Mittwoch, 19. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

16. April 2018 Ernährungstherapie bei Krebspatienten – viel zu selten und viel zu spät

Die Tumorkachexie-bedingte Mangelernährung ist eine überaus häufige, schwere und mitunter lebensbedrohliche, dabei mit frühzeitiger Intervention vermeidbare Komplikation (1-3). Patienten mit Tumorkachexie leiden vermehrt unter Fatigue, Schmerzen oder Atemnot, sie sind vermindert leistungsfähig, und sie sprechen schlechter bzw. mit vermehrten Nebenwirkungen auf onkologische Therapien an. Zudem sterben sie früher als Patienten ohne Tumorkachexie. Dennoch erhalten nur wenige Patienten eine rechtzeitige und adäquate Nährstoffversorgung. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, machten Experten auf einem von Baxter auf dem DKK 2018 initiierten Satellitensymposium deutlich (4).
Anzeige:
Bis zu 67% aller Krebspatienten sind mangelernährt und ca. 50% weisen zum Zeitpunkt ihres Todes Symptome einer Tumorkachexie auf (1,2). Dennoch findet Mangelernährung laut Dr. Oliver Marschal, Braunschweig, im onkologischen Alltag kaum Beachtung. Manche Ärzte stufen Gewichtsverlust als eine natürliche Krankheitsfolge ein, „die zum Krebs gehört“. Dabei stehen Lebensqualität, Autonomie und Überlebensdauer auf dem Spiel. „Wenn Tumorpatienten schlecht ernährt sind und wenig Muskulatur haben, sodass sie schließlich nicht mehr aus dem Bett kommen, dann sind sie auf dem Weg in die Palliativstation oder das Hospiz“, erklärte Marschal.

Ernährungstherapie möglichst ab Erstdiagnose

Wenn Tumorpatienten eine Ernährungstherapie bekommen, dann meist erst in der Endphase der Erkrankung. Dies zeigte eine von Dr. Marschal und Prof. Dr. Schiefke in Zusammenarbeit mit Baxter durchgeführte repräsentative Analyse zur Versorgung von Krebserkrankten in Deutschland, in der Daten von ca. 4 Millionen gesetzlich versicherten Patienten ausgewertet wurden (11) Je nach Tumorentität erhielten lediglich 12-25% der Patienten eine parenterale Ernährungstherapie (PE). Bei den meisten Patienten wurde die PE in den letzten drei Monaten vor ihrem Tod initiiert, so Marschal, „zu spät um wirklich nützlich zu sein“. Tumorpatienten sollten ab Diagnose der Krebserkrankung eine Ernährungstherapie bekommen, spätestens aber sobald ein Gewichtsverlust diagnostiziert wird.

Aktuelle Leitlinien weisen auf die Bedeutung einer ausreichenden Ernährung hin. So empfiehlt die S3-Leitlinie der DGEM (Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin), auch bei unheilbar kranken Tumorpatienten auf eine ausreichende Nahrungsaufnahme zu achten, da die Überlebenszeit stärker durch eine Mangelernährung als durch die Grunderkrankung eingeschränkt sein kann (5).

Sehr hoher Proteinbedarf bei Krebspatienten

Bedingt durch die systemische Entzündung besteht bei Tumorkachexie ein kataboler Zustand, der mit einem raschen Abbau von Fett- und insbesondere Muskelmasse einhergeht (3). In einer Studie wurde bei Tumorkachexie innerhalb von nur drei Monaten ein Muskelverlust von 5,6 % (1,1 kg) nachgewiesen (6). „Ein erhöhter Verlust an Muskelmasse ist ein Surrogatmarker für ein schlechteres Überleben“ (7), sagte Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Erlangen. Daher kommt es bei Tumorpatienten nicht nur auf die Kalorienzufuhr an, sondern vor allem auf eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren. Häufig wird verkannt, dass auch adipöse Tumorpatienten von Muskelabbau betroffen sind. Patienten mit Übergewicht/Adipositas und Sarkopenie haben laut Zopf eine besonders ungünstige Prognose (8). Zusätzlich zu dem vermehrten Eiweißumsatz weisen Tumorkachexie-Patienten eine Verwertungsstörung der Nährstoffe auf, eine anabole Resistenz. „Krebspatienten haben daher einen sehr hohen Eiweißbedarf“, so Zopf.

