Dienstag, 4. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

12. Februar 2019 FLT3-mutierte AML: Patienten profitieren von Midostaurin und Quizartinib

Mit der europäischen Zulassung des Rezeptortyrosinkinase (RTK)-Inhibitors Midostaurin steht Patienten mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer FLT3-Mutation nun das erste Medikament für die zielgerichtete Therapie in allen 3 Phasen (Induktion, Erhaltung und Konsolidierung) zur Verfügung. Die randomisierte multizentrische Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie RATIFY belegt, dass FLT3-mutierte AML-Patienten in der Erstlinientherapie von einer RTK-Inhibition durch Midostaurin zusätzlich zur Chemotherapie profitieren (1). RTK-Inhibitoren der 2. Generation, wie Quizartinib, Crenolanib und Gilteritinib, wirken selektiver, sind sehr potent und zielen spezifisch auf FLT3 ab, berichtete Prof. Dr. Lars Bullinger, Berlin.
„Die vielen spannenden diagnostischen und therapeutischen Entwicklungen der letzten Jahre haben bisher noch nicht zu einer verbesserten AML-Therapie oder zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) der Patienten geführt. Aus diesem Grund ist die AML leider noch immer sehr schwierig zu behandeln“, erklärte Bullinger. Neue Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren, wie das Next Generation Sequencing (NGS), finden für fast jeden einzelnen Patienten ein individuelles Mutationsmuster. „Dies ist sicher auch einer der Gründe, wieso wir die Erkrankung immer noch schlecht therapieren können“, so Bullinger. „Da derzeit trotz intensivster Bemühungen, inklusive allogener Knochenmarkstransplantationskonzepte, bei jüngeren Patienten gerade mal die Hälfte langfristig geheilt werden kann, brauchen wir dringend neue Ansätze, um die Therapie der AML zu verbessern“, fügte Bullinger hinzu.

Die FLT3-RTK wird häufiger von jüngeren Patienten exprimiert, ist jedoch auch bei älteren Patienten mit einer schlechten Prognose assoziiert. Je früher die molekulare Identifizierung dieser Treibermutationen erfolgt, desto zielgerichteter kann behandelt werden und desto besser ist das Ergebnis für den Patienten, erläuterte Bullinger. Midostaurin bindet an die katalytische Domäne von FLT3 und anderen Proteinkinasen und hemmt dadurch mitogene Signalwege.

In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie RATIFY wurde Midostaurin in Kombination mit einer Standardchemotherapie aus Cytarabin + Daunorubicin bei neu diagnostizierten AML-Patienten (n=717; Alter 18-60 Jahre) untersucht (1). Nach 4 Jahren verlängerte sich das OS, der primäre Endpunkt der Studie, auf 51% unter der Midostaurin-Behandlung im Gegensatz zu 44% unter Placebo (HR=0,78; 95%-KI: 0,63-0,96; p=0,009). Ein konsistenter Effekt von Midostaurin auf das OS konnte über alle FLT3-Subtypen hinweg beobachtet werden. Midostaurin-behandelte Patienten, die nach dem Erreichen einer kompletten Remission einer allogenen Stammzelltransplantation unterzogen wurden, hatten insgesamt den größten Überlebensvorteil, erklärte Bullinger. Das Nebenwirkungsprofil zeigte lediglich bei Hautausschlägen signifikant höhere Werte unter Midostaurin als unter der Chemotherapie allein. „Mit der Zulassung von Midostaurin verfügen wir über die erste zielgerichtete Therapie, um FLT3-positive AML-Patienten in gute Remissionen und ein langfristig leukämiefreies Überleben bringen zu können“, fasste Bullinger zusammen.

Die randomisierte doppelblinde Phase-III-Studie QuANTUM-R mit neu diagnostizierten FLT3-mutierten (Interne-Tandem-Duplikationen) AML-Patienten fand unter Quizartinib-Monotherapie eine signifikante Verlängerung des OS im Vergleich zu einer Salvage-Chemotherapie (HR=0,76; 95%-KI: 0,58-0,98; p=0,0177) (2). Die Ansprechraten lagen bei 69%. Nach der Behandlung mit dem RTK-Inhibitor konnten vergleichsweise mehr Patienten einer Stammzelltransplantation zugeführt werden.

„Es ist entscheidend, dass wir zielgerichtet angehbare Mutationen schon bei der Diagnosestellung der Patienten erkennen, sodass bereits im Rahmen der Induktionstherapie eine zielgerichtete Behandlung erfolgen kann“, fasste Bullinger zusammen.

Dr. Marion Adam

Quelle: Presse-Webcast „Diagnose und Therapie der FLT3-mutierten AML“, 29.01.2019; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Stone RM et al. N Engl J Med 2017;377:354-64.
(2) Cortes J et al. EHA 2018, Abstract LB2600.


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung
© CLIPAREA.com / fotolia.com

Um harmlose Eierstockzysten von bösartigem Eierstockkrebs zu unterscheiden, verwenden Ärzte das Ultraschallverfahren. Zysten und Krebsgeschwülste bilden im sonografischen Bild bestimmte Muster, die ein erfahrener Fachmann unterscheiden kann. Für ein hohes Qualitätsniveau der Untersuchung setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ein. Sie fordert, dass der Ultraschall der Eierstöcke eine Kassenleistung wird – auch...

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung
© deagreez / Fotolia.com

In Deutschland geht nur gut jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. 4,65 Millionen und zwar 11,7 Prozent aller anspruchsberechtigten Bürger nahmen im Jahr 2014 die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr, wie die BARMER GEK zum Weltmännertag am 3. November mitteilt. Damit bleiben Männer Präventionsmuffel. Denn im Jahr 2010 absolvierten 11,41 Prozent den Check. „Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann Leben retten. Je früher Krebs erkannt wird, desto...

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"FLT3-mutierte AML: Patienten profitieren von Midostaurin und Quizartinib"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden