs. 11,5 Monate ohne Diarrhoe) als diejenigen ohne diese Nebenwirkungen (5).

Dr. rer. nat. Andreas Häckel

Quelle: Fachpressekonferenz „ASCO-GI 2019 – Aktuelle Daten zu Lenvima, der neuen Erstlinienoption beim fortgeschrittenen oder inoperablen hepatozellulären Karzinom (HCC)“, 12.02.2019, Frankfurt am Main; Veranstalter: Eisai

Literatur:

(1) Kudo M et al. Lancet 2018;391(10126):1163-1173.
(2) Kudo M et al. Poster, präsentiert beim ASCO-GI, 17.-19. Januar 2019.
(3) Alsina et al. Poster, präsentiert beim ASCO-GI, 17.-19. Januar 2019.
(4) Okusaka et al., Poster, präsentiert beim ASCO-GI, 17.-19. Januar 2019.
(5) Sung et al. Poster, präsentiert beim ASCO-GI, 17.-19. Januar 2019.


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