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Medizin

28. Februar 2019 Deutscher Krebspreis 2019 auf dem Internationalen AEK-Kongress verliehen

Der Deutsche Krebspreis, gestiftet von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den höchsten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin. Insgesamt 4 Krebsforscher wurden auf dem 20. Internationalen AEK-Kongress in Heidelberg ausgezeichnet.
In der Sparte „Klinische Forschung“ ging die Auszeichnung in diesem Jahr an Prof. Dr. Michael Platten (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; Universitätsmedizin Mannheim); im Bereich „Translationale Forschung“ wurde Prof. Dr. Ugur Sahin (TRON – Translationale Onkologie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gemeinnützige GmbH) geehrt, in der Sparte „Experimentelle Forschung“ teilten sich Prof. Dr. Roland Rad und Prof. Dr. Dieter Saur (beide vom Deutschen Krebskonsortium DKTK an der TU München, Klinikum rechts der Isar) den Preis. Die Forscher wurden auf dem 20. Internationalen AEK-Kongress in Heidelberg ausgezeichnet.

Immuntherapie zur Gliom-Behandlung

Michael Platten ist einer der Wegbereiter innovativer immuntherapeutischer Verfahren zur Behandlung von Gliomen. Diese Tumoren zählen zu den häufigsten Hirntumoren bei Erwachsenen und sind deshalb gefürchtet, weil ihre vollständige operative Entfernung praktisch nicht möglich und ein erneutes Wachstum auch nach Strahlen- und Chemotherapie häufig ist. Platten und seine Arbeitsgruppe haben gezeigt, dass eine häufige Mutation in Gliomen im Gen für Isocitrat-Dehydrogenase (IDH) spezifisch vom Immunsystem erkannt wird, und eine passgenaue Impftherapie entwickelt, die in einer klinischen Studie eine spezifische Entzündungsreaktion im Tumorgewebe auslöst. Plattens Arbeiten zu zentralen Stoffwechselveränderungen als Schaltstellen für die Hemmung der regionalen Immunabwehr gegen Gliome führten zudem zur Entwicklung von medikamentösen Therapien, die gezielt in diese immunsuppressiven Stoffwechselwege eingreifen. Mit diesen Therapieansätzen ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, die körpereigene Immunabwehr gegen diese gefürchtete Tumorart zu stärken und gleichzeitig die Wirkung dieser Immunabwehr im Hirntumorgewebe zu verbessern.

Personalisierte Krebsimpfstoffe

Ugur Sahin arbeitet erfolgreich an der Schnittstelle zwischen immuntherapeutischer Forschung und klinischer Praxis. Seine Beiträge umfassen Tumorstrukturen, die sich als Ziele für eine Immuntherapie eignen, und Pionierarbeiten zur Entwicklung personalisierter Krebsimpfstoffe, die dem Immunsystem den breit angelegten Angriff auf den Tumor ermöglichen. Diese Impfstoffe enthalten Nanopartikel, die mit individuell für den Krebspatienten maßgeschneiderter tumorspezifischer Boten-RNA beschichtet sind. Die Immunzellen des Körpers erhalten durch die Impfung sehr detaillierte und spezifische Informationen über den Tumor, den sie bekämpfen sollen. Das Besondere der von Sahin eingeführten Methode ist ihre universelle Anwendbarkeit für verschiedene Krebsarten. Ein weiterer Vorteil: Herkömmliche Behandlungsansätze sind üblicherweise gegen einzelne Strukturen der Krebszellen gerichtet. Im Gegensatz dazu aktiviert der mRNA-Impfstoff das körpereigene Immunsystem gegen viele Zielstrukturen, die direkt von den Mutationen der Krebszellen abstammen. Dadurch wird es für Krebszellen schwieriger, die Therapie zu unterlaufen. Erste Ergebnisse einer klinischen Phase I-Studie zeigen, dass die Verabreichung des Impfstoffes bei Hochrisikopatienten mit Melanom im Endstadium starke Immunantworten sowie eine vielversprechende Antitumoraktivität auslöst.

Forschung zur Krebsentstehung

Roland Rad und Dieter Saur untersuchen mit Hilfe von Mausmodellen die molekularen Vorgänge der Krebsentstehung. Sie entwickelten wegweisende genetische Technologien, die es ermöglichen, das Erbgut systematisch nach Tumorgenen abzusuchen und diese gezielt in der Maus zu manipulieren. Im Rahmen ihrer Arbeiten entdeckten sie molekulare Prozesse, die an der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs beteiligt sind. Bauchspeicheldrüsentumoren gehören zu den Krebsarten mit der weltweit höchsten Sterblichkeitsrate – zum Zeitpunkt der Diagnosestellung liegen oft schon Metastasen vor. Als Ergebnis einer 10-jährigen Zusammenarbeit konnten beide Forscher 2018 erstmals nachweisen, dass wichtige Eigenschaften von Bauchspeicheldrüsentumoren durch die Anzahl der fehlerhaften Kopien des Krebsgens KRAS bestimmt werden. Das Gen spielt bei der Zellvermehrung eine wichtige Rolle und ist in 90% aller menschlichen Bauchspeicheldrüsentumoren aktiviert. Die Wissenschaftler zeigten, dass die Zahl der mutierten KRAS-Kopien in unmittelbarem Bezug zur Aggressivität des jeweiligen Tumors und seiner Fähigkeit zur Metastasierung steht, und sie deckten die biologischen Prinzipien auf, die der Entstehungsgeschichte dieser unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit zugrunde liegen. Die Erkenntnisse liefern grundlegende neue Beiträge zum Verständnis der Tumorentstehung mit weitreichender Bedeutung auch für andere Krebsarten.

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft


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