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Medizin

16. Juni 2019 Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar

Eine Eisenakkumulation bei Patienten mit Myelodyplastischen Syndromen (MDS) wird zum einen durch eine hochregulierte Eisenabsorption aufgrund ineffektiver Erythropoese mit erniedrigten Hepcidinspiegeln, zum anderen durch eine langfristige Bluttransfusionstherapie verursacht. Die Eisenüberladung geht mit erhöhtem oxidativen Stress einher und überlastet die Organfunktion der Patienten, aber über die Verteilung des Eisens in verschiedenen Organen liegen keine vollständigen Informationen vor. Nun zeigen aktuelle Daten, die beim EHA-Kongress 2019 in Amsterdam präsentiert wurden (1), dass die Eisenüberladung sich nicht nur in Leber und in eingeschränktem Umfang im Herz manifestiert, sondern dass bei jedem zweiten Patienten auch Milz, Bauchspeicheldrüse und vertebrales Knochenmark betroffen sind.
In Leber und Herz ist der Grad der Eisenüberladung mittels Magnetresonanztomografie (MRT) bereits gut abbildbar. So finden sich bei transfusionsabhängigen Patienten regelmäßig erhöhte Leber-Eisenkonzentrationen (LIC) und in wenigen Studien auch abnorm erhöhte kardiale Eisenwerte, allerdings kaum schwere kardiale Eisenüberladungen. Über Eisenakkumulationen im Pankreas und Knochenmark liegen bislang kaum Informationen vor, obwohl bekannt ist, dass die Freisetzung toxischer Eisenspezies (Transferrin-gebundene Eisen (NTBI)) im Knochenmark direkt die Hämatopoese durch oxidativen Stress negativ beeinflussen kann.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Regina Grosse, Hamburg, hat eine Untersuchung durchgeführt mit dem Ziel, mehr Informationen über die Organverteilung von Eisen bei  MDS-Patienten mit geringem Risiko in verschiedenen Organen – auch und gerade in Pankreas und Knochenmark – zu erhalten und die Beziehung von Eisenkonzentration und Fettgehalt in diesen Organen zu untersuchen. Dazu untersuchten die Wissenschaftler Eisenansammlungen in Knochenmark, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse und Herzmuskel bei 14 MDS-Patienten im Alter von 39 bis 87 Jahren mit überwiegend niedrigem Risiko. Die Patienten waren teilweise transfundiert worden und hatten z. T. eine Eisenchelator-Therapie erhalten. Die Konzentration des Gewebeeisens und der Fettgehalt der Gewebe wurden durch Magnetresonanztomografie (MRT-R2*) mit 3D-Datenerfassung bei einer magnetischen Flussdichte von 3 Tesla unter Verwendung der Chemical Shift Relaxometrie ermittelt.

Wie Grosse et al. im Rahmen einer Posterpräsentation berichteten, zeigten rund 50% der Patienten eine Eisenüberladung in Milz, Bauchspeicheldrüse und vertebralem Knochenmark (VBM). Die mediane LIC (± SD) betrug 1,71 ± 0,91 mg / g (10,3 ± 5,5 mg/g).

Patienten, bei denen eine Eisenüberladung in der Bauchspeicheldrüse nachweisbar war (R2* >100 s-1), zeigten zusätzlich abnormale Pankreasfettgehalte (11-32%) und erhöhte Glukosewerte (101-186 mg dl). Wie erwartet, waren die Werte für das kardialer Eisen bei allen Patienten im Normbereich. Eine Eisenakkumulation im Knochenmark (VBM) war bei 8 der 14 Patienten (R2*=149-330 s-1) nachweisbar mit dem höchsten R2* bei einem nicht chelierten Patienten.

Insgesamt zeigt die Arbeit von Grosse et al., dass bei Patienten mit MDS die Bestimmung einer Eisenüberladung auch in Pankreas und Knochenmark gut möglich ist. Speziell der Nachweis erhöhter Eisenwerte im Knochenmark ist bedeutsam, da eine Eisenüberladung durch toxische Eisenspezies wie NTBI oder Labiles Plasmaeisen (LPI) die ohnehin beeinträchtigte Hämatopoese im Knochenmark durch oxidativen Stress weiter in Mitleidenschaft ziehen kann. Bereits frühere Publikationen hatten gezeigt, dass Eisen die Proliferation erythroider Vorläuferzellen hemmt (2) und durch eine Eisenüberladung die Wahrscheinlichkeit des Übergangs in eine AML steigt (3). Die durch reaktive Sauerstoffspezies „gestresste“ Hämatopoese kann durch eine Eisenchelattherapie entlastet werden (4) – beispielsweise durch eine Therapie mit mit Deferasirox (Exjade®).
 

cs

Quelle: EHA 2019

Literatur:

(1) Grosse R et al. Tissue iron distribution in patients with low-risk MDS. Poster im Rahmen des 24. Kongresses der European Hematology Association, 13. bis 16. Juni 2019; Abstract PP1298.
(2) Hartmann J et al. Leukemia Research 2013; 37 327-332.
(3) Goldberg SL et al. J Clin Oncol 2010; 28: 2847-2852.
(4) Gattermann N et al. Haematologica 2012; 97: 1364-1371.


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