Bedarfsgerechte Nährstoffversorgung

Während gesunde Menschen täglich ca. 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht (KG) benötigen, empfehlen die DGEM- sowie ESPEN (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism)-Leitlinien für Tumorpatienten eine Eiweiß- bzw. Proteinzufuhr von bis zu 1,5 g/kg KG (5,9), bei ausgeprägter Entzündung bis zu 2 g/kg KG (5). Wenn die Patienten ihren Energie- und Eiweiß-/ Aminosäurenbedarf nicht durch normale Ernährung decken können, ist laut Zopf eine ergänzende enterale oder parenterale, an Aminosäuren reiche Ernährungstherapie, z. B. mit Olimel® 5,7% E, angezeigt.

Der Dreikammerbeutel Olimel® ist indiziert für die PE bei Erwachsenen und Kindern über zwei Jahren, wenn eine orale oder enterale Ernährung nicht möglich, unzureichend oder kontraindiziert ist (10). Auf Basis von Olivenöl und mit der Kombination von hoher Aminosäurezufuhr bei gleichzeitig niedriger Volumen- und Glukosezufuhr, erfüllt Olimel® 5,7% E optimale Voraussetzungen für eine leitliniengerechte Nährstoffversorgung von Tumorpatienten (5).

Immer in Kombination mit Bewegungstherapie

Zum Erhalt bzw. zur Vergrößerung der Muskelmasse sollte parallel zur Ernährungstherapie eine von geschultem Personal geleitete, individuell auf den Patienten zugeschnittene Bewegungstherapie angeboten werden (5). „Jeder Patient, ob mobil oder immobil, kann eine Bewegungstherapie durchführen“, stellte Zopf klar. Dabei kann z.B. die Muskelaktivierung mittels Ganzkörper-Elektro-Muskel-Stimulation (WB-EMS) einen wichtigen Beitrag insbesondere bei schwachen Patienten leisten.

Quelle: Baxter

Literatur:

(1) Hébuterne X et al. J Parenter Enteral Nutr 2014; 38 (2): 196-204
(2) Aapro M et al. Ann Oncol 2014; 25: 1492-1499
(3) Bozzetti F et al. Clin Nutr 2009; 28 (4): 445-454
(4) Satellitensymposium „Die verpassten Chancen in der Tumortherapie – parenterale Ernährung“, Baxter Deutschland GmbH, im Rahmen des DKK 2018, 23.02.2018, Berlin.
(5) Arends J et al. Aktuel Ernährungmed 2015; 40: e1-74
(6) MacDonald AJ et al. Clin Cancer Res 2015; 21: 1734-1740
(7) Blauwhoff-Buskermolen S et al. J Clin Oncol 2016; 34: 1339-1344
(8) Tan BH et al. Clin Cancer Res 2009; 15: 6973-6979
(9) Arends J et al. Clin Nutr 2017; 36: 1187-1196
(10) Fachinformation Olimel® 5,7% E Emulsion zur Infusion, Stand Juni 2017
(11) Data on file: „Versorgungsforschung zur parenteralen Ernährung in Deutschland“ in Zusammenarbeit mit HGC GesundheitsConsult GmbH, 2017


Das könnte Sie auch interessieren

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

Am 1. Oktober 2016 ist Internationaler Morbus Gaucher-Tag. Für die Passanten in der Frankfurter Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen wird dies kein gewöhnlicher Einkaufssamstag werden. Denn an diesem Tag wollen Sanofi Genzyme und die Patientenorganisation Gaucher Gesellschaft Deutschland e. V. (GGD) das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die seltene Stoffwechselerkrankung Morbus Gaucher [sprich: go-schee] lenken – und zwar mit der Aktion „AugenBLICK für...

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ernährungstherapie bei Krebspatienten – viel zu selten und viel zu spät"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren