Montag, 24. Februar 2020
Navigation öffnen

Medizin

19. Juli 2018 Chemotherapie-freie Erstlinientherapie der CLL

In den letzten Jahren basierte die Erstlinienbehandlung der CLL (chronische lymphatische Leukämie) auf Chemo-Immuntherapien wie Fludarabin/Cyclophosphamid/Rituximab (FCR). Heute besteht die Möglichkeit, primär therapienaiven CLL-Patienten mit dem Brutonkinase-Inhibitor Ibrutinib (Imbruvica®) eine Chemotherapie-freie und dennoch hocheffektive Behandlung anzubieten.
Anzeige:
Nach Daten der CLL-10-Studie ist FCR unabhängig vom Lebensalter der Behandlung mit BR (Bendamustin/Rituximab) überlegen (1). Beide Regime waren mit erheblichen Nebenwirkungen assoziiert, berichtete Prof. Dr. Matthias Rummel, Gießen. 84% (FCR) bzw. 59% (BR) litten unter Neutropenie Grad 3/4, 39% bzw. 27% unter Infektionen Grad 3/4. Die therapiebedingte Mortalität betrug 4,6% bzw. 2,1%, 6,1% bzw. 3,6% erkrankten an sekundären Neoplasien. Außerdem entwickelten die Patienten selbst nach einer Komplettremission mehr oder weniger rasch Rezidive. Es gibt Hinweise, dass sich die Effektivität der Chemo-Immuntherapie durch Gabe von Obinutuzumab statt Rituximab steigern lässt, aber bisher, so Rummel, wurde Obinutuzumab ausschließlich in Kombination mit Chlorambucil geprüft (2) und zugelassen.

Ibrutinib hocheffektiv und gut verträglich

Nach der Zulassung von Ibrutinib bietet sich erstmals die Möglichkeit einer Chemotherapie-freien CLL-Erstlinienbehandlung. In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie RESONATE-2 wurden nach Angabe des Hämatologen und Onkologen Prof. Dr. Martin Trepel, Augsburg, 269 therapienaive Patienten („ein relativ typisches CLL-Klientel“) randomisiert mit Ibrutinib oder Chlorambucil behandelt. Die jüngste Auswertung der Studie nach 4 Jahren Follow-up bestätigte die hohe Überlegenheit von Ibrutinib mit einer Verbesserung der progressionsfreien Überlebens (PFS)-Rate auf 74% vs. 16% (HR=0,137; 95%-KI: 0,090-0,210) (3). Auch Hochrisiko-Patienten, die unter Chemo-Immuntherapie eine sehr schlechte Prognose haben, profitierten von Ibrutinib, erläuterte Trepel: So beeinflusste Ibrutinib die PFS-Rate nach 4 Jahren bei unmutiertem IGVH (immunglobulin heavy-chain variable region gene) ähnlich effektiv (75% vs. 4%) wie bei mutiertem IGVH (79% vs. 29%). Ibrutinib wurde von den meisten Patienten gut vertragen. Wichtig sei, so Trepel, dass Ibrutinib unter der Dauertherapie keine kumulative Toxizität induziert.

Dr. Günter Springer

Quelle: Experten-Debatte „Chemotherapie-freie Erstlinienbehandlung der CLL?“, 26.06.2018, Mannheim; Veranstalter: Janssen-Cilag

Literatur:

(1) Eichhorst B et al. Lancet Oncol 2016;17(7):928-942.
(2) Goede V et al. Blood 2015;126:1733.
(3) Burger JA et al. EHA 2018; Abstract PF343.


Das könnte Sie auch interessieren

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

Am 1. Oktober 2016 ist Internationaler Morbus Gaucher-Tag. Für die Passanten in der Frankfurter Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen wird dies kein gewöhnlicher Einkaufssamstag werden. Denn an diesem Tag wollen Sanofi Genzyme und die Patientenorganisation Gaucher Gesellschaft Deutschland e. V. (GGD) das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die seltene Stoffwechselerkrankung Morbus Gaucher [sprich: go-schee] lenken – und zwar mit der Aktion „AugenBLICK für...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Chemotherapie-freie Erstlinientherapie der CLL"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASH 2019
  • Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose
  • Neue ITP-Leitlinien der ASH unterstreichen die Bedeutung von Thrombopoetinrezeptor-Agonisten für die Zweitlinientherapie der ITP
  • Registerdaten aus dem klinischen Alltag zur CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL-Patienten
  • CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI
  • Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib
  • Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Verhältnis von RNA- und DNA-basierten quantitativen KIT D816V-Mutationsanalysen prognostisch relevant
  • Ruxolitinib moduliert Mikroenvironment des Knochenmarks bei der Myelofibrose
  • CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie
  • Sichelzellanämie: Reduktion schmerzhafter vaso-okklusiver Krisen verringert Organschädigungen und verbessert Lebensqualität