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Medizin

24. Januar 2018 Forscher wollen Mechanismen der Metastasierung bei Brustkrebs erforschen

Wenn sich einzelne Krebszellen vom Tumor lösen und an anderen Stellen im Körper Absiedelungen bilden, sinken die Heilungschancen der Betroffenen erheblich, denn mobile Krebszellen sind aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften gegen eine Vielzahl von Wirkstoffen, insbesondere Chemotherapeutika, resistent. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen wollen nun die molekularen Prozesse erforschen, die es den Brustkrebszellen ermöglichen, zu wandern. Diese Mechanismen könnten ideale Angriffspunkte für neue Therapiestrategien bei metastasierendem Brustkrebs sein. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit insgesamt rund 174.000 Euro.
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Jeder Mensch besitzt mehr als 200 verschiedene Zelltypen. Die meisten Zellen haben ihren festen Platz und bilden Organe und Gewebe, doch einige von ihnen besitzen die Fähigkeit, auf Wanderschaft zu gehen. Immunzellen beispielsweise bekämpfen Krankheitsherde, andere Zelltypen wiederum kümmern sich um die Wundheilung. Auch Krebszellen können wandern. Doch ihr Bewegungsdrang kann schwere Folgen haben: Wenn sie sich vom ursprünglichen Tumor lösen, an einem anderen Ort ansiedeln und Metastasen bilden, wird die Erkrankung lebensbedrohlich. Oft schlägt dann die Krebstherapie nicht mehr gut an – denn die wandernden Krebszellen besitzen spezielle Eigenschaften, die ihnen Immunität gegen Krebstherapeutika verschaffen können.

Neue Angriffspunkte für die Brustkrebstherapie erforschen

Warum sich ein Tumor ausbreitet und Metastasen (aus dem Griechischen: metástasis = wandern) bildet, ist bisher noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt. Forscher wissen bislang, dass sich Brustkrebsmetastasen hauptsächlich in Knochen, Lunge und Leber bilden. Um sich vom Ursprungstumor loslösen zu können, durchlaufen Krebszellen ein zelluläres Entwicklungsprogramm, das sie mit neuen Fähigkeiten ausstattet. Diese modifizierten Zellen sind mobiler und können nun nicht mehr aneinander binden: Sie sind bereit, auf Wanderschaft zu gehen. Diese „Neuprogrammierung“ ist essenziell für zahlreiche Prozesse in der menschlichen Entwicklung, beispielsweise werden dadurch in der Embryonalphase das Neuralrohr und damit das Nervensystem angelegt. Doch auch Tumorzellen können profitieren: Durch die unkontrollierte Reaktivierung des Programms werden Zellen generiert, die invasive Eigenschaften besitzen. Krebszellen können nun in umgebende Gewebe und Organe eindringen.

Krebszellen mit besonderen Eigenschaften
Aufgrund ihrer speziellen Charakteristika sind Tumorzellen nach Durchlaufen des Programms häufig gegen gängige Wirkstoffe der Krebstherapie resistent. Dies trifft vor allem auf Chemotherapeutika zu. Dadurch können sich nach scheinbar erfolgreicher Chemo-, Strahlen- und endokriner Therapie, Rezidive und Metastasen bilden. Prof. Dr. Carsten Gründker, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Göttingen und sein Team, möchten die zellulären Mechanismen der Zellwanderung detailliert untersuchen. Vorarbeiten der Göttinger Wissenschaftler konnten bereits zeigen, dass spezielle Proteine eine wichtige Rolle bei der Metastasierung spielen. „Bei den verantwortlichen Proteinen möchten wir die Funktion und die Zusammenhänge der nachgeschalteten Signalwege untersuchen. Insbesondere deren Hemmung scheint therapeutisch interessant zu sein. Diese molekularen Mechanismen möchten wir für die Entwicklung zielgerichteter Krebsmedikamente nutzen“, erklärt Gründker das Ziel seiner weiteren Forschung.

„Die Behandlung von metastasierenden Krebserkrankungen stellt die Onkologie noch immer vor große Herausforderungen. Um die Entwicklung neuer Therapieansätze zu unterstützen, fördert die Deutsche Krebshilfe innovative Forschungsprojekte mit dem Ziel, die Versorgungssituation zu verbessern“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Quelle: Deutsche Krebshilfe


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