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Medizin

13. Februar 2019 CLL-Erstlinientherapie: Ibrutinib zeigte signifikanten PFS-Benefit vs. Chemoimmuntherapie

Auf dem 60. Kongress der American Society of Hematology (ASH) hat die Alliance for Clinical Trials in Oncology erstmals Ergebnisse einer Phase-III-Studie bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) vorgestellt, die Ibrutinib mit einer Standard-Chemoimmuntherapie in der Erstlinie direkt verglichen hat* (1). Die Studie ergab, dass unter einer Monotherapie mit dem BTK-Inhibitor das relative Progressions- und Sterberisiko signifikant um mehr als 60% verringert war gegenüber der Kombinationstherapie aus Bendamustin und Rituximab (BR)** (2). Die Studienergebnisse lieferten zudem für einige Subgruppen (del17p, del11q), die ein prognostisch ungünstiges zytogenetisches Profil aufwiesen, einen signifikanten PFS-Benefit unter Ibrutinib gegenüber BR (3).
Die offene, randomisierte, kontrollierte, multizentrische Phase-III-Studie schloss therapienaive CLL-Patienten mit einem Mindestalter von 65 Jahren ein (2). Sie waren bei Studieneintritt im Median 71 Jahre alt (2). Nach einer medianen Beobachtungszeit von 38 Monaten hatten die Studienteilnehmer im Ibrutinib-Arm (n=178) das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) noch nicht erreicht (2). Bei Patienten unter der Kombinationstherapie BR (n=176) betrug es 43 Monate (HR=0,39; 95%-KI: 0,26-0,58; p<0,001 für einseitigen Test) (2). Die geschätzte 2-Jahres-PFS-Rate lag unter Ibrutinib bei 87% gegenüber 74% unter BR (95%-KI: 81-92 bzw. 66-80; p-Wert nicht berichtet) (2). Das mediane Gesamtüberleben hatten die Teilnehmer zum Analysezeitpunkt noch in keinem der Studienarme erreicht (2).

Head-to-head-Studie ergänzt Ergebnisse aus RESONATE-2

Die Ergebnisse dieser direkten Vergleichsstudie zwischen Ibrutinib und BR sind eine wichtige Ergänzung zur bestehenden Evidenz des BTK-Inhibitors in der CLL-Firstline. Ein 4-Jahres-Follow-up der zulassungsrelevanten Studie RESONATE-2 hatte bereits zuvor die positive Langzeitwirkung von Ibrutinib in der CLL-Erstlinientherapie untermauert. Gegenüber dem Alkylans Chlorambucil (Clb) reduzierte der BTK-Hemmer das Progressions- und Sterberisiko relativ um 86% (HR=0,137; 95%-KI 0,090-0,210; p-Wert nicht berichtet) (4). Die Patienten hatten unter Ibrutinib das mediane PFS nach 48 Monaten noch nicht erreicht (vs. 15 Monate unter Clb) (4). Verglichen mit Clb waren unter Ibrutinib fast 5x mehr Patienten nach 48 Monaten progressionsfrei (74% vs. 16%) (4). Eine Subgruppenanalyse von RESONATE-2 hatte zudem Hinweise darauf gegeben, dass sowohl Patienten mit mutiertem als auch jene mit unmutiertem IgHV-Status unter dem BTK-Inhibitor einen PFS-Vorteil gegenüber Clb zeigten*** (4).

Keine neuen Sicherheitssignale unter Ibrutinib

In der Head-to-head-Studie zwischen Ibrutinib und BR betrug der Anteil hämatologischer unerwünschter Ereignisse (AEs) vom Grad 3-4 unter dem BTK-Inhibitor 41% (vs. 61% unter BR; p<0,001) (2). Nicht-hämatologische AEs vom Grad 3-4 traten zu 61% im Ibrutinib-Arm und zu 54% im BR-Arm auf (2). Der Anteil nicht-hämatologischer AEs vom Grad 5 lag im Ibrutinib-Arm bei 13% (24 Patienten) und im BR-Arm bei 9% (15 Patienten) (2). Die Ergebnisse zur Verträglichkeit von Ibrutinib stimmten mit dem bekannten Sicherheitsprofil des BTK-Inhibitors überein (5).

* Studienarm 1 und Studienarm 2 der Studie Woyach et al. (1,2) werden hier isoliert von Studienarm 3 betrachtet.
** Bei Progress unter Bendamustin in Kombination mit Rituximab konnten die Teilnehmer dieses Studienarms in den Ibrutinib-Arm wechseln.
*** Explorativer Endpunkt. Weitere prospektive Studien müssen folgen, um diese hypothesengenerierende Aussage zu validieren.

Quelle: Janssen

Literatur:

(1) Woyach JA et al. ASH 2018; Abstract 6.
(2) Woyach JA et al. N Engl J Med 2018; 10.1056/NEJMoa1812836.
(3) Woyach JA et al. N Engl J Med 2018; 10.1056/NEJMoa1812836, Supplementary Appendix.
(4) Burger J et al. EHA 2018; Poster Abstract PF343.
(5) Aktuelle Imbruvica®-Fachinformation.


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