Donnerstag, 6. August 2020
Navigation öffnen

Medizin

30. Januar 2019 EPCR wichtiger Treiber der Blutbildung nach Stammzelltransplantation

Die hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) ist eine wichtige Therapieoption bei Patienten mit Störungen der Blutbildung. Auch bei der Gentherapie von Erkrankungen des blutbildenden Systems kommt sie zum Einsatz. Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, haben mit dem Endothelialen Protein-C-Rezeptor (EPCR) eine Zielstruktur identifiziert, mit der sich die Stammzelltransplantation positiv beeinflussen lassen könnte.
Blutzellen werden lebenslang ständig erneuert – Thrombozyten haben beispielsweise eine Lebensdauer von einigen Tagen, Erythrozyten von ein bis 3 Monaten. Diese Blutzellen gehen aus hämatopoetischen Stammzellen (HSCs) hervor, die sich im Knochenmark befinden und in die verschiedenen Zelltypen ausdifferenzieren. Sie können sich selbst erneuern oder in eine Ruhephase wechseln (Quieszenz), um sich vor Erschöpfung durch zu häufige Zellteilungen zu schützen. Ist der Prozess von Differenzierung, Selbsterneuerung und Quieszenz gestört, kommt es zu Blutzellerkrankungen. Dazu gehören Blutkrebserkrankungen wie die Leukämie oder die aplastische Anämie, bei der der Verlust der Blutstammzellen zu einem Mangel an Blutzellen führt. Bei schweren aplastischen Anämien ist eine mögliche Therapieoption eine allogene HSCT (alloHSCT).

Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg einer solchen Behandlung? Dieser Frage gingen Forschende um Prof. Ute Modlich, Leiterin der Forschungsgruppe „Genmodifikation in Stammzellen“ des PEI, nach. Hierzu nutzten sie ein Mausmodell der aplastischen Anämie: Bei den Mäusen wurde ein zentraler Signalweg des Zytokins Thrombopoetin (Thpo) blockiert, indem sein Rezeptor (Mpl, Myeloproliferatives Leukämie-Virus-Onkogen, Mpl-/- Mäuse) ausgeschaltet wurde. Dadurch wird die Situation bei Patientinnen und Patienten mit aplastischer Anämie nachgeahmt, bei denen dieses Gen ebenfalls nicht funktionstüchtig ist. Die Blutstammzellen der Mpl-/- Mäuse wuchsen nur sehr schlecht nach einer Transplantation an. Zudem konnten sich diese Blutstammzellen nur schlecht selbst erneuern und auch der Wechsel in den Ruhezustand war eingeschränkt. Als Folge gingen die Blutstammzellen verloren.

Der Mpl-Rezeptor aktiviert verschiedene Signalwege. Welche Signalwege sind für die stammzellerhaltende Funktion von Thpo/Mpl wichtig? Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler potenzielle Thpo-Zielgene mit lentiviralen Vektoren in Mpl-/- Blutstammzellen übertragen. Diese Zellen wurden in Mpl-/- Empfängermäuse transplantiert und der Einfluss auf die Blutbildung untersucht.
 
Knochenmarkzellen der Maus: Zytospin, May-Grünwald/Giemsa Färbung (© PEI)
Knochenmarkzellen der Maus: Zytospin, May-Grünwald/Giemsa Färbung (© PEI)


Von 5 untersuchten Kandidatengenen und ihren Proteinen erwies sich das Oberflächenprotein EPCR (Endothelialer Protein-C-Rezeptor) als wichtiger Akteur: War dieses Oberflächenprotein vorhanden, vermehrten sich die Blutstammzellen und konnten auch schnell in die Ruhephase wechseln. Bei den Mäusen, die diese veränderten Stammzellen Epcr+/Mpl- erhielten, waren entsprechend schnell viele Spenderzellen im Knochenmark nachweisbar. In weiteren Experimenten wiesen die PEI-Forschenden nach, dass auch bei normaler Blutbildung Epcr die Zellen markiert, diese nach Stammzelltransplantation gut anwachsen und sich vermehren. Eigentlich ist Epcr als Ko-Rezeptor für den Protease-aktivierten Rezeptor (PAR1) auf Endothelzellen bekannt. Dieser Rezeptor kann durch seinen Liganden, aktiviertes Protein C (APC), aktiviert werden. „Wir haben eine Zielstruktur identifiziert, über die sich in Zukunft möglicherweise Blutstammzelltransplantationen unterstützen lassen. Dies könnte besonders im Rahmen von Gentherapien nützlich werden, bei denen man Blutstammzellen zur Genmodifikation für einige Zeit in vitro kultiviert, bevor sie transplantiert werden“, erläutert Modlich die Bedeutung dieser Forschungsergebnisse.

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

Literatur:

Kohlscheen S, Schenk F, Rommel M et al.
Endothelial protein C receptor supports hematopoietic stem cell engraftment and expansion in Mpl-deficient mice.
Blood 2019 (Epub ahead of print).


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf
© julief514 / Fotolia.com

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Das diesjährige Motto der Weltgesundheitsorganisation lautet: „Wir können. Ich kann.“ Es steht dafür, dass Menschen durch einen gesunden Lebensstil dazu beitragen können, vielen Krebsarten vorzubeugen. „Gesundheit ist ein hohes Gut und es macht Spaß etwas dafür zu tun“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Die Organisation bietet Interessierten kostenlose Infomaterialien...

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung
© deagreez / Fotolia.com

In Deutschland geht nur gut jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. 4,65 Millionen und zwar 11,7 Prozent aller anspruchsberechtigten Bürger nahmen im Jahr 2014 die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr, wie die BARMER GEK zum Weltmännertag am 3. November mitteilt. Damit bleiben Männer Präventionsmuffel. Denn im Jahr 2010 absolvierten 11,41 Prozent den Check. „Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann Leben retten. Je früher Krebs erkannt wird, desto...

Eine Welt ohne Krebs schaffen

Eine Welt ohne Krebs schaffen
© transurfer - stock.adobe.com

Am 4. Februar fand zum 20. Mal der Welt-Krebstag statt. Das Motto der Union for International Cancer Control /UICC) ist “Create a future without cancer. The time to act is now.”: Eine Welt ohne Krebs schaffen – jetzt handeln. An diesem Tag stehen Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen im Mittelpunkt. Der Berufsverband der Frauenärzte greift das Motto auf und informiert über hochwirksame Strategien, die jede Frau persönlich im Rahmen von...

Brustkrebs bei Männern

Brustkrebs bei Männern
© Zerbor / fotolia.com

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer an Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Da es für Männer keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme gibt und der Gedanke an Krebs zunächst fern liegt, wird die Erkrankung beim Mann meist erst in späteren Stadien diagnostiziert als bei Frauen. Dadurch verstreicht wertvolle Zeit, die bei der Behandlung fehlt. Wie Brustkrebs beim Mann entsteht, erkannt und behandelt wird,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"EPCR wichtiger Treiber der Blutbildung nach Stammzelltransplantation"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden