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Medizin

15. Juni 2018 Chronische myeloische Leukämie: „Proaktive Beratung über mögliche Perspektive einer therapiefreien Remission erforderlich“

Nach Erstdiagnose einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) wird geklärt, wie hoch das Risiko durch die Erkrankung ist und welche Komorbiditäten der Patient hat. „Wenn diese Fragen beantwortet sind, sollten Ärzte ihre Patienten proaktiv auf die Perspektive hinweisen, dass sie mit dem Erreichen einer tiefen und stabilen Remission die Möglichkeit eines Absetzversuchs haben, sofern die Vorausetzungen für ein engmaschiges, qualitativ hochwertiges Monitoring erfüllt sind.“ Das sagte Prof. Dr. Timothy Hughes von der University of Adelaide in Australien bei einem Symposium während der 23. Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) in Stockholm. Das Spektrum der möglichen Therapieziele habe sich mit den Fortschritten der medikamentösen Behandlung so stark erweitert, dass die individuellen Prioritäten des Patienten stärker in den Mittelpunkt rücken sollten, sagte Hughes.
„Unsere Ziele sind heute nicht nur das ereignisfreie Überleben der Patienten mit Verhinderung der Progression, sondern eine sehr tiefe molekulare Response“, sagte Prof. Dr. Jorge Cortes vom MD Anderson Cancer Center in Houton, Texas. „Der Patient entscheidet schon bei der Wahl der Erstlinientherapie mit, ob er eine tiefe molekulare Response (MR) rasch erreichen möchte und bei dauerhafter MR die Behandlung möglicherweise abgesetzt werden kann.“
  
Habe die Perspektive eines Absetzversuches für den Patienten weniger Priorität, könnte eine Behandlung mit Imatinib in der Erstlinie eine Option sein, eventuell mit einer erhöhten Dosis. Sollte eine tiefe Remission, also ein Rückgang der BCR-ABL-Transkripte um 4 oder besser noch 4,5 Logstufen (MR4, MR4,5) rasch erreicht werden, sei ein Tyrosinkinase-Inhibitor der zweiten Generation zu erwägen, zum Beispiel Nilotinib. So habe die ENESTnd-Studie ergeben, dass ab dem ersten bis zum 6. Jahr der Therapie der Anteil der Patienten, die eine MR4,5 erreichten mit Nilotinib signifikant höher gewesen sei als mit Imatinib (65 % vs. 37 %).

„Eine MR4,5 ist besser als eine MR4 und eine MR4 besser als eine MR3“, sagte Hughes in der Diskussion. Die Qualität der Remission, also ihre Tiefe, und ihre Dauerhaftigkeit seien die bislang einzigen positiven Prädiktoren dafür, ob spätere Absetzversuche längerfristig Erfolg hätten. Müsse eine Behandlung wiederaufgenommen werden, erreichten fast alle Patienten wieder das Therapieziel einer tiefen Response, er wechsele dann aber im Allgemeinen die Substanz.

Erfolge ein Absetzversuch mit dem Ziel der Familienplanung, eine Patientin werde schwanger  und die Zahl der BCR-ABL-Transkripte steige während der Unterbrechung der Behandlung wieder an, wähle er eine möglichst minimalistische Lösung, sagte Cortes. Er beobachte die Patientinnen meist engmaschig mit dem Ziel, die Phase der therapiesensiblen Organogenese ohne Medikation zu überbrücken. „Interferon ist keine sinnvolle Alternative zu Tyrosinkinase-Inhibitoren“, sagte der Experte, „es dauert Monate, bis die Patienten ansprechen.“ Erhalte eine bereits schwangere Frau die Diagnose einer CML, gehe er ebenfalls minimalistisch vor. „Monitoring und eventuell Hydroxyurea sind Optionen.“

nsi

Quelle: EHA 2018, Novartis Satelliten-Symposium „Recent Advances in CML and MPN“, 14.06.2018


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