Montag, 27. Mai 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

13. März 2019 Darmtumoren: Sauerstoffgehalt entscheidet über Medikation

Die Blutversorgung eines Darmtumors ist „chaotisch“. Dadurch ist in einigen Bereichen des Tumors wenig, in anderen viel Sauerstoff vorhanden. Den Krebszellen macht das nichts aus: Ihr Stoffwechsel ist an die jeweilige Situation angepasst. Die bislang gegen Darmkrebs eingesetzten Medikamente wirken jedoch umso schwächer, je niedriger der Sauerstoffgehalt im Tumor ist. Darmkrebszellen sprechen daher sehr unterschiedlich auf eine Chemotherapie an – schlimmstenfalls ist die Behandlung wirkungslos. Heidelberger Wissenschaftler entwickeln derzeit eine maßgeschneiderte Kombinationstherapie aus mehreren Wirkstoffen. Diese soll die individuelle Zusammensetzung des Tumors berücksichtigen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt mit 446.000 Euro.
Krebszellen benötigen viel Energie, um zu wachsen und sich auszubreiten. Die Zellen eines Dickdarmtumors decken ihren Energiebedarf dabei unterschiedlich: Manche Krebszellen wachsen bevorzugt aerob, andere vornehmlich oder ausschließlich anaerob. Anaerob wachsende Darmtumoren sind jedoch resistent gegenüber der Chemotherapie. Denn die bislang eingesetzten Medikamente sind ohne Sauerstoff kaum wirksam. Außerdem wachsen diese Tumoren sehr aggressiv und sind in der Lage, Schäden, wie sie durch eine Strahlentherapie entstehen, besser zu reparieren und so zu überleben. Zellen mit einem anaeroben Stoffwechsel können daher innerhalb kurzer Zeit nach der Behandlung ein erneutes Tumorwachstum hervorrufen.

Effiziente Wirkstoffkombination

Im Rahmen eines Forschungsprojekts – unter der Leitung von Dr. Bruno Köhler vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und Professor Dr. Martin Schneider vom Universitätsklinikum Heidelberg – untersuchen Wissenschaftler nun, ob eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Wirkstoffen gleichzeitig sowohl aerobe als auch anaerobe Krebszellen gezielt bekämpfen kann.

„Wir wollen zunächst aus 7 bereits bekannten Krebsmedikamenten die Substanzen mit der markantesten Funktionsweise identifizieren – also solche Wirkstoffe, die spezifisch nur aerobe beziehungsweise anaerobe Tumorzellen töten“, so Projektleiter Köhler. Nachdem sie die aussichtsreichsten Substanzen identifiziert haben, wollen die Wissenschaftler diese Wirkstoffe kombinieren und anhand von Tumorgewebeproben und Darmkrebsmodellen untersuchen, welches die effizientesten Kombinationen sind. Auf dieser Basis sollen später klinische Studien für Dickdarmkrebs folgen. „Der Sauerstoff-Stoffwechsel spielt eine zentrale Rolle in der Tumorbiologie und ist möglicherweise der Schlüssel zu einer personalisierten Behandlung mit maximaler Wirkungskraft. Unser Ansatz könnte die Therapie von Kolonkarzinomen revolutionieren“, sagt Köhler.

Immer noch schlechte Heilungsraten

In Vorversuchen haben die Heidelberger Wissenschaftler bereits eine verlässliche Analysemethode entwickelt, mit der sie die genaue Tumorzusammensetzung bestimmen können. Sie erfassen anhand von Gewebebiopsien den Stoffwechseltyp der Tumorzellen – und welcher Zelltyp überwiegt. So ist eine exakte Dosierung der kombinierten Präparate möglich. „Eine genaue Diagnostik ist somit eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz der zukünftigen Therapie in der klinischen Routine“, ergänzt Schneider.

Krebs ist auch heute, trotz enormer Fortschritte in der Forschung und Medizin, in vielen Fällen immer noch eine Erkrankung mit schlechten Heilungsmöglichkeiten. „Die Deutsche Krebshilfe fördert daher zahlreiche Forschungsprojekte, die neue Perspektiven für Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen eröffnen. Nur durch neue Erkenntnisse aus der Forschung lassen sich innovative und neue Therapiestrategien erarbeiten“, erklärt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Quelle: Deutsche Krebshilfe


Das könnte Sie auch interessieren

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Die Björn Schulz Stiftung

Die Björn Schulz Stiftung
© Александра Вишнева / fotolia.com

in Deutschland leben derzeit rund 50.000 Familien mit einem lebensbedrohlich oder lebensverkürzend erkrankten Kind. Ihre Zahl steigt, denn dank des medizinischen Fortschritts haben schwerst- oder unheilbar kranke Kinder heute eine höhere Lebenserwartung als noch vor 20 Jahren. In der für die betroffenen Kinder und Angehörigen schwierigen Situation bieten Kinderhospizdienste eine intensive Begleitung sowie eine umfassende Betreuung in einer familiären, kindgerechten...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Darmtumoren: Sauerstoffgehalt entscheidet über Medikation "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.