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Medizin

03. Mai 2017 Erste kausale Therapie der Opioid-induzierten Obstipation

Die Opioid-induzierte Obstipation (OIC) ist die häufigste Komplikation einer Opiod-Therapie, belastet die Patienten stark und kann meist nur auf Kosten einer schlechteren Schmerztherapie gelindert werden. Mit Naloxegol, dem ersten oral verfügbaren Vertreter der Stoffklasse der µ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORA) steht nun eine ursächliche Therapie zur Verfügung.
Opioide hemmen den peristaltischen Reflex und die gastrointestinale Sekretion, erklärte Prof. Dr. Martin Storr, Starnberg. Bei der Einleitung einer Opioid-Therapie sei deshalb schon in niedrigen Dosen und unabhängig vom Wirkstoff eine Opioid-induzierte Obstipation (opioid induced constipation, OIC) unvermeidlich. Typische Symptome sind laut Storr harter Stuhlgang und mühevolle, oft inkomplette Stuhlentleerung und plötzliche Durchfälle, begleitet von Völlegefühl, Bauchdruck und –schmerzen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen. Dass eine OIC die Lebensqualität der Schmerzpatienten zusätzlich zur Grundkrankheit verringert und sie im Arbeitsalltag einschränkt, ist nachgewiesen (1,2), wird aber immer noch unterschätzt, so Dr. Ulf Schutter, Marl. Etwa 70% der Patienten mit OIC berichten, eine Therapie mit Laxanzien bessere die Beschwerden, wenn überhaupt nur geringfügig (3). Aktuelle Daten belegen, dass Patienten mit OIC nicht selten die Dosis ihres Opioids reduzieren oder sogar ganz darauf verzichten und lieber auch starke Schmerzen ertragen (4).

Bisherige Maßnahmen, z.B. der Einsatz von Laxanzien, sind bei OIC kaum wirksam, da sie nicht gegen die o.g. pathogenetischen Mechanismen gerichtet sind. Anders Naloxegol (Moventig®). Der erste Vertreter aus der neuen Stoffklasse der PAMORA (peripher wirkender µ-Opioid-Rezeptor-Antagonist) zielt auf die Ursache der OIC ab, d.h. die Opioid-vermittelte, periphere µ-Opioid-Rezeptor-Aktivierung und Hemmung der Darmmotorik und –sekretion. Da Naloxegol aufgrund der Pegylierung die Blut-Hirn-Schranke nicht klinisch bedeutsam überwindet, bleibt die gewünschte analgetische Wirkung der Opioid-Therapie aber erhalten, erläuterte Prof. Storr. Zugelassen ist der PAMORA zur Behandlung der OIC bei erwachsenen Patienten, die unzureichend auf Laxanzien angesprochen haben, auf Basis der Ergebnisse der Phase-III-Studien KODIAC 4 und 5 bei Patienten mit OIC und nicht krebsbedingten Schmerzen. Darin hatte sich die unter der empfohlenen Dosierung von 25 mg Naloxegol einmal täglich die mediane Zeit bis zum ersten Stuhlgang von 41,1 Stunden (Placebo) auf 7,6 Stunden verkürzt (5,6).

Ute Ayzpoor

Quelle: Symposium „Gestalten statt verwalten – Moderne Therapieoptionen bei Schmerzpatienten“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2017, 23.3.2017, Frankfurt am Main, Veranstalter: Kyowa Kirin GmbH.

Literatur:

(1) Siemens W et al. Expert Opin Pharmacoth 2014; 16:515-532
(2) Coyne KS et al. CEOR 2014;6:269-281
(3) Palmer CS et al. Abstract 790 Poster präsentiert auf dem 20th Annual Scientific Meeting oft he American Pain Society, Phoenix/Arizona, USA, 19.-22.April 2001
(4) Lawson R et al. Adv Ther 2016;33(8):1331-46
(5) Chey WD et al. New Engl j Med 2014;370:2387-2396
(6) Tack J et al. United European Gastroenterol J 2015;3:471-480


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