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Medizin

20. Februar 2020 Chronische Schmerzen: DGS fordert fläschendeckende Versorgung

Aktuelle Auswertungen aus dem PraxisRegister Schmerz zeigen, dass drei Viertel der Patienten mit chronischen Schmerzen unzumutbare Entfernungen in Kauf nehmen, um einen Arzt oder Therapeuten zu erreichen. Als unzumutbar gelten laut Vereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen Entfernungen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als 30 Minuten Fahrtzeit benötigen. Für spezialisierte Fachärzte beträgt die zumutbare Fahrtzeit 60 Minuten. Große Entfernungen sind besonders für die Schmerzpatienten kritisch, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) fordert daher eine flächendeckende Versorgung mit schmerzmedizinisch ausgebildeten Ärzten und Therapeuten und mindestens eine spezialisierte Einrichtung in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern.
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Pflichttext
Keine flächendeckende Versorgung

Aktuelle Auswertungen aus dem PraxisRegister Schmerz, dem mit mehr als 260.000 Behandlungsfällen und mehr als 1 Millionen Einzeldokumentationen (Stand 31.12.2019) weltweit größten unabhängig realisierten Schmerzregister, zeigen nun, dass 50% der Patienten, deren Daten in dem Register dokumentiert sind, eine Entfernung von mehr als 60 Minuten zu ihrem behandelnden Schmerzzentrum zurücklegen müssen. 75% der Patienten wohnen mindestens 30 Minuten von ihrem Schmerzmediziner entfernt. „Schmerzmediziner arbeiten mit ihren Patienten, sie sehen sie mehrmals pro Woche, teilweise täglich. Daher sollten die 30 Minuten hier als Maßstab gelten. Wir sind von einer flächendeckenden Versorgung also Lichtjahre entfernt“, sagt PD Dr. Michael A. Überall, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin.
Hinzu kommt, dass von den im PraxisRegister Schmerz erfassten Behandlungsfällen mehr als die Hälfte der Patienten unter Rückenschmerzen und rund 17% unter Gelenkschmerzen leiden. Gerade bei diesen Patienten ist aufgrund ihrer Erkrankung die Mobilität eingeschränkt, was die Überwindung einer größeren Strecke zum Arzt zusätzlich erschwert.

Zumutbare Entfernung muss gewährleistet sein

Die zumutbare Entfernung zum behandelnden Arzt wurde erstmalig in einer Vereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband im Zusammenhang mit der Einrichtung von Terminservicestellen zur Vermittlung von Arztterminen offiziell geregelt. Darin heißt es, dass die Terminservicestelle einen Termin bei einem Vertragsarzt oder Psychotherapeuten in einer zumutbaren Entfernung zum Wohnort oder dem gewöhnlichen Aufenthaltsort des Versicherten vermitteln muss. Die zumutbare Entfernung wird über den Zeitbedarf für den Weg zum Arzt mit öffentlichen Verkehrsmittel definiert.

30 oder 60 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zumutbar

Dabei unterscheidet die Vereinbarung zwischen Hausärzten und allgemeinen Fachärzten einerseits sowie spezialisierten und gesonderten Fachärzten andererseits. Zu der ersten Gruppe gehören Fachärzte für Allgemeinmedizin, praktische Ärzte, Ärzte ohne Gebietsbezeichnung, Internisten mit Zuordnung zum hausärztlichen Versorgungsbereich, Augenärzte, Frauenärzte, Chirurgen, Hautärzte, HNO-Ärzte, Nervenärzte, Kinder- und Jugendärzte, Orthopäden, Urologen sowie Psychotherapeuten. Zur zweiten Gruppe gehören Anästhesisten, Kinder- und Jugendpsychiater, Fachinternisten, Radiologen, Humangenetiker, Neurochirurgen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Physikalische- und Rehabilitations-Mediziner sowie Transfusionsmediziner. Für Gruppe 1 gilt eine Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten, für Gruppe 2 von maximal 60 Minuten als zumutbar. Außerdem ist die Terminservicestelle bei der Vermittlung von Terminen dazu angehalten, auch die individuelle Mobilität des Patienten, die besonderen örtlichen Verhältnisse sowie die öffentliche Verkehrsanbindung zu berücksichtigen.

10.000 ausgebildete Schmerzmediziner notwendig

Schmerzmediziner werden in dieser Vereinbarung zwar nicht explizit genannt, die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin sieht die entsprechenden Ärzte aber als der Gruppe 1 zugehörig, da sie ihre Patienten regelmäßig, teilweise mehrmals pro Woche medizinisch versorgen müssen. Auf dieser Basis fordert die Fachgesellschaft daher den flächendeckenden Ausbau der schmerzmedizinischen Versorgung. Allein für die Versorgung der schwerstgradig Schmerzkranken (3,4 Mio. – Stand: 2019) wären mindestens 10.000 ausgebildete Schmerzmediziner nötig. „Jede Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern benötigt ein Schmerzzentrum“, fordert Überall. Aktuell fehlt dieses aber in 188 Städten in Deutschland.

Quelle: DGS


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