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Medizin

06. August 2018 CML: Jeder Zweite verbleibt in therapiefreier Remission

Für die ersten TKI-Absetzstudien mit Nilotinib liegen bereits die Drei-Jahres-Daten vor. Der CML-Experte Prof. Andreas Hochhaus diskutierte die Daten beim EHA-Kongress.
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Mit einer Zehn-Jahres-Mortalität nahe derjenigen der Normalbevölkerung ist die Therapie der chronisch myeloischen Leukämie (CML) mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) bekanntlich ein Erfolgsmodell. Trotzdem kann die TKI-Therapie Grenzen und mögliche Nachteile mit sich bringen, sagte Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor des UniversitätsTumorCentrums Jena. Dazu zählen chronische, niedriggradige Nebenwirkungen, etwa Magen-Darm-Probleme, ein Wechselwirkungsrisiko bei Multimorbidität oder der Nachteil, dass während Schwangerschaft oder Stillzeit kein TKI eingenommen werden kann. Für Imatinib sind zudem Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei einer Therapie im Kinder und Jugendalter bekannt. Hinzu kommt der Kostenaspekt einer lebenslangen TKI-Therapie.

Unabdingbare Voraussetzung für ein Absetzen des TKI ist ein anhaltend tiefes molekulares Ansprechen, betonte Hochhaus. Mit diesen Patienten kann ein TKI-Stopp grundsätzlich besprochen werden. Dabei erreichen unter dem Zweitgenerations-TKI Nilotinib (Tasigna®) fast doppelt so viele Patienten diese Voraussetzung wie unter Imatinib (37,9 vs. 21,6%), zitierte er Daten der ENESTnd-Studie.

Molekulares Monitoring unabdingbar

Für Nilotinib wurde das potenzielle Absetzen der Therapie bereits in die Fachinformationen aufgenommen. Grundlage dafür waren u.a. die Absetzstudien ENESTfreedom und ENESTop, deren 144-Wochen-Daten nun beim EHA-Kongress präsentiert wurden. In der ENESTfreedom-Studie war das Absetzen nach einer Erstlinientherapie mit Nilotinib geprüft worden, in ENESTop nach einer Zweitlinientherapie. Beide Studien ergaben nun, dass fast die Hälfte der Patienten etwa 3 Jahre nach Absetzen immer noch in einer therapiefreien Remission ist (mindestens MR4; 46,8 bzw.48,4%). Bei einem Verlust des Ansprechens erreichten fast alle Patienten unter erneuter Nilotinib-Gabe wieder ein gutes molekulares Ansprechen (MMR; 98,9 bzw. 97,1%) oder eine tiefe molekulare Remission (MR4,5; 92,3 bzw. 91,2%).

Häufigste Nebenwirkung beim Absetzen des TKI waren muskuloskelettale Schmerzen, die jedoch im Verlauf zurückgehen, berichtete Hochhaus. Vor und nach dem Absetzen der CML-Therapie ist ein engmaschiges molekulares Monitoring in einem validierten Labor sehr wichtig, betonte er: „Unter Therapie ist ein BCR-ABL-Monitoring alle 3 Monate medizinisch sinnvoll.“ Gemäß Fachinformationen müssen nach Absetzen von Nilotinib die BCR-ABL-Transkriptmengen und das große Blutbild einschließlich Differentialblutbild für ein Jahr alle 4 Wochen bestimmt werden. Anschließend kann das Intervall auf alle 6 Wochen, nach 2 Jahren auf alle 12 Wochen verlängert werden.

Jochen Schlabing

Quelle: Meet-the-Expert „CML-Therapie heute und morgen“, EHA, 16.06.2018, Stockholm; Veranstalter: Novartis


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