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Medizin

23. Juni 2017 CML: ENESTop bestätigt dauerhafte therapiefreie Remission auch nach Wechsel von Imatinib auf Nilotinib

Zweitgenerations-Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) wie Nilotinib führen bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) schneller und bei mehr Patienten zu tiefen molekularen Remissionen als die Erstgenerations-Substanz Imatinib. Eine solche tiefe Remission schafft gute Voraussetzungen für eine therapiefreie Remission auch nach Absetzen der Behandlung. Das gilt auch für Patienten, die von Imatinib auf Nilotinib gewechselt haben: Wie die beim 22. Kongress der European Hematology Association (EHA) präsentierten 96-Wochen-Daten der ENESTop-Studie zeigen, kann ein erheblicher Anteil dieser Patienten auch fast zwei Jahre nach Absetzen von Nilotinib eine tiefe molekulare Remission halten.
In der ENESTcmr-Studie konnte gezeigt werden, dass Patienten, die mit Imatinib keine tiefe molekulare Remission (MR4,5, d.h. ≤ 0,0032% BCR-ABL) erreicht haben, ihre Chance darauf durch einen Wechsel auf Nilotinib deutlich steigern können. In der einarmigen Phase-II-Studie ENESTop, deren Ergebnisse Timothy Hughes, Adelaide, beim EHA-Kongress in Madrid vorstellte, wurde getestet, inwieweit bei solchen Patienten, die nach einem Wechsel von Imatinib auf Nilotinib eine MR4,5 erreicht haben, nach Absetzen von Nilotinib eine therapiefreie Remission möglich ist.

Eingeschlossen wurden 163 Patienten, die mindestens drei Jahre lang mit TKI behandelt worden waren und nach einem Wechsel von Imatinib auf Nilotinib eine MR4,5 erreicht hatten. Sie mussten ein weiteres Jahr lang Nilotinib einnehmen, während die BCR-ABL-Konzentrationen alle drei Monate kontrolliert wurden. War die MR4,5 auch nach einem Jahr noch nachweisbar, konnte Nilotinib abgesetzt werden. Während der ersten 48 Wochen wurde alle vier Wochen mittels PCR die Konzentration der BCR-ABL-Transkripte kontrolliert. Von 126 Patienten, die in die Absetzphase eingetreten waren, waren nach 48 Wochen 73 (57,9%) noch in therapiefreier Remission gewesen, d.h. sie hatten mindestens eine MR4 aufgewiesen (BCR-ABL ≤ 0,01%); nach nun 96 Wochen waren es noch 67 (53,2%), so Hughes. Bei vier Patienten war wegen eines Anstiegs der BCR-ABL-Konzentrationen die Wiederaufnahme der Nilotinib-Behandlung erforderlich geworden, eine Patientin hatte die Studienteilnahme nach 60 Wochen wegen einer Schwangerschaft beendet, ein weiterer Patient war nach 90 Wochen auf eigenen Wunsch ausgeschieden.

Von den 56 Patienten, die im Studienverlauf die MR4 verloren hatten, haben bislang 52 nach median zwölf Wochen wieder eine MR4 und nach median 13,1 Wochen eine MR4,5 erreicht. Das ging schneller (median 11 Wochen), wenn Nilotinib bereits bei Verlust der MR4 wieder eingenommen worden war als wenn die Patienten bereits die MMR (BCR-ABL ≤ 0,1%) verloren hatten (median 16 Wochen).

Interessant sind auch die Befunde zu unerwünschten Nebenwirkungen, so Hughes: Während der Konsolidierungsphase, also noch unter Nilotinib, hatten 79,5% aller Patienten solche Nebenwirkungen registriert, während der ersten 48-Wochen-Periode nach Absetzen der Therapie waren es 82,2% gewesen, während der zweiten 48-Wochen-Periode hingegen nur noch 63,0%. Besonders auffällig war die Entwicklung bei den muskuloskelettalen Schmerzen, die nach dem Absetzen beobachtet werden: Ihre Häufigkeit stieg von 13,7% während der Konsolidierungsphase auf 47,9% in der ersten 48-Wochen-Periode nach dem Absetzen, um im zweiten 48-Wochen-Zeitraum wieder auf 15,1% zu sinken. Wie Andreas Hochhaus, Jena, bei einem Pressegespräch während des EHA-Kongresses sagt, handelt es sich bei diesen Schmerzen sehr wahrscheinlich um ein Entzündungssyndrom, das durch die JAK-Aktivierung nach Absetzen des Tyrosinkinaseinhibitors verursacht wird und selten länger als drei Monate andauert; der Patient sollte vorher über ein mögliches Auftreten informiert werden.

Diese Resultate der ENESTop-Studie zeigen laut Hughes und Hochhaus, dass auch nach einem Wechsel von Imatinib auf Nilotinib tiefe molekulare Remissionen und damit die Voraussetzung für ein Absetzen der Behandlung erreicht werden können. Fast zwei Jahre nach Absetzen von Nilotinib sind immerhin noch etwas mehr als die Hälfte dieser Patienten weiterhin in tiefer molekularer Remission. Die Möglichkeit zum Absetzen unter genau definierten Bedingungen ist inzwischen auch in der Fachinformation zu Nilotinib (Tasigna®) enthalten, so Hochhaus.

jg

Quelle: EHA 2017


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