Mittwoch, 26. Juni 2019
Navigation öffnen

Medizin

17. Januar 2019 HR+/HER2- BC: Multigentest ermöglicht gezielten Einsatz von Chemotherapien

Seit einigen Jahren werden in der Brustkrebstherapie Multigentests eingesetzt, um zu ermitteln, wie hoch das Metastasierungsrisiko ist. Ein Team des Brustzentrums am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) hat jetzt Ergebnisse aus der klinischen Routine vorgestellt. Diesen zufolge hilft der am Klinikum eingesetzte Multigentest tatsächlich, Chemotherapien gezielter einzusetzen und damit die Heilungschancen zu verbessern.
Seit November 2011 wird in der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar bei Patientinnen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem Brustkrebs ein Multigentest eingesetzt. Mit diesem lässt sich anhand von Gewebeproben und weiteren klinischen Merkmalen eine Aussage darüber treffen, wie hoch das Risiko für die Patientin ist, dass sich in Zukunft Metastasen bilden. „Anhand des Testergebnisses, das neben molekularbiologischen Tumoreigenschaften auch die individuellen Faktoren Tumorgröße und Lymphknotenbefall mit einbezieht, entscheiden Ärztinnen und Ärzte, ob zusätzlich zu einer operativen Entfernung des Tumors und der anschließenden antihormonellen Behandlung auch eine Chemotherapie sinnvoll ist“, erläutert Prof. Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik. „Bei einem niedrigen Risiko einer Metastasierung kann eine Chemotherapie eine unnötige schwere Belastung sein, bei einem hohen Risiko kann die Therapie verhindern, dass später neue Tumoren entstehen.“

Auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium in den Vereinigten Staaten, einem der weltweit wichtigsten Fachkongresse für Brustkrebs, hat Dr. Johannes Ettl, leitender Oberarzt am interdisziplinären Brustzentrum der Frauenklinik, jetzt die Ergebnisse einer unabhängigen, nicht von einem Hersteller beauftragten Versorgungsstudie zu dem im Brustzentrum eingesetzten Test vorgestellt.

373 Patientinnen getestet

Für die Studie analysierten Ettl und sein Team, wie die Brustkrebserkrankung von 373 Patientinnen in den Jahren nach dem Beginn der ersten Behandlung und dem damit verbundenen Test tatsächlich verlief. Der Test hatte für 238 Patientinnen (63,8%) ein niedriges Risiko, für 135 (36,2%) ein hohes Risiko ergeben. Es zeigte sich, dass nach einem mittleren Beobachtungszeitraum von 3,5 Jahren bei Patientinnen in der Hochrisikogruppe im Vergleich zur Niedrigrisikogruppe in der Praxis die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch war, dass der Brustkrebs wieder auftrat und sogar fünfmal so hoch war, dass sich Metastasen in anderen Organen bildeten. Unter den Niedrigrisiko-Patientinnen und den Hochrisiko-Patientinnen, die zusätzlich zur Antihormontablette mit Chemotherapie behandelt wurden, lebten nach 3 Jahren 96,6% (Niedrigrisikogruppe) bzw. 96,3% (Hochrisiko und Chemotherapie) ohne Brustkrebs. Bei den Patientinnen mit hohem Risiko, bei denen trotz der Test-basierten Empfehlung der Ärztinnen und Ärzte keine Chemotherapie eingesetzt wurde, waren es dagegen nur 91,5%.

„Unsere Beobachtungsstudie liefert erstmals Daten aus der klinischen Routineversorgung, die zeigen, dass der Test tatsächlich wichtige Anhaltspunkte für die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie liefern kann“, sagt Kiechle. „Gensignaturtests sind wichtige Werkzeuge, die uns helfen, Chemotherapien gezielter einzusetzen und sowohl einen unnötigen Einsatz dieser stark belastenden Therapien als auch einen potenziell folgenschweren Verzicht auf eine Chemotherapie bei hohem Metastasierungsrisiko zu vermeiden.“

Quelle: Technische Universität München


Das könnte Sie auch interessieren

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu
© Expensive / fotolia.com

Eine Krebserkrankung hinterlässt Spuren, körperliche und seelische. Für Patientinnen ist es manchmal schwer, über ihre Empfindungen und Ängste zu sprechen. Umso belastender kann es sein, die mit der Krankheit häufig einhergehende Beeinträchtigung der Sexualität in Worte zu fassen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bietet Unterstützung an – auch bei Fragen, die viele als heikel empfinden.

„Durch Wissen zum Leben“

Wann immer möglich, wird heutzutage versucht, Krebspatienten Klinikaufenthalte zu ersparen. Die Behandlung erfolgt vielmehr bevorzugt ambulant bei niedergelassenen Krebsmedizinern oder in Klinikambulanzen. Das erlaubt es den Patienten, trotz der Erkrankung weitestgehend in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und ihrem Alltag nachgehen zu können. Die vorwiegend ambulante Behandlung hat jedoch auch zur Folge, dass dem Patienten weniger Ansprechpartner zu allen Fragen zur Erkrankung und...

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HR+/HER2- BC: Multigentest ermöglicht gezielten Einsatz von Chemotherapien"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren