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Medizin

29. November 2017 EU Zulassung für Niraparib beim rezidivierten Ovarialkarzinom

Die Europäische Kommission (EC) hat am 20. November 2017 die Zulassung für Niraparib (Zejula®) erteilt. Zejula® wird als Monotherapie zur Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patientinnen mit Rezidiv eines Platin-sensiblen, gering differenzierten serösen Karzinoms der Ovarien, der Tuben oder mit primärer Peritonealkarzinose, die sich nach einer Platin-basierten Chemotherapie in Remission (komplett oder partiell) befinden, angewendet. Niraparib ist der erste in Europa zugelassene orale, einmal täglich einzunehmende Poly (ADP-Ribose)-Polymerase (PARP) 1/2-Inhibitor, für den keine Testung des BRCA-Mutationsstatus oder eine andere Biomarkertestung erforderlich ist.
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Die Zulassung beruht auf der doppelblinden, Placebo-kontrollierten, internationalen Phase-III-Studie AGO-OVAR 2.22/ENGOT-OV16/NOVA, die Frauen mit und ohne BRCA-Keimbahnmutation in 2 voneinander unabhängigen Kohorten einschloss (1). „Zejula® hat in dieser unter höchsten wissenschaftlichen Standards durchgeführten Studie gezeigt, dass das progressionsfreie Überleben bei einer sehr breiten Patientinnenpopulation signifikant verlängert wird”, sagt Dr. Mary Lynne Hedley, President and Chief Operating Officer von TESARO.

In den USA wurde Niraparib am 27. März 2017 von der US Food and Drug Administration (FDA) zugelassen und ist dort der bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom am häufigsten verschriebene PARP-Inhibitor. Die Markteinführung von Niraparib in Deutschland wird im Dezember 2017 erfolgen.

„Die Zulassung von Niraparib ist ein wichtiger Schritt vorwärts für Ovarialkarzinompatientinnen in Europa. Die Effektivität einer Platin-basierten Chemotherapie nimmt leider im Laufe der Zeit ab und das progressionsfreie Überleben wird nach jeder Behandlung mit Platin kürzer. Mit Niraparib haben wir die Möglichkeit, das progressionsfreie Überleben nach der Platin-basierten Therapie zu verlängern”, so Prof. Sven Mahner, Leiter der Studie in Deutschland für die AGO-Studiengruppe und Direktor der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. In die Phase-III-Studie AGO-OVAR 2.22/ENGOT-OV16/NOVA (1) waren 553 Frauen mit rezidiviertem Ovarialkarzinom eingeschlossen, die auf ihre letzte Platin-basierte Chemotherapie vollständig oder partiell angesprochen hatten. Primärer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS). Etwa 2/3 der Patientinnen wiesen keine BRCA-Keimbahnmutation auf. Die Progression wurde in der NOVA-Studie durch einen unabhängigen zentralen Review der radiologischen oder klinischen Progression beurteilt. Niraparib verlängerte das PFS gegenüber dem Kontrollarm bei Frauen mit und ohne BRCA-Keimbahnmutation signifikant. Das Risiko für eine Krankheitsprogression oder Tod wurde durch Niraparib bei Frauen mit BRCA-Keimbahnmutation um 73% (HR=0,27) und bei Frauen ohne BRCA-Keimbahnmutation um 55% verringert (HR=0,45). Nach 2 Jahren unter Niraparib waren noch 42% der Frauen mit BRCA-Keimbahnmutation ohne Krankheitsprogression gegenüber 16% der Frauen, die ein Placebo bekommen hatten. Patientinnen mit zu Studienbeginn partiellem oder vollständigem Ansprechen auf die Chemotherapie profitierten in gleichem Maße. „Mit Niraparib-Erhaltungstherapie haben also 42% der Patientinnen mit BRCA-Keimbahnmutation die Chance, auch noch nach 2 Jahren progressionsfrei zu sein“, konstatiert Mahner. Bei den Frauen ohne BRCA-Keimbahnmutation waren nach 2 Jahren unter Niraparib noch 27% krankheitsfrei gegenüber 12% unter Placebo“.

„Die Einführung von Niraparib verbessert die Therapie beim rezidivierten Ovarialkarzinom erheblich”, sagt Professor Felix Hilpert, Onkologisches Therapiezentrum am Krankenhaus Jerusalem, Hamburg. „Uns steht jetzt eine zusätzliche Option zur Verfügung, die wir als Erhaltungstherapie nach Ansprechen auf die Chemotherapie einsetzen können. Da der Nachweis einer BRCA-Mutation für die Anwendung von Niraparib nicht erforderlich ist, steht die PARP-Inhibition nun deutlich mehr Patientinnen zur Verfügung, denen wir früher außer einer Beobachtung („watch and wait“) nichts anbieten konnten. Heute haben wir mit den PARP-Inhibitoren die Möglichkeit einer aktiven Kontrolle der Erkrankung unter Beibehaltung der Lebensqualität.”

Die zugelassene Anfangsdosis von Niraparib beträgt 300 mg einmal täglich. Bei Patienten unter 58 kg Körpergewicht kann eine Anfangsdosis von 200 mg einmal pro Tag erwogen werden. Die in der NOVA Studie am häufigsten eingesetzte Dosierung von Niraparib war 200 mg einmal täglich. Die Wirksamkeit blieb in der NOVA Studie mit individuellen Dosisanpassungen erhalten und die Rate an neuen unerwünschten Ereignissen wurde reduziert.

Die häufigsten Grad 3/4 Nebenwirkungen von Niraparib waren Thrombozytopenie (34%), Anämie (25%), Neutropenie (20%) und Hypertonie (8%). Nach individueller Dosisanpassung war die Inzidenz von Grad 3/4 Thrombozytopenie gering und lag nach drei Monaten bei 2,4%. Der Großteil der hämatologischen Nebenwirkungen ließ sich durch Dosismodifikationen gut handhaben. Die Rate an Therapieabbrüchen aufgrund von Thrombozytopenie, Neutropenie und Anämie lag bei 3% bzw. 2% und 1%.

Quelle: Tesaro

Literatur:

(1) Mirza MR et al. N Engl J Med 2016;375:2154-2164


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