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Medizin

13. September 2018 Erwin-Schrödinger-Preis 2018: Prostatakrebs besser erkennen und therapieren

Der Erwin-Schrödinger-Preis geht in diesem Jahr an ein interdisziplinäres Forscherteam aus Heidelberg. Die Wissenschaftler Matthias Eder, Michael Eisenhut, Uwe Haberkorn und Klaus Kopka haben gemeinsam eine Methode entwickelt, mit der sich Prostatakrebs nicht nur zuverlässiger diagnostizieren, sondern auch gezielt bekämpfen lässt.
Der mit 50.000 Euro dotierte Erwin-Schrödinger-Preis wurde am 11. September im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung an die diesjährigen Preisträger Matthias Eder (Biotechnologe, Universitätsklinikum Freiburg, Deutsches Krebskonsortium und Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ), Michael Eisenhut (Chemiker, DKFZ, emeritiert), Uwe Haberkorn (Nuklearmediziner, Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ) und Klaus Kopka (Radiopharmazeutischer Chemiker, DKFZ) überreicht. Die Wissenschaftler erhielten die Auszeichnung für die Entwicklung eines Moleküls, welches spezifisch Prostatakrebszellen aufspüren und sowohl die Diagnostik als auch die Therapie verbessern kann. „Ich gratuliere den Preisträgern von ganzem Herzen. Sie haben mit ihrer Methode nicht nur die Bildgebung von Prostatakrebszellen revolutioniert, sondern auch einen Durchbruch in der Tumortherapie erzielt“, sagt Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler. „Ich bin mir sicher, dass dadurch in Zukunft vielen Prostatakrebspatienten geholfen werden kann. Dies zeigt eindrucksvoll, was die Wissenschaft bewegen kann, wenn sie über Disziplingrenzen hinaus zusammenarbeitet.“ Der Erwin-Schrödinger-Preis würdigt jedes Jahr innovative Leistungen, die in den Grenzgebieten verschiedener Fächer der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften entstehen. Er wird abwechselnd vom Stifterverband und Helmholtz vergeben.
 
Abb: Helmholtz Jahrestagung – © Boris Kramaric
Helmholtz Jahrestagung


Ausgangspunkt für die Entdeckung der preisgekrönten Wissenschaftler ist das Prostata-spezifische Membran-Antigen – kurz PSMA. Es ist auf der Oberfläche gesunder Prostatazellen vorhanden, vermehrt allerdings auf Prostatakrebszellen. Im restlichen Körper kommt PSMA kaum vor. Die Wissenschaftler haben ein kleines Molekül namens PSMA-11 entwickelt, das an diesen Antigenen andocken kann und sich mit verschiedenen radioaktiven Substanzen – so genannten Radionukliden – markieren lässt. Dank dieser Markierungen können Ärzte bei Patienten selbst kleinste Ansammlungen von Prostatakrebszellen bei einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) erkennen. Das war mit bisherigen Untersuchungsmethoden in dieser Genauigkeit nicht möglich. Die Methode ist mittlerweile weltweit bei Patienten im Einsatz, um Prostatakrebszellen ausfindig zu machen.

Darauf aufbauend entwickelten die Forscher einen ähnlichen Wirkstoff namens PSMA-617. Er wird mit einem stärker strahlenden Radionuklid markiert, so dass eine therapeutisch wirksame Substanz entsteht. Diese zerstört die Prostatakrebszellen, sobald sich das Molekül an sie angedockt hat. Die ersten Ergebnisse waren so erfolgreich, dass die Wissenschaftler ihre Entdeckung an ein US-amerikanisches Pharmaunternehmen lizensiert haben. Derzeit wird eine klinische Studie durchgeführt, an der weltweit mehr als 80 Krebszentren in neun Ländern teilnehmen. In einigen Jahren, so ist die Hoffnung der Wissenschaftler, soll die Behandlung nach allen Testläufen von den Gesundheitsbehörden zugelassen sein. Von den ersten Arbeiten zum Thema im Jahr 2011 könnten dann nur rund zehn Jahre vergangen sein. „Die Kombination unterschiedlicher Fachrichtungen hat unsere Arbeit erst möglich gemacht – und den Durchbruch in dieser kurzen Zeit“, urteilen die beteiligten Forscher.


Mehr Informationen zum Erwin-Schrödinger-Preis gibt es unter: http://www.helmholtz.de/ueber_uns/forschungspreise/erwin_schroedinger_preis/
Ein Video und ein Porträt zu den Gewinnern und ihrer Forschung gibt es unter: https://www.helmholtz.de/schroedinger2018/

Quelle: Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren


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