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Medizin

10. Oktober 2019 CTCL: Real-World-Daten stützen Anwendung von Brentuximab Vedotin

Real-World- und CD30-Expressionsdaten stützen nach Ansicht der Referenten eines Symposiums von Takeda Oncology die Anwendung von
Brentuximab Vedotin (Adcetris®) bei allen CD30-positiven CTCL-Formen. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat erweitert seit Dezember 2017 das Therapiespektrum für erwachsene Patienten mit CD30-positivem kutanem T-Zell-Lymphom (CTCL) nach mindestens einer vorangegangenen systemischen Behandlung (1). In der finalen Analyse der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie ALCANZA (2) zeigte Brentuximab Vedotin bei Patienten mit CD30-positivem CTCL ein anhaltendes progressionsfreies Überleben (PFS) sowie eine verlängerte Zeit bis zur nächsten antineoplastischen Therapie (3). Real-World-Daten aus 5 europäischen Ländern legen einen medizinischen Bedarf nahe, dem durch zielgerichtete Therapien begegnet werden kann (4). Zudem zeigen Studien, dass auch Tumoren mit niedriger CD30-Expression gut auf CD30 ansprechen (5, 6).
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In der internationalen, randomisierten offenen Phase-III-Studie ALCANZA erhielten 131 Patienten mit CD30-positivem (> 10% CD30 in mindestens einer Probe), primär kutanem anaplastischem großzelligem Lymphom (pcALCL) oder Mycosis fungoides (MF) entweder Brentuximab Vedotin (1,8 mg/kg i.v. alle 3 Wochen für bis zu 16 Zyklen) oder eine Therapie nach Wahl des Arztes mit Methotrexat oder Bexaroten (2). Die von PD. Dr. Chalid Assaf, Krefeld, vorgestellte finale Analyse zeigte unter Brentuximab Vedotin ein anhaltendes progressionsfreies Überleben (PFS) vs. Standardtherapie mit Methotrexat oder Bexaroten (16,7 vs. 3,5 Monate, p<0,001). Mit Brentuximab Vedotin verlängerte sich zudem die Zeit bis zur nächsten antineoplastischen Therapie (14,2 vs. 5,6 Monate, p<0,001), was darauf hinweist, dass das anhaltende Ansprechen klinisch bedeutsam ist (3). Das häufigste unverwünschte Ereignis unter Brentuximab Vedotin waren periphere Neuropathien, die sich jedoch bei 86% der Patienten besserten oder ganz zurückbildeten (3).

Real-World-Daten belegen medizinischen Bedarf bei CTCL

Eine Beobachtungsstudie analysierte Daten von Patienten aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, die nach der ersten Systemtherapie (bei pcALCL auch nach Radiotherapie) bis zum 1. Januar 2016 ein Rezidiv erlitten hatten oder therapierefraktär waren (4). Wie Assaf erläuterte, wurden in diesem „ALCANZA-Setting“ vor allem Nicht-Chemo-Systemtherapien, gefolgt von Mono- und Kombinations-Chemotherapien durchgeführt. Die mediane Zeit bis zu einem weiteren Rezidiv betrug 11,2 Monate, 42,5% der Patienten starben während der Studienperiode. Von den Patienten, die eine Chemotherapie erhielten, erreichten nur 11,2% ein komplettes Ansprechen, bei fast einem Viertel (24,5%) kam es zu einer Progression (4). Die Autoren folgern, dass die Krankheitslast durch das CTCL in Europa sehr hoch ist. Zielgerichtete Therapien, z.B. mit dem gegen das Oberflächenprotein CD30 gerichteten Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab Vedotin, könnten zukünftig eine wichtige Rolle spielen, um dieser Herausforderung zu begegnen.

Auch bei niedriger CD30-Expression wirksam

Das Oberflächenprotein CD30 wird in verschiedenen CTCL-Entitäten sehr unterschiedlich exprimiert. Doch wie eine von PD Dr. Christina Mitteldorf, Göttingen, vorgestellte Literaturrecherche ergab, kann das Ansprechen von Brentuximab Vedotin auch bei niedriger CD30-Expression von < 10% gegeben sein (5-10). Wichtig für die tägliche Praxis sei, dass zwar 95% der Biopsien eine CD30-Expression aufwiesen, diese jedoch variabel sei. Die Variabilität sei abhängig davon, an welchen Lokalisationen und zu welchen Zeitpunkten die Biopsien entnommen würden. Zudem sei ein Trend zu höherer CD30-Expression in fortgeschrittenen Stadien zu erkennen. Es sei daher für die Therapieentscheidung wichtig, mehrere Biopsien eines Patienten auf CD30 zu untersuchen.

Dr. Ulrike Wehkamp, Kiel, und PD Dr. Marion Wobser, Würzburg, stellten jeweils Patienten vor, denen eines gemeinsam war – die niedrige CD30-Expression. Eine Patientin mit Erstdiagnose MF im Jahr 2012 erhielt zunächst Bexaroten, nach Progress der Haut im Februar 2017 (Stadium IB) Methotrexat bis zum Progress von Haut und Lymphknoten im März 2019 (Stadium IIA-B). In der Histologie war die CD30-Expression zwar schwach, doch die Behandlung mit 3 Zyklen Brentuximab Vedotin sprach gut an. Bis Mai 2019 zeigte sich eine klinisch und histologisch komplette Remission der Haut. Im Juli 2019 kam es zu einem Progress, weshalb die Patientin erneut Brentuximab Vedotin erhielt. Die Referentinnen sprachen sich dafür aus, entsprechend den Erfahrungen in anderen Indikationen (11, 12) eine Remission durch eine anhaltende Gabe von Brentuximab Vedotin zu unterstützen.

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) Fachinformation Adcetris®, Stand 02/2019.
(2) Prince HM et al. Lancet 2017; 390 (10094): 555-566.
(3) Horwitz SM et al. ICML 2019; Poster Abstract #232.
(4) Illidge T. et al. EHA 2019, Poster Abstract #PS1256.
(5) Kim YH et al. J Clin Oncol 2015; 33: 3750-3758.
(6) Duvic M et al. J Clin Oncol 2015; 33: 3759-3765.
(7) Sabattini E et al. Haematologica 2013; 98: e81-2.
(8) Talpur R et al. J Invest Dermatol 2006; 126: 575-583.
(9) Willemze R et al. Blood 2005; 105: 3768-3785.
(10) Edinger JT et al. Am J Surg Pathol 2009; 33: 1860-1868.
(11) Fovil KV et al. Leuk Lymphoma 2012; 53: 506-507.
(12) Forero-Torres A et al. Leuk Lymphoma 2015; 56: 1151-1153.


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