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Medizin

08. Dezember 2019 CAR-T-Zelltherapie mit Tisagenlecleucel punktet im klinischen Alltag mit guter Wirksamkeit bei überlegener Verträglichkeit

TCD19-gerichtete CAR-T-Zellen haben sich bei rezidivierten refraktären (r/r) aggressiven B-Zell-Lymphomen (B-NHL) als hoch wirksam erwiesen. Dies führte auf der Basis klinischer Daten zur Zulassung von Tisagenlecleucel (tisa-cel, Kymriah®) und Axicabtagene Ciloleucel (axi-cel) in der EU. Erste Berichte aus dem klinischen Alltag legen nahe, dass mit CAR-T-Zellen in der Versorgungsroutine vergleichbare Ergebnisse in puncto Wirksamkeit und Verträglichkeit erzielt werden wie in klinischen Studien, die Datenlage ist aber bisher überschaubar. Eine Real-world-Studie des US-amerikanischen CAR T-Cell-Consortiums, die im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida, USA, vorgestellt wurde, brachte nun etwas Licht ins Dunkel (1):
In der multizentrischen retrospektiven Studie von Riedell et al. wurden Real-world-Daten gleichermaßen für tisa-cel und axi-cel erhoben und miteinander verglichen (1). Dabei wurde die Art der Applikation der Zellen ebenso wie die Wirksamkeit und Sicherheit der Medikation evaluiert. Die Wissenschaftler analysierten dazu retrospektiv Daten von Patienten mit aggressiven B-Zelllymphomen, die sich an 8 US-amerikanischen akademischen Zentren einer Apherese als Vorbereitung für eine CAR T-Zelltherapie mit axi-cel oder tisa-Cel unterzogen. Patientencharakteristika und Behandlungsabläufe wurden deskriptiv erfasst und analysiert.

261 Patienten gingen in die Untersuchung ein, von denen 168 für eine Behandlung mit axi-cel und 93 für eine Behandlung mit tisa-cel vorgesehen waren. 12 (7%) der axi-cel- und 8 (9%) der tisa-cel-Patienten starben vor der Infusion von CAR-T-Zellen als Folge eines Fortschreitens der Lymphomerkrankung. Das mediane Alter der Patienten bei Apherese betrug 60 Jahre für die axi-cel- und 67 Jahre für die tisa-cel-Patenten. Die Patienten waren überwiegend in einem guten Allgemeinzustand (ECOG Performance Status 0-1 bei jeweils 69% der Patienten in beiden Gruppen) und hatten in Mittel 3 (axi-cel) bzw. 4 (tisa-cel) Vorbehandlungen durchlaufen. Bei 28% (axi-cel) bzw. 25% (tisa-cel) der Patienten war im Vorfeld eine autologe Stammzelltransplantation durchgeführt worden und 59% bzw. 72% hatten eine Bridging-Therapie erhalten. In beiden Gruppen war das diffus-großzellige B-Zelllymphom (DLBCL) die mit Abstand häufigste Entität (87% axi-cel und 95% tisa-cel).

Die Ansprechraten unter den beiden CAR-T-Zelltherapien erwiesen sich als vergleichbar. Die erreichten Ansprechraten unter axi-cel waren etwas höher, aber in der axi-cel-Gruppe waren auch im Mittel deutlich jüngere Patienten als in der tisa-cel-Gruppe. 90 Tage nach der Infusion der Zellen betrugen die objektiven Ansprechraten (ORR) in der axi-cel-Gruppe 70% mit 56% kompletten Remissionen (CR) und in der tisa-cel-Gruppe 59% mit 45% CR. Die erreichten Ansprechraten waren konsistent mir denen, die in den jeweiligen Zulassungsstudien erreicht worden waren.

Unterschiede zwischen beiden Therapien gab es in puncto Sicherheit und Verträglichkeit. Das Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) ≥ Grad 3 wurde bei 12% der Patenten unter axi-cel und 4% der Patenten unter tisa-cel dokumentiert und neurologische Toxizität ≥ Grad 3 bei 40% vs. 2%. Unter tisa-cel mussten auch seltener der Interleukin-6 (IL-6)-Antikörper Rezeptor Tocilizumab (62% vs. 13%, p<0,001) und Steroide (28% vs. 5%, p<0,001) zur Behandlung von Nebenwirkungen eingesetzt werden. Zudem mussten die Patienten unter tisa-cel weniger Zeit im Krankenhaus verbringen: Die mediane Hospitalisierungszeit innerhalb der ersten 28 Tage nach Infusion der CAR T-Zellen betrug unter axi-cel 15 Tage und unter tisa-cel 2 Tage (p<0,001). Die Häufigkeit intensivmedizinischer Behandlungen war unter tisa-cel ebenfalls geringer als unter axi-cel (7% vs. 38%) In der axi-cel-Gruppe wurden 12 Todesfälle und in der tisa-cel-Gruppe 1 Todesfall dokumentiert, die nicht durch ein Fortschreiten der Lymphomerkrankung bedingt waren.

Die Autoren schließen aus den Daten, dass tisa-cel (Kymriah®) im klinischen Alltag mit weniger CRS-Ereignissen und einer geringeren neurologischen Toxizität assoziiert zu sein scheint als axi-cel. Es müssten aber noch weitere Studien bei einer größeren Patientenzahl durchgeführt werden, um eine abschließende Bewertung vornehmen zu können.

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: ASH 2019

Literatur:

(1) Riedell PA et al. A Multicenter Retrospective Analysis of Clinical Outcomes, Toxicities, and Patterns of Use in Institutions Utilizing Commercial Axicabtagene Ciloleucel and Tisagenlecleucel for Relapsed/Refractory Aggressive B-Cell Lymphomas, Präsentiert im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2019, 7. Dezember 2019; Abstract 1599


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