Montag, 20. Mai 2019
Navigation öffnen

Medizin

06. August 2018 CML: Jeder Zweite verbleibt in therapiefreier Remission

Für die ersten TKI-Absetzstudien mit Nilotinib liegen bereits die Drei-Jahres-Daten vor. Der CML-Experte Prof. Andreas Hochhaus diskutierte die Daten beim EHA-Kongress.
Mit einer Zehn-Jahres-Mortalität nahe derjenigen der Normalbevölkerung ist die Therapie der chronisch myeloischen Leukämie (CML) mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) bekanntlich ein Erfolgsmodell. Trotzdem kann die TKI-Therapie Grenzen und mögliche Nachteile mit sich bringen, sagte Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor des UniversitätsTumorCentrums Jena. Dazu zählen chronische, niedriggradige Nebenwirkungen, etwa Magen-Darm-Probleme, ein Wechselwirkungsrisiko bei Multimorbidität oder der Nachteil, dass während Schwangerschaft oder Stillzeit kein TKI eingenommen werden kann. Für Imatinib sind zudem Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei einer Therapie im Kinder und Jugendalter bekannt. Hinzu kommt der Kostenaspekt einer lebenslangen TKI-Therapie.

Unabdingbare Voraussetzung für ein Absetzen des TKI ist ein anhaltend tiefes molekulares Ansprechen, betonte Hochhaus. Mit diesen Patienten kann ein TKI-Stopp grundsätzlich besprochen werden. Dabei erreichen unter dem Zweitgenerations-TKI Nilotinib (Tasigna®) fast doppelt so viele Patienten diese Voraussetzung wie unter Imatinib (37,9 vs. 21,6%), zitierte er Daten der ENESTnd-Studie.

Molekulares Monitoring unabdingbar

Für Nilotinib wurde das potenzielle Absetzen der Therapie bereits in die Fachinformationen aufgenommen. Grundlage dafür waren u.a. die Absetzstudien ENESTfreedom und ENESTop, deren 144-Wochen-Daten nun beim EHA-Kongress präsentiert wurden. In der ENESTfreedom-Studie war das Absetzen nach einer Erstlinientherapie mit Nilotinib geprüft worden, in ENESTop nach einer Zweitlinientherapie. Beide Studien ergaben nun, dass fast die Hälfte der Patienten etwa 3 Jahre nach Absetzen immer noch in einer therapiefreien Remission ist (mindestens MR4; 46,8 bzw.48,4%). Bei einem Verlust des Ansprechens erreichten fast alle Patienten unter erneuter Nilotinib-Gabe wieder ein gutes molekulares Ansprechen (MMR; 98,9 bzw. 97,1%) oder eine tiefe molekulare Remission (MR4,5; 92,3 bzw. 91,2%).

Häufigste Nebenwirkung beim Absetzen des TKI waren muskuloskelettale Schmerzen, die jedoch im Verlauf zurückgehen, berichtete Hochhaus. Vor und nach dem Absetzen der CML-Therapie ist ein engmaschiges molekulares Monitoring in einem validierten Labor sehr wichtig, betonte er: „Unter Therapie ist ein BCR-ABL-Monitoring alle 3 Monate medizinisch sinnvoll.“ Gemäß Fachinformationen müssen nach Absetzen von Nilotinib die BCR-ABL-Transkriptmengen und das große Blutbild einschließlich Differentialblutbild für ein Jahr alle 4 Wochen bestimmt werden. Anschließend kann das Intervall auf alle 6 Wochen, nach 2 Jahren auf alle 12 Wochen verlängert werden.

Jochen Schlabing

Quelle: Meet-the-Expert „CML-Therapie heute und morgen“, EHA, 16.06.2018, Stockholm; Veranstalter: Novartis


Das könnte Sie auch interessieren

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Lange Zeit galt die Diagnose Lungenkrebs als sicheres Todesurteil. Dank neuer Diagnostik und personalisierter Behandlungsmethoden haben sich die Aussichten für Betroffene in den letzte fünf Jahren dramatisch verbessert, wie Experten auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Mailand erklärten. Wichtig sei, stets einen Lungenfacharzt in die Behandlung mit einzubeziehen, betont die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Patienten...

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"CML: Jeder Zweite verbleibt in therapiefreier Remission"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